Naturnahe Waldwirtschaft und konsequenter Waldumbau, damit die bay. Wälder auch künftig alle gesellschaftlichen Bedürfnisse erfüllen können. Seitenanfang : weiter zum Inhalt|
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StMELFLWFWaldbewirtschaftungWaldbau → Waldumbau und Klimaerwärmung: Die Fichte im Wandel
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Die Fichte im Wandel

Franz Brosinger und Simon Östreicher

Die Fichte ist mit einer Anbaufläche von über einer Million Hektar und einem Anteil von 45 Prozent heute die bedeutendste Baumart in Bayern. Sie bildet das wirtschaftliche Rückgrat der bayerischen Forst- und Holzwirtschaft. Der Anbau der Fichte außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes war aber schon immer mit hohen Risiken verbunden, die sich im Zuge des Klimawandels noch deutlich erhöhen werden. Für die bayerische Forstwirtschaft stellen sich deswegen folgende Fragen: Mit welchen waldbaulichen Konzepten können wir auf die steigenden Risiken reagieren? Welche Rolle spielt die Fichte künftig in Bayerns Wäldern? Die Bayerische Forstverwaltung setzt mit einer naturnahen Waldwirtschaft auf einen konsequenten Waldumbau. Vor allem auf Risikostandorten müssen Fichtenreinbestände großflächig in klimatolerante, stabile und standortsgerechte Mischwälder umgebaut werden. Dennoch wird die Fichte auch künftig eine bedeutende Baumart in Bayern bleiben.

Fichte Windwurf Waldumbau dringend geboten: Die flachwurzelnde Fichte ist stark windwurfgefährdet. (Foto: S. Östreicher)

Die Zukunft der Fichte in Bayern

Wie können die Waldbesitzer auf die bei der Fichte zu erwartenden Probleme reagieren? Das ist eine der wich - tigsten, wenn nicht die wichtigste Frage für die bayerische Forstwirtschaft in den nächsten Jahren. Verschiedene Seiten schlagen Lösungen vor, beispielsweise:

Weiter machen wie bisher

Viele Waldbesitzer meinen, dass die Klimaexperten mit ihren Prognosen übertreiben. „Das mit der Fichte ist bisher gut gelaufen. Warum sollen wir unsere Wirtschaftsweise ändern, die sich schon beim Großvater und Vater bewährt hat.“ Meist fehlen diesen Waldbesitzern einschlägige Erfahrungen, denn die Waldbesitzer, deren Wälder flächig von Stürmen und Borkenkäfern vernichtet wurden, denken anders.

Umtriebszeiten stark verkürzen

Vertreter eines sehr rationalisierten Bewirtschaftungsmodells wollen mit niedrigeren Baumhöhen unter anderem das Risiko für Sturmwurf mindern. Die „Kurzumtriebs- Konzepte“ orientieren sich allein an wirtschaftlichen Interessen und stehen einer plantagenartigen Wirtschaftsweise nahe. Das Modell hat nichts mit naturnaher Waldwirtschaft zu tun, wie sie das Waldgesetz für Bayern fordert. Außerdem akzeptiert der überwiegende Teil der Bürger das Modell nicht.

Die Fichte weitgehend und schnell beseitigen

Teile des Naturschutzes und einige Wissenschaftler vertreten die These, dass die Fichte außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes bisher schon fehl am Platze war. Standortswidrige Fichtenbestände sollten daher schnellstmöglich – egal ob sie erntereif sind oder nicht – in Laubwälder umgewandelt werden. Das Vorgehen wäre auf größerer Fläche nicht praktikabel und lässt sich auch wirtschaftlich nicht vertreten.

Auf die Bestandessituation abgestimmte Herangehensweise

Ob eines der drei Modelle der waldbaulichen Herausforderung gerecht wird, die bayerischen Wälder möglichst gut an das künftig zu erwartende Klima anzupassen, ist zu bezweifeln. Deswegen verfolgt die Bayerische Forstverwaltung eine auf die jeweilige Bestandessituation abgestimmte Herangehensweise (Brosinger 2007). Je nach Risiko, das vor allem von Standort, Bestandesalter und Mischungsform abhängt, muss unterschiedlich schnell und intensiv vorgegangen werden. Besonders anfällige Nadelholzreinbestände beispielsweise sind vordringlich und flächig in stabile und klimatolerante Mischwälder umzubauen. Bayern ist hier mit der naturnahen Forstwirtschaft bereits auf einem guten Weg (LWF 2003), aber in Zeiten des Klimawandels müssen die Bemühungen noch deutlich gesteigert werden. Die rasche Anpassung der Wälder an die sich verändernden Wuchsbedingungen und Gefahren stellt eine gewaltige Herausforderung dar. Allein im Privat- und Körperschaftswald wachsen in warm-trockenen Gebieten auf etwa 260.000 Hektar Fichtenreinbestände, die vordringlich umzubauen sind. Der Waldumbau sollte künftig nicht nur darin bestehen – wie derzeit in der Regel leider üblich – Schadflächen wiederaufzuforsten, sondern soll möglichst mit einer vorsorgenden und planmäßigen Waldwirtschaft erreicht werden. Die Bayerische Forstverwaltung empfiehlt:

  • Junge und mittelalte Fichtenbestände regelmäßig und konsequent zu pflegen; mit Hilfe einer früh einset - zenden Durchforstung entwickeln sich die Einzelbäume stabiler und bilden eine vitale, große Krone aus, die sie widerstandsfähiger gegenüber Schadereignissen macht;
  • alle sich bietenden Möglichkeiten einer Naturverjüngung aus standortsgemäßen Mischbaumarten zu nutzen; in Altbeständen frühzeitig die Verjüngung einzuleiten und dafür rechtzeitig Buche und Tanne voranzubauen; auf Risikostandorten kann „frühzeitig“ bereits ab einem Alter von 50 Jahren oder noch früher bedeuten.

Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Waldumbau sind angepasste Schalenwildbestände. Nur wenn der forst- und jagdpolitisch Grundsatz „Wald vor Wild“ konsequent umgesetzt wird, können Laubhölzer sowie leistungsstarke und hochproduktive Nadelbaumarten wie Tanne und Douglasie, die wir auch künftg brauchen und wollen, ohne teure Schutzmaßnahmen eingebracht werden. Die Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung der letzten Jahre zeigen, dass in vielen Regionen Bayerns eine angepasste Schalenwilddichte leider noch nicht erreicht ist. Die Waldbesitzer als Jagdgenossen und vor allem die Jäger sind hier künftig verstärkt gefordert. Darüber hinaus rät die Bayerische Forstverwaltung, die Fichtenborkenkäfer konsequent zu bekämpfen, denn jede neue Schadfläche erschwert ein planmäßiges Vorgehen beim Waldumbau und sollte wann immer möglich vermieden werden. Der notwendige Waldumbau bedeutet aber keine völlige Abkehr von der Fichte. Sie wird in Mischbeständen und auf geeigneten Standorten auch in Zukunft eine wichtige Rolle für die Forst- und Holzwirtschaft in Bayern spielen. Ein Blick auf die Altersklassenverteilung der Baumarten in Bayern (Abbildung 6) zeigt, dass der Anteil der Fichte in der Altersklasse bis 20 Jahre und in der Vorausverjüngung gegenüber den älteren Beständen zwar deutlich abnimmt, aber immer noch fast 300.000 Hektar umfasst. Die mittelalten Bestände mit Fichtenanteilen von über 50 Prozent werden erst in einigen Jahrzehnten erntereif sein und zur Verjüngung anstehen. Auf Grund ihrer hohen Flächenanteile in den jüngeren und mittelalten Beständen wird die Fichte auch in den nächsten Jahrzehnten noch das wirtschaftliche Rückgrat der Forstwirtschaft in Bayern bilden. Daher sind Sorgen, dass sich in Bayern in absehbarer Zeit das Angebot von Fichtenholz merklich vermindern wird, unbegründet.

Summary

With 1 million hectares area Norway Spruce is the most important tree species in Bavaria. But it was always also a species with high risks like windthrows and bark beetle calamities. These risks will increase considerably due to climate change. Bavarian forest owners have to react actively to these threatening changes. Monocultures of Norway Spruce should be therefore enriched by tree species which are better adapted to higher temperatures and droughts in order to grow resilient mixed forests. These efforts of the forest owners are substantially supported by the Bavarian Government.

Autoren

  • Franz Brosinger
    Referatsleiter im Referat F 3 - Waldbau und Nachhaltssicherung am bayrischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
  • Simon Östreicher
    Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten