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Klimaerwärmung und Forstschädlinge - eine zentrale Frage für den Waldumbau
Ralf Petercord, Sindy Leonhard, Martina Muck, Hannes Lemme, Gabriela Lobinger, Thomas Immler und Monika Konnert
Waldschutz-Klimaprojekt: Forschen für die Forstwirtschaft in der Klimaerwärmung
Bei den Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Forstwirtschaft und speziell für den Waldumbau ist die Waldschutz-Situation eine der zentralen Fragen. Denn bevor Bäume an den Folgen von Temperaturerhöhungen oder Niederschlagsdefiziten absterben, werden Forstschädlinge wie der Borkenkäfer die Schwächung der Bäume durch die klimaerwärmung erkennen und für sich zu nutzen suchen. Mit welchen Forstschädlingen müssen wir in Zukunft und bei steigender Klimaerwärmung rechnen und wie können wir Schadereignissen im Wald rechtzeitig vorbeugen bzw. ihr Ausmaß minimieren? Antworten auf Fragen rund um das Thema Waldschutz und Klimawerwärmung erarbeitet derzeit das Sachgebiet »Waldschutz« der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in seinem Waldschutz-Klimaprojekt.
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Auch der Eichenprozessionsspinner profitiert von der Klimaerwärmung. In den vergangenen Jahren trat er in Franken örtlich in erhöhten Populationsdichten auf. (Foto: R. Petercord) |
Die klimaerwärmung führt zu tiefgreifenden Veränderungen der Waldökosysteme, da sich die Beziehungen der verschiedenen Arten zueinander über Anpassungsprozesse neu einstellen werden. Dies gilt in besonderem Maße für Arten, die in Wechselbeziehungen zueinander stehen, wie z.B. bei Baumarten und den an ihnen vorkommenden Forstschädlingen.
Bäume können auch von der Klimaerwärmung und vom Klimawandel profitieren, z.B. wegen der Verlängerung der Vegetationszeit und höherer CO2-Gehalte in der Atmosphäre. Gleichzeitig kann eine Zunahme extremer Witterungsereignisse durch die klimaerwärmung wie Trockenperioden, Stürme u.ä. aber auch zu einer deutlichen Vitalitätsabnahme führen und Bäume für Schadorganismen anfälliger machen.
Beispiele für Interaktionen »Klimaerwärmung und Schaderreger«
Ebenso wie die Baumarten werden auch Insekten und Pilze nicht einheitlich, sondern artspezifisch auf die Klimaerwärmung reagieren. Sie können bei verlängerten Vegetationszeiten mehr Generationen innerhalb eines Jahres durchlaufen (Buchdrucker), bei höheren Temperaturen ihre Entwicklung schneller abschließen (Buchenprachtkäfer) oder neue Lebensräume besiedeln (Eichenprozessionsspinner). Andere Arten, deren Entwicklung stärker an die Tageslänge (Photoperiode) gekoppelt ist, werden von den prognostizierten Witterungsveränderungen der Klimaerwärmung dagegen weniger deutlich profitieren (Nutzholzborkenkäfer, Kiefernbuschhornblattwespe).
Auch das Auftreten milderer und feuchterer Wintermonate im Zuge der Klimaerwärmung ist für die Überwinterungsmortalität von Borkenkäfer und Co. nicht einheitlich zu bewerten. Bei einigen als Larve oder Puppe im Boden überwinternden Arten von Schädlingen wird eine höhere Mortalität während der Überwinterung erwartet (Forleule, Kiefernspanner, Blattwespenarten). Arten mit nicht winterharten Überwinterungsstadien werden dagegen von den milden Wintern in Zeiten der Klimaerwärmung deutlich profitieren (Läuse). Pilzliche Schädlinge profitieren möglicherweise ebenfalls von milderen Wintern, da sie in der physiologischen Ruhephase der Bäume aktiv bleiben und Abwehrmechanismen leichter überwinden können (Phytophthora, Neonectria).
Projekt »Klimaerwärmung und Forstschädlinge«
Das forstliche Forschungsprojekt sucht nach Antworten und Lösungen. Die Notwendigkeit, in bestimmten Situationen Waldschutz-Maßnahmen zur Sicherung seiner forstwirtschaftlichen Ziele ergreifen zumüssen, ist jedem Waldbesitzer und forstlichen Betriebsleiter bewusst.
In der Vergangenheit traten immer wieder Kalamitäten von Forst-Schädlingen auf, die konsequente Gegenmaßnahmen des Waldschutzes erforderten. Vorhandenes Erfahrungswissen wird aber mit den Veränderungen der Klimaerwärmung zumindest teilweise seine Gültigkeit verlieren. Als Reaktion auf das durch die Klimaerwärmung veränderte Gefährdungsrisiko muss die Forstwirtschaft ihre Waldschutzstrategien zur Vermeidung und Bekämpfung der diversen Schädlinge anpassen.
Da es sich bei der Klimaerwärmung um einen dynamischen Prozess handelt, werden auch alle Anpassungsprozesse dynamisch verlaufen (Wirt-Parasit-Beziehung) bzw. verlaufen müssen (Forstwirtschaft). Das Waldschutz-Klimaprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) wird zum Anpassungsprozess der Forstwirtschaft wesentlich beitragen.
Dabei geht es nicht darum, über ein Modell der Klimaerwärmung ein zukünftiges Schadgeschehen zu prognostizieren, sondern Maßnahmen zur Erhaltung der Reaktionsfähigkeit zu entwickeln. Die Reaktionsfähigkeit der Forstwirtschaft beruht auf dem rechtzeitigen Erkennen von Gefährdungssituationen über effiziente Monitoringverfahren und benötigt effektive Vermeidungs- und Bekämpfungsstrategien.
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