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Vielfalt schaffen, Risiko verringern - Gastbaumarten als Alternativen zur Fichte
Martin Bachmann, Monika Konnert und Andreas Schmiedinger
Angesichts der Unsicherheit darüber, ob und wie die heimischen Baumarten die prognostizierten Klimaänderungen bewältigen werden, sollte der wissenschaftlich begleitete Versuchsanbau von Gastbaumarten kein Tabu darstellen. Zur Vorauswahl forstwirtschaftlich interessanter und für bayerische Verhältnisse klimagerechter Baumarten für kommende Versuchsanbauten wird ein Ansatz vorgestellt, der solche Arten auf Grund eines stratifizierten Drei-Filter-Verfahrens - Klimafilter, Nutzwertfilter, Anbaufilter - identifiziert. Darauf aufbauend sollen Versuchsanbauten angelegt werden.
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Roteiche im Keimtest - Obwohl unsere wichtigste fremdländische
Laubholzart, gibt es noch keine Ergebnisse aus Herkunftsversuchen (Foto: R. Jenner) |
Anschließend werden fünf in dem Verfahren als aussichtsreich diagnostizierte Baumarten beschrieben, die in Bayern bereits seit längerer Zeit angebaut werden. Für Küstentanne, Esskastanie, Douglasie, Schwarzkiefer und Roteiche werden als Ergebnis einer Nutzwertanalyse sozio-kulturelle, ökologische (inkl. waldschutzfachliche) sowie ökonomische Aspekte angesprochen. Außerdem wird vorab auf das forstliche Vermehrungsgut und die Anzuchtphase eingegangen.
Bereits moderate Klimaprognosen gehen im Zeitraum von 2071 bis 2100 für Süddeutschland von einem Anstieg der Jahresmitteltemperatur um etwa 2 °C und einem gleichzeitigen Rückgang der Niederschläge in der Vegetationsperiode um 10 bis 25 Prozent aus. Diese Entwicklung wird sich auf den Zustand und die Zusammensetzung der Wälder erheblich auswirken.
Angesichts der Unsicherheit darüber, ob und wie die heimischen und bisher im Gebiet angebauten Baumarten diese Veränderungen bewältigen werden, sollte der wissenschaftlich begleitete Versuchsanbau von Gastbaumarten (exotische Baumarten mit einem vom Anbaugebiet räumlich verschiedenen Areal) kein Tabu darstellen. Vor allem gilt dies für jene Regionen, in denen ein bis heute nicht vorkommendes, für den größeren Umkreis völlig neuartiges, nicht-analoges Klima erwartet wird.
Hinsichtlich des Stellenwertes der Einbringung von Gastbaumarten gibt es klare Prioritäten:
- Der Schwerpunkt der Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel liegt beim Einsatz heimischer (mitteleuropäischer) Baumarten wie Rotbuche (Fagus sylvatica L., Eiche (Quercus spec.) und Weißtanne (Abies alba Mill.).
- Im warm-trockenen Klimabereich gewinnen „heimische Raritäten“ wie Elsbeere (Sorbus torminalis (L.) Crantz), Feldahorn (Acer campestre L.), Hainbuche (Carpinus betulus L.) und Mehlbeere (Sorbus aria (L.) Crantz) zunehmend an Bedeutung.
- Passfähige „echte Exoten“ besitzen einerseits einen nachrangigen Stellenwert, können andererseits aber das Risiko auf „weitere Schultern verteilen“ (Risikostreuung). Dabei ist neben einer wissenschaftlich fundierten Begleitung eine klare Dokumentation des Einsatzbereiches bedeutsam. Nur wenn bekannt ist, woher die Gastbaumarten (Herkünfte) stammen und wo sie wann unter welchen waldbaulichen Rahmenbedingungen eingebracht wurden, kann gewährleistet werden, dass dieser kontinuierlich wachsende Erfahrungsschatz nutzbar bleibt.
Empfehlungen für Baumarten, die in anderen Klimaten der Erde ihre Trockenheitstoleranz bereits unter Beweis gestellt haben, können bis heute nur auf der Grundlage von Literaturbefunden gegeben werden, da planmäßige, vergleichende Versuchsanbauten in vielen Fällen fehlen. Diese Testphase sollte sich im Idealfall über einen Zeitraum von mehreren Umtriebszeiten erstrecken. Sie ist aber eine zwingende Voraussetzung für Praxisempfehlungen, da nicht nur das Wuchsverhalten der Baumarten als erwünschte Hauptwirkung, sondern auch die unerwünschten Nebenwirkungen auf Boden und belebte Umwelt geprüft werden müssen. Dabei sollen die bei Kölling angeführten Grundsätze für den Anbau von Gastbaumarten besonders beachtet werden.
Summary
With respect to the uncertainty of whether native tree species can cope with the predicted climate change scenarios, science-based cultivation tests of exotic tree species should not be off-limits. A strategy for testing exotic climate-adapted tree species relevant to forestry in Bavaria is presented using a stratified �three-filter-method�. Potential tree species are evaluated using a climatic adaptation filter, an utilization value filter, and a growth and survival filter in order to be considered for subsequent cultivation tests. Using this methodology five promising exotic tree species - Abies grandis (Douglas ex D. Don) Lindley., Castanea sativa Miller., Pseudotsuga meziesii (Mirb.) Franco., Pinus nigra Arnold., Quercus rubra L. - that have been planted across Bavaria in the past have been examined. In particular, the utility value filters� sociocultural, ecological (including silviculture) and economic aspects will be discussed. In addition, the reproduction, species establishment and growth potential will be discussed.
Autoren
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Dr. Martin Bachmann
Leiter des Sachgebiets Waldbau an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft
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Dr. Monika Konnert
Leiterin Bayerisches Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht
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Andreas Schmiedinger
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