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Vom Umgang mit Fichten-Wäldern

Harald Husel

Grundsatz "früh, mäßig, oft" - die goldene Durchforstungsregel auch in der Fichten-Pflege

In der Rückschau auf 20 Jahre kontinuierliche Arbeit in einem Revier im Fichten-Optimum bestätigt sich auf stabilen Standorten das System der gestaffelten Fichten-Auslesedurchforstung. Bei fehlender Differenzierung der Fichte sichert die Jungbestandspflege mit frühem Kronenausbau und Dickenwachstum die Stabilität.

Fichten-Durchforstungsgrundsätze Fichten-Durchforstungsgrundsätze der Bayerischen Staatsforsten für die Bewirtschaftung von Fichtenbeständen im bayerischen Staatswald,Jungdurchforstung

Bei klimabedingter Umorientierung werden in Fichten dominierten Wäldern Mischbaumarten großzügig gefördert und Weichlaubhölzer erhalten. Die Jungdurchforstung (JD) schließt an mit doppeltem Pflegeturnus im Jahrzehnt und fördert circa 300 bis 400 Z-Bäume. Die Besitzstruktur im Kleinprivatwald betont die Stärken der Fichten-Auslesedurchforstung: Kleine Flächeneinheiten, regelmäßige Eingriffe und mäßige Entnahmemengen. Die Ziele Stabilisierung und Lenkung des Zuwachses von Fichten-Wäldern werden erreicht, der Ausbau einer großen grünen Krone ermöglicht die Vitalisierung.

Fichten-Konzept der Bayerischen Staatsforsten

Das neue Konzept für Fichtenbestände der Bayerischen Staatsforsten geht deutlich weiter.
Die Fichten-JP übergibt nicht mehr als 3.000 Stämme pro Hektar an die JD; bei ebenfalls zwei Eingriffen im Jahrzehnt werden nicht mehr als 100 Z-Bäume betont freigestellt und im Weiteren konsequent gefördert. Mit gewonnener Stabilität für die Fichte (Verhältnis Höhe zu Durchmesser (h/d) unter 70) und Bestandesstruktur (unbehandelte Zwischenfelder) wird der Vorrat ab der Fichten-Altdurchforstung (AD) bei circa 500 Festmetern pro Hektar (fm/ha) gedeckelt. Im Rahmen einer maßvollen Zielstärkennutzung werden die Fichten-Bestände in dauerwaldähnliche Zustände überführt.

Zu den Zielen bei der Behandlung von Fichten-Wäldern ist eine weitere Komponente dazugekommen: Die Wälder dominiserender Fichte auf das sich ändernde Klima vorzubereiten. Das Ansehen der Fichte wandelt sich unter dem Eindruck des Klimawandels vom einstigen Brotbaum zum Sorgenkind künftiger Waldbestände. In Südschwaben stocken noch großflächig junge Fichten-Bestände, die einer unsicheren Zukunft entgegenwachsen. Der Grundsatz "früh + mäßig + oft" ist auch in Fichten-Pflege nach wie vor die goldene Durchforstungsregel. Diese Weichenstellung garantiert Stabilität und Zuwachslenkung, aber auch Vitalität und Gesundheit von Fichten dominierten Wäldern für die Zukunft.
Klimatische Veränderungen verdrängen die Fichte zunehmend aus ihrem "Wohlfühlbereich". Diesem Problem können adaptierte Pflegemaßnahmen jedoch nicht ausreichend begegnen. Oberste Priorität wird daher dem Umbau der Fichten- in standortsgerechte Mischbestände eingeräumt.

Autor

  • Harald Husel
    Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren