Inhalt:
zurück zum Seitenanfang|
Waldbau-Konzepte auf dem Prüfstand - Nichts Neues unter der Sonne
Günter Biermayer
100 Jahre »Antrag Toerring«
Klima- und wetterbedingte Kalamitäten und Massenvermehrungen setzen der deutschen Forstwirtschaft zu. Einzelne Forstleute glauben nun, die Wälder seien zu alt und zuwachsmüde. Vor hundert Jahren schon hatte jemand dieselbe Idee: Reichsrat Graf zu Toerring-Jettenbach.
Verschiedene Interessengruppen finden sich in jüngster Zeit bei einer universellen Lösung für die aktuellen Probleme der Forst- und Holzwirtschaft vereint. Seien es Vertreter der industriellen Holzverbraucher oder auch einzelne forstliche Betriebsführer. Sie haben eine gemeinsame Antwort auf die hohe Mengennachfrage nach Holz als Werkstoff und Energierohstoff sowie auf die Häufung wetterbedingter Kalamitäten und Insektenmassenvermehrungen. Ihre Botschaft lautet: Unsere Wirtschaftswälder seien zu alt und zu vorratsreich.
Dies verhindere höchsten Zuwachs und es sei überhaupt kein Wunder, dass in diesen überalterten Forsten Schadereignis auf Schadereignis einträte. Darauf dürfe man nicht warten. Alles spreche dafür, die Althölzer abzunutzen und damit den Wald rasch jünger (und damit zuwachskräftiger und gesünder) zu machen.
Diese »Vereinfacher« haben eine großen Vorteil auf ihrer Seite: Kaum jemand hat sich mit den ziemlich komplizierten und keineswegs überall einheitlichen Fakten wirklich beschäftigt. So lässt sich die einfache Lösung für alle Probleme leicht anpreisen.
Autor
-
Günter Biermayer
leitet das Referat »Forschung, Innovation, Waldpädagogik« des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
|