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StMELFLWFWaldbewirtschaftungWaldbau → Produktivitätsrelation zwischen Fichte und Fichte/Buche - Konsequenzen angesichts des Klimawandels
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Produktivitätsrelation zwischen Fichte und Fichte/Buche - Konsequenzen angesichts des Klimawandels

Hans Pretzsch

Der Beitrag versucht, bisher existierende Mosaiksteine über Wechselwirkungen zwischen Fichte und Buche zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Es wird gezeigt, dass die Baumarten Fichte und Buche in Mischung, je nach Standortsbedingungen, deutlich weniger, aber auch deutlich mehr Zuwachsleistung pro Fläche und Zeit erbringen können als die jeweiligen Reinbestände. Die Daten werden angesichts des Klimawandels auf der Basis von 23 langfristigen Versuchsflächen entlang eines weiten ökologischen Gradienten erhoben, der von der Schweiz über Süd- und Norddeutschland bis nach Polen reicht.

Fichten-Buchen-Mischbestand Fichten-Buchen-Mischbestand Zwiesel 111 Parzelle 3 (Foto: L. Steinacker)

Die Analyse des Zusammenhangs zwischen Mischungseffekt und Bestandesmerkmalen zeigt für die Fichte, dass eine Beimischung von Buche je nach Höhenbonität der Fichte einen positiven oder negativen Mischungseffekt bewirken kann. Auf armen Standorten übt die Beimischung der Buche einen positiven Mischungseffekt aus, der mit zunehmendem Buchenanteil ansteigt. Auf Fichten-Hochleistungsstandorten kann die Beimischung von Buche den Bestandeszuwachs negativ beeinflussen. Auf mittleren bis guten Standorten ist der Mischungseffekt für die Fichte eher neutral und läuft auf einen reinen Ersatzeffekt hinaus. Bei der Buche ist das Reaktionsmuster anders. Auch hier hängt der Mischungseffekt von der Standortsqualität ab; allerdings ist auf armen Standorten mit einer wesentlich geringeren Mischungsreaktion zu rechnen als auf fruchtbaren Standorten. Im Unterschied zur Fichte fällt der Mischungseffekt insgesamt größer, positiver und seltener negativ aus. Offenbar fördert die Beimischung von Buchen das Wachstum der Fichte auf armen Standorten. Auf Grund der Konkurrenzreduktion der Buche fördert eine Beimischung der Fichte besonders auf wüchsigen Standorten dagegen das Wachstum der Buche.

Dass die Fichte auf ärmeren Standorten von der Buchenbeimischung deutlich profitiert, auf fruchtbaren Standorten aber sogar Einbußen erleiden kann, wird folgendermaßen interpretiert: Auf ärmeren Standorten dominieren die positive Effekte der verbesserten Nährstoffversorgung wegen der Begünstigungswirkung der Buche. Auf fruchtbaren Standorten dagegen dominieren negative Effekte, da die Buche dort ihre überlegene Expansionskraft im Kronen- und Wurzelraum zu Lasten der Fichte ausspielen kann. Die Buche profitiert auf fruchtbaren Standorten von der Fichtenbeimischung deutlich, auf ärmeren Standorten dagegen hat sie weniger Vorteil. Dies lässt folgende Vermutung zu: Auf fruchtbaren Standorten ist die intraspezifische Konkurrenz im Buchen-Reinbestand am größten, deshalb fällt auch die Konkurrenzminderung auf Grund der Beimischung der Fichte am deutlichsten aus. Dagegen ist auf ärmeren Standorten der intraspezifische Ausscheidungskampf geringer, die Struktur reicher und damit auch die entspannende Wirkung einer Fichtenbeimischung zur Buche nicht so groß. Die Ergebnisse und die getroffene Interpretation korrespondieren mit dem von Holmgren et al. (1997) sowie Callaway und Walker (1997) eingeführten konzeptionellen Modell, wonach Begünstigung am deutlichsten auf ärmeren, limitierten Standorten zu finden ist und Konkurrenzreduktion durch Mischung am deutlichsten auf reichen, fruchtbaren Standorten auftritt.

Summary

It is described empirically and condensed in an interaction model that, when cultivated in mixture, Norway spruce and European beech can produce much less (-46 %) but also much more (+138 %) biomass growth compared with the respective pure stands depending on site conditions. The database form 23 long-term mixed stand plots covering an ecological gradient reaching from nutrient-poor/dry to nutrient-rich/moist sites in Switzerland, Germany, and Poland. Growth of Norway spruce is accelerated on poor sites on account of facilitation by European beech. Growth of beech is fostered on excellent sites because of competitive reduction by admixture of spruce. The results are integrated into a species interaction model according to which overyielding can be found especially on poor sites where facilitation by beech offsets limitations, but also on rich sites where admixture of spruce reduces beech’s severe intra-specific competition.

Autor

  • Hans Pretzsch - Lehrstuhl für Waldwachstumskunde der Technischen Universität München