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Die ökonomische Zukunft der Fichte
Thomas Knoke
Die Fichte ist aus ökonomischer Sicht die wichtigste Baumart Bayerns. Gerade die Fichte gilt aber vor dem Hintergrund des Klimawandels als besonders anfällige Baumart. Der vorliegende Beitrag geht daher, basierend auf existierenden Arbeiten, auf ökonomische Aspekte einer zukünftigen Fichtenwirtschaft ein.
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Fichtenwälder im Wandel: Jährliche Erträge für verschieden behandelte Fichtenbestände (nach Beinhofer, im Druck, sowie Knoke et al. 2001) |
Werden zukünftige Risiken (Sturm, Schnee, Insekten, Holzpreisschwankungen) berücksichtigt, zeigen finanziell gestützte Kalkulationen, dass die Fichte bei sinkenden Überlebenswahrscheinlichkeiten an Fläche verliert. Dennoch behält diese Baumart einen erheblichen Flächenanteil, wenn Alternativbaumarten, wie z.B. die Douglasie, nur unter hohen finanziellen Aufwendungen eingebracht werden können. Daher kommt es darauf an, Produktionskonzepte zu entwickeln, die zukünftige Risiken berücksichtigen. Eine Absenkung der Umtriebszeit in bestehenden oder zukünftigen Fichtenbeständen führt zwar zu höheren finanziellen Erträgen, aber auch zu einem Anstieg des finanziellen Risikos. Eine Überführung von Fichtenbeständen in ungleichaltrig aufgebaute Fichten-Tannen-Bestände ist auf vielen Standorten eine Alternative zur Absenkung der Umtriebszeit.
Die Überführung kann die Erträge steigern und gleichzeitig das finanzielle Risiko absenken. Für die zukünftigen Fichtenbestände empfiehlt sich eine gruppenweise Beimischung von Laubholz auch vor finanziellem Hintergrund. Stabilisierungseffekte steigern die finanziellen Erträge dieser Bestände im Vergleich zu reinen Fichtenbeständen, während das Risiko deutlich sinkt. Eine Analyse der Baumartenwahl unter Annahme einer nur bedingt möglichen Risikoeinschätzung der Baumarten hat darüber hinaus gezeigt, dass Handeln selbst dann vernünftig ist, wenn man die Eignung der Baumarten unter geändertem Klima noch nicht treffend einschätzen kann. In einer solchen Situation bieten sich ausgewogene Baumartenmischungen an. Eine abschließend behandelte Analyse möglicher Auswirkungen des Klimawandels auf von Fichten dominierte Forstbetriebe machte deutlich, dass Verluste auf Grund fehlender Naturverjüngung bzw. notwendig werdende Zäunungen die (kurzfristigen) finanziellen Auswirkungen des Klimawandels u.U. erheblich übertreffen können. Vor dem Hintergrund der vielfältigen Belastungen der Forstbetriebe wäre es sinnvoll, deren finanzielle Dimensionen auszuweisen. Auf diese Weise könnte ein sachlich abgestützter gesellschaftlicher Diskussionsprozess darüber in Gang gesetzt werden, was den Forstbetrieben in Zukunft zugemutet werden kann und soll.
Fast die Hälfte der Waldfläche Bayerns (45 Prozent) nimmt die Fichte ein (Brosinger und Tretter 2007). Als „Brotbaum“ der bayerischen Forstwirtschaft hat die Fichte eine enorme Bedeutung, sie gilt aber gleichzeitig unter den Vorzeichen des Klimawandels als besonders anfällige Baumart (Kölling et al., 2009). Vor diesem Hintergrund befasst sich der vorliegende Beitrag mit:
- der Rolle der Fichte bei sinkender Überlebenswahrscheinlichkeit,
- Produktionszeiten und Behandlungsstrategien für Fichte,
- kleinflächigen Beimischungen zur Fichte,
- Fichtenanteilen bei schwerwiegender Unsicherheit
und einer Einordnung der möglichen (kurzfristigen) finanziellen Konsequenzen des Klimawandels für von Fichten dominierte Betriebe. Dazu wird auf bereits existierende Studien zurückgegriffen, die zu einem großen Teil im Rahmen von Doktorarbeiten am Fachgebiet für Waldinventur und nachhaltige Nutzung der Technischen Universität München entstanden sind.
Summary
Spruce (Picea abies) is the economically most important tree species in Bavaria. However, this tree species is expected to be very prone to the consequences of climate change. Based on existing studies, this paper analyses the economic effects of (1) decreased survival probabilities for Spruce, (2) shortened rotations, (3) admixtures in Spruce stands, (4) severe uncertainty when deciding on tree species, and (5) altered tree growth under climate change in forest enterprises that are dominated by Spruce. Despite decreased survival probabilities, a possible future portfolio of tree species will still contain a high proportion of Spruce, if alternative tree species have much higher establishment costs than Spruce. It is shown that shortened rotations may not only increase financial return of Spruce but also financial risks. A transformation of Spruce stands into uneven-aged Spruce-Fir stands can be a financially interesting alternative. We are on the safe side, if we form more resistant future Spruce stands by admixing broadleaved tree species. This is also financially advantageous. Even in a situation of severe uncertainty, when we don’t know much about the appropriateness of tree species, it is meaningful to convert monocultures into mixed stands. When knowledge about future conditions is very uncertain it may be meaningful to form balanced tree species shares to obtain maximum flexibility: If we have balanced tree species proportions we can adapt tree species compositions by means of thinning in later times, when we have learned more about the consequences of climate change. On the enterprise level, the financial consequences of an altered tree growth under climate change may be much smaller than those of lacking natural regeneration or fences, with the latter being necessary due to over dense deer populations. In conclusion it seems helpful for Bavarian forestry to make financial consequences of social management constraints and efforts to convert existing forests demonstrable to come to a more rational social discussion about what financial burden forest enterprises can and should bear.
Autor
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