Inhalt:
zurück zum Seitenanfang|
Bergmischwald - die Pflege lohnt sich doch!
Sebastian Höllerl
Stabilisierende Maßnahmen in Fichtenreinbeständen der Bergwälder
Die natürliche Vegetation in der Bergmischwaldzone setzt sich aus stabilen Mischbeständen aus Fichte, Buche, Tanne, Bergahorn und weiteren Baumarten zusammen. In den Bayerischen Alpen stocken jedoch auf großer Fläche Fichtenreinbestände, die gegenüber Schneebruch, Windwurf und Insektenkalamitäten sehr anfällig sind. Stabilisierende Maßnahmen wären deshalb notwendig, sind aber oft aufwändig und teuer. Am Lehrstuhl für Waldbau der TUM wurden die Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen und deren finanzielle Konsequenzen durchleuchtet.
|
Sicherheitsäquivalente in Fichtenbeständen |
Unterschiedliche menschliche Einflüsse haben dafür gesorgt, dass es in der Bergmischwaldzone der Bayerischen Alpen große Flächen reiner Fichtenbestände gibt, über 30.000 Hektar allein im Staatswald (Höllerl 2009). Zur Zeit der Salinenwirtschaft und später während der Reparationshiebe nach den Weltkriegen wurden häufig große Flächen kahl geschlagen. Anschließend pflanzte man Fichten, um diese Flächen möglichst schnell und unkompliziert wieder in Bestockung zu bringen. Überhöhte Wildbestände sorgten in der Folge dafür, dass sich Mischbaumarten nicht etablieren konnten. Die entstandenen Fichtenbestände sind in vielen Fällen gänzlich undurchforstet aufgewachsen und gelten als instabil.
Resistenz und Elastizität: zwei Aspekte der Stabilität
Im Rahmen eines umfangreichen Forschungsprojektes sollte geklärt werden, inwieweit die Bestände mit Hilfe waldbaulicher Maßnahmen stabilisiert werden können. Dabei wurden zweierlei Aspekte des Begriffes Stabilität berücksichtigt: Einerseits die Resistenz der Altbestände (Resistenz = die Fähigkeit eines Systems, Störungen wie Schneedruck oder Sturm widerstehen zu können), andererseits die Elastizität in Form einer Vorausverjüngung (Elastizität = die Geschwindigkeit, mit der ein System nach einer Störung in einen Ausgangszustand oder ein Ausgangsgleichgewicht zurückkehren kann). Nachdem waldbauliche Maßnahmen im steilen Gelände oft mit teuren Erntemaßnahmen verbunden sind, wurde auch analysiert, wie sich solche Eingriffe finanziell auswirken. Um die komplexen Fragestellungen zu beantworten, wurde die Methode der »Triangulation« angewandt, die in der Psychologie und der empirischen Sozialforschung schon länger als richtungsweisend angesehen wird, in naturwissenschaftlichen Disziplinen aber bisher nicht angewendet wurde. Dabei wurden in drei Schritten qualitative und quantitative Analysemethoden miteinander kombiniert.
Weiterführende Informationen
Autor
-
Dr. Sebastian Höllerl
ist von der Bayerischen Forstverwaltung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Lehrstuhl für Waldbau der Technischen Universität München abgeordnet.
|