Inhalt:
zurück zum Seitenanfang|
Neues Krankheitsphänomen an der Esche
Sindy Leonhard, Ludwig Straßer, Alexandra Nannig, Markus Blaschke, Jörg Schumacher und Thomas Immler
Das Triebsterben an der Esche durch Chalara fraxinea nun auch in Bayern nachgewiesen
Der Esche setzt ein Pilz zu, dessen pathogene Lebensweise bislang unbekannt war. Mittlerweile sind in ganz Nord- und Mitteleuropa auffällige Triebschäden an der Esche zu beobachten. Der Verursacher der Schäden ist durch die forstwirtschaftliche Forschung als Hymenoscyphus albidus (Weißes Stengelbecherchen) mit der neu entdeckten Nebenfruchtform Chalara fraxinea identifiziert. Zur Infektionsstrategie an der Esche sowie möglichen Gegenmaßnahmen besteht weiterhin Forschungs- und Informationsbedarf.
|
Das Eschentriebsterben zeigt sich durch unregelmäßig verlaufende grau-braune Holzverfärbung im Inneren der Eschen-Triebe (Foto: Dr. J. Schumacher, JKI) |
Auf der Suche nach für den Klimawandel stabilen Waldgesellschaften rückt die Mischbaumart Esche neben dem Bergahorn verstärkt in den Focus der Forstwirtschaft. Doch der Esche setzt ein Pilz zu, dessen pathogene Lebensweise bislang unbekannt war. Mittlerweile sind in ganz Nord- und Mitteleuropa auffällige Triebschäden an der Esche zu beobachten.
Aufgrund ihres wertvollen Holzes und ihrer geringen Anfälligkeit gegenüber Schadinsekten und Pilzen ist die Esche eine beliebte Wirtschaftsbaumart. Die Esche spielt beim Waldumbau hin zu klimastabilen Wäldern als wichtige Mischbaumart eine große Rolle. Jedoch wirken die verändernden Umweltbedingungen nicht nur auf die Esche direkt, sondern auch auf die mit ihr in Beziehung stehenden Parasiten. Wirt-Pilz-Beziehungen, die sich bislang in einem Gleichgewicht befanden, können sich zu Ungunsten des Wirtes verschieben. Einige Pilze können dabei sogar ihre Lebensweise umstellen.
Seit dem Jahr 2002 werden in Norddeutschland auffällige Schäden und Absterbeerscheinungen an Eschen beobachtet. Im Jahr 2007 gelang der Erstnachweis des Krankheitserregers für Deutschland. Seit dem Spätsommer 2008 gibt es auch in Bayern Hinweise für diese Erkrankung bei der Esche. Erste forstliche Forschungsergebnisse der LWF zeigen, dass die Trieberkrankung an der Esche nun auch in Bayern auftritt.
Symptomatik des Eschen-Triebsterbens
Im Frühstadium der Erkrankung treten an der Mittelrippe der Eschen-Blätter bräunliche Nekrosen auf. Ab Mitte Juli welken plötzlich die infizierten Triebe und ein vorzeitiger Blattfall sowie Kronenverlichtungen der Esche sind die Folge. Besonders charakteristisch sind die noch lange am Trieb der Esche verbleibenden Blattstiele, die nicht auf natürliche Weise abgestoßen werden. Die befallenen Triebe weisen gelblichockerfarbene bis rostrote Rindenverfärbungen ohne Schleimfluss oder Rindenrisse auf.
Besonders deutlich sind diese Symptome an Jungpflanzen und Wasserreisern der Esche in den Herbst- und Wintermonaten im unbelaubten Zustand zu beobachten. Befallen werden zunächst vor allem die Leit- und Seitentriebe, die in der Folge rasch absterben. Durch einen Austrieb an der Pflanzenbasis oder aus schlafenden Knospen versucht die Esche auf die Infektion zu reagieren. Bei Fortschreiten des Krankheitsverlaufs sterben später auch diese Seitentriebe ab. Aufgrund des verstärkten Austriebs verändert sich zunehmend die Verzweigungsstruktur der Kronen. Dadurch werden vermehrt Zwiesel sowie Verbuschungen in den Kronen gebildet.
Unterhalb der auffällig gefärbten Rindennekrosen der Eschen-Triebe treten sowohl im Längs- als auch im Querschnitt des Triebes grau-braune Holzverfärbungen auf, die eine größere Dimension aufweisen als die Rindenverfärbungen vermuten lassen. Charakteristisch für die Holzverfärbung ist ihre diffuse Ausprägung, welche nicht an den Jahrringsverlauf gebunden ist. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann ein zusätzlicher Befall der geschwächten Esche durch sekundäre Rindenpilze und Holzfäuleerreger erfolgen und die wertvolle Mischbaumart absterben.
Autoren
-
Sindy Leonhard
Ehemalige Projektmitarbeiterin im Sachgebiet Waldschutz, Fachbereich Phytopathologie
-
Ludwig Straßer
Mitarbeiter im Sachgebiet Waldschutz, Fachbereich Phytopathologie
-
Alexandra Nannig
Mitarbeiterin im Sachgebiet Waldschutz, Fachbereich Phytopathologie
-
Markus Blaschke
Mitarbeiter im Sachgebiet Naturschutz, Fachbereich Naturwaldreservate
-
Dr. Jörg Schumacher
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Julius Kühn-Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst
-
Thomas Immler
Ehemaliger Leiter des Sachgebietes Waldschutz
|