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Neophyten im Wirtschaftswald
Susanne Winter, Helge Walentowski und Anton Fischer
Wissenschaftler untersuchen den Einfluss der Waldbewirtschaftung auf die Verbreitung von Neophyten im Wald
Zwölf Prozent der in Bayern vorkommenden Pflanzenarten stammen ursprünglich aus fremden Ländern und zählen zur Gruppe der Neophyten. In dem Landschaftelement Wald ist der Anteil an Neophyten jedoch deutlich geringer. Aber auch im Wald gibt es hinsichtlich Verbreitung und Verteilung der Neophyten große Unterschiede.
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Anteil invasiver und nicht invasiver Neophyten im Wirtschaftswald an BZE² -Punkten mit und ohne erkennbare anthropogene Störstellen |
Über den Handel, als Gartenflüchtlinge und durch die Globalisierung werden Neophyten - fremdländische Pflanzenarten gewollt (als Kulturpflanzen) eingebracht oder ungewollt (z.B. im Saatgut) verschleppt. Nur wenige dieser Neophyten sind dabei zur Etablierung und anschließenden massenhaften Selbstausbreitung befähigt. Allerdings sind die Ansiedlungs- und Arealbildungsmöglichkeiten für Neophyten wegen der Entwaldung großer Flächen und die intensive Landnutzung heute so günstig wie selten zuvor.
Die Eutrophierung der Landschaft auf Grund von Stickstoff- und Kohlendioxideinträgen und die Verlängerung der Wachstumsperiode ermöglichen den Neophyten eine ausgiebige Produktion keimfähiger Samen. Eine weitere Voraussetzung erbringen mildere Winter, die auch frostempfindlicheren Neubürgern verbesserte Überlebensbedingungen liefern.
Die Zahl der in Bayern eingebürgerten Neophyten geben Scheuerer und Ahlmer (2003) mit 383 an. Dies entspricht einem Anteil an Neophyten von 12,2 Prozent und ist ebenso hoch wie in der Schweiz.
Fördert Waldbewirtschaftung die Verbreitung von Neophyten?
Im Rahmen der zweiten Bodenzustandserhebung (BZE²) von 2006 bis 2008 wurde die Vegetation auf 372 BZE-Stichprobenpunkten im bewirtschafteten Wald aufgenommen. Dabei wurden 25 neophytische Arten (ohne Moose) gefunden, die 4,1 Prozent der insgesamt in der BZE² nachgewiesenen Baum-, Strauch- und Bodenpflanzen ausmachen.
Zum Vergleich: In den bayerischen Naturwaldreservaten sind von 563 Arten in der Krautschicht nur 14 (2,5 %) Neophyten. Die Bewirtschaftung von Wald scheint also das Vorkommen von Neophyten zu fördern, wie Winter (2005) für Tiefland-Buchenwälder bereits nachgewiesen hat. Allerdings kommen mit Abstand die meisten Neophyten außerhalb der Wälder im Siedlungsbereich, auf Wiesen und auf Äckern vor.
Fünf der nachgewiesenen Neophyten im Wald (Roteiche, Hybridpappel, Schwarzpappel, Drüsiges Springkraut, Kanadische Goldrute und Riesen-Goldrute gelten als invasive Arten, d.h. sie befinden sich in starker Ausbreitung und/oder besitzen ein hohes Potential, andere Pflanzenarten zu verdrängen. Jeder fünfte Neophyten-Nachweis ist eine Art, die andere, heimische Pflanzenarten im Wald verdrängen kann. Fast 80 Prozent der im bewirtschaftteten Wald nachgewiesenen Vorkommen von Neophyten breiten sich zur Zeit nicht sehr stark aus. Die invasiven Arten bleiben aber nicht auf deutlich erkennbare Störstellen im Wald beschränkt, sondern kommen im Wirtschaftswald mit seinen normalen wirtschaftsbedingten Veränderungen genauso häufig vor.
Autoren
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Dr. Susanne Winter
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Geobotanik, Department für Ökologie und Ökosystemmanagement, der Technischen Universität München.
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Dr. Helge Walentowski
leitet das Sachgebiet »Naturschutz« der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.
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Professor Dr. Anton Fischer
leitet das Fachgebiet Geobotanik
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