Die Tannentrieblaus wurde ab 1840 mit Jungpflanzen der Nordmannstanne aus der Kaukasusregion nach Mitteleuropa eingeschleppt. Seitenanfang : weiter zum Inhalt|
weiter zur Themennavigation|
LWF - Logo mit Link zu Startseite| Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten |
Wappen mit Link auf die Startseite des StMELF|
Kopfnavigation: weiter zur Position im Verzeichnisbaum|
Position im Verzeichnisbaum: weiter zum Inhalt|
StMELFLWFWaldbewirtschaftungWaldschutz → Tannentrieblaus und Tannenstammlaus - Läuse an Nadeln und Trieben der Tanne
Inhalt: zurück zum Seitenanfang|

Läuse an Nadeln und Trieben der Tanne

Ralf Petercord

Weiße Wachswolle und charakteristisch gekrümmte Nadeln als sicheres Erkennungsmerkmal

Landwirte denken bei Insekten und Schädlingen sofort an Läuse, Forstleute eher an Borkenkäfer und Schmetterlinge. Schäden durch Läuse spielen in der Forstwirtschaft in der Regel eine untergeordnete Rolle, aber wie immer bestätigt eine Ausnahme die Regel - und zu diesen Ausnahmen zählen die Läuse an der Weißtanne wie Tannentrieblaus und Tannenstammlaus.

Tannenstammlaus Tannenstammlaus (Dreyfusia piceae): Auffällige weiße Überzüge auf ansonsten dunklen Stämmen (Foto: R. Petercord)

Auffällige weiße Überzüge auf ansonsten dunklen Stämmen machen den Befall der Weißtanne durch die Tannenstammlaus (Dreyfusia piceae) unübersehbar. Der Befall der einheimischen Art gilt trotz des damit einhergehenden Nährstoffentzugs als unproblematisch. Erst mit dem Hinzutreten weiterer Arten, wie beispielsweise dem Tannenrüssler oder den Tannenborkenkäfern als Sekundärbesiedler geschwächter Stämme, wird die Situation kritischer.Die Tannenstammlaus ist allerdings nicht die einzige Art, die die Weißtanne befällt.

Das Auftreten der ursprünglich im Kaukasus beheimateten Tannentriebläuse muss deutlich kritischer beurteilt werden. Wie die Tannenstammlaus gehören auch die beiden Arten der Tannentrieblaus(Dreyfusia nordmannianae und Dreyfusia merkeri) zur Gattung Dreyfusia. Im Gegensatz zur erstgenannten befällt die Tannentrieblaus aber nicht nur den Stamm, sondern auch die Nadeln.
Beiden Arten der Tannentrieblaus befallen überwiegend Weißtannen der ersten Altersklasse. Der Nadelbefall führt zu einer charakteristischen Nadelkrümmung und bei starkem Befall zum Absterben der Triebe. Mehrjähriger starker Befall durch die Tannentrieblaus kann zu deutlichen Wuchsdeformationen bis hin zum Absterben der Weißtanne führen. Eine zu rasche Auflichtung des Altholzschirms fördert den Befall. Bei waldbaulichen Maßnahmen zur Förderung von Weißtannenvoranbauten und -verjüngungen ist diese biotische Gefährdung zu berücksichtigen. Eine besondere Gefährdung geht von der Einbrütigen Tannentrieblaus (Dreyfusia nordmannianae) aus, die vergleichsweise häufig vorkommt und landesweit verbreitet ist.

Steckbrief Tannentrieblaus (Dreyfusia nordmannianae)

Verbreitungsgebiet

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Tannentrieblaus ist die Kaukasusregion. Ab 1840 wurde sie mit Jungpflanzen (Nordmannstanne) nach Mitteleuropa eingeschleppt und ist mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet.

Wirtspflanzen und Entwicklungszyklus

Im ursprünglichen Verbreitungsgebiet durchläuft die Tannentrieblaus einen komplizierten zweijährigen Entwicklungszyklus. Dieser umfasst auch einen Wirtspflanzenwechsel zwischen ihrem Hauptwirt, der Orientfichte (Picea orientalis), und ihrem Nebenwirt, der Nordmannstanne (Abies nordmanniana). In Mitteleuropa hat sich die Tannentrieblaus an die Weißtanne (Abies alba) und andere Tannenarten als neue Nebenwirte angepasst und durchläuft an diesen einen einjährigen Entwicklungszyklus mit sich ausschließlich ungeschlechtlich vermehrenden Generationen.

Biologie (vereinfacht)

  • Überwinterung als Larve unter dichtem Wachswollbelag am Stamm
  • Weiterentwicklung zu Eier legenden Weibchen im zeitigen Frühjahr
  • ab Ende März bis Juni Eiablage an den Trieben
  • ab Ende April Abwanderung erster Larven an die austreibenden Maitriebe und Besiedlung der Nadelunterseiten als »Nadelsauger«
  • Weiterentwicklung der Nadelsauger zu Eier legenden Weibchen
  • von Juni bis Juli Eiablage an den Nadelunterseiten unter Wachswollhäufchen
  • Ende Juli bis Anfang August Wanderung der Junglarven von den Nadeln zurück an den Stamm (»Stammsauger«)
  • im Herbst Weiterentwicklung der Junglarven zum überwinternden Larvenstadium mit Wachswollausscheidung am Stamm

Autor