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Urban Treutlein und Christine Achhammer
Waldumbauoffensive 2030 – LWF aktuell 118

Wald und Waldumbau stehen in der Mitte unserer Gesellschaft. Zugleich fordert der Klimawandel mit all seinen Fragen und Gefahren alle Teile unserer Gesellschaft heraus. Eine wichtige Antwort darauf gibt Bayern mit der Waldumbauoffensive 2030.

Eine Gruppe von Menschen, vorrangig Männern, steht auf einer Lichtung und lässt sich von einem in Warnfarben gekleideten Herrn das richtige Pflanzen von Nadelbäumen erklären.Zoombild vorhanden

Abb. 1: Gruppenberatung bei der Baumartenwahl und der Wahl des richtigen Pflanzverfahrenens. (Foto: AELF Landshut)

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für die Menschheit. In Bayern gehen die Experten davon aus, dass neben einem Anstieg der mittleren Temperaturen vor allem extreme Wettersituationen wie Dürre, Starkregen oder Unwetter zunehmen werden. Auf unsere Wälder und unsere Forstwirtschaft wirkt sich das massiv aus. Anders als bei landwirtschaftlichen Kulturen, die kurzfristig entsprechend der jeweils aktuellen Bedingungen verändert werden können, bedeutet die Wahl der Baumarten im Wald eine sehr langfristige Bindung.

Die Forstwirtschaft ist mit der Herausforderung konfrontiert, vorausschauend und möglichst genau die zu erwartenden Klimaveränderungen und deren Auswirkungen auf die verschiedenen Waldstandorte abzuschätzen und im Rahmen des vorsorgenden Waldumbaus die Baumartenwahl bereits heute auf die künftigen Rahmenbedingungen abzustimmen. Nur so kann die wirtschaftliche Produktivität der betroffenen Waldflächen erhalten und die nachhaltige Erbringung aller Leistungen des Waldes gesichert werden.

Die Schaffung zukunftsfähiger, klimastabiler Wälder bleibt eine zentrale Herausforderung der Forstwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten. Der bayernweit seit 2016 anhaltende Borkenkäferbefall und der Gewittersturm »Kolle« 2017 zeigen, wie wichtig die frühzeitige, aktive Anpassung der Wälder an den Klimawandel ist. Mit der Waldumbauoffensive 2030 hat Bayern die Weichen für einen forcierten Waldumbau gestellt. Die bayerischen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer profitieren von einer kostenfreien Beratung durch die Bayerische Forstverwaltung und können auf eine zuverlässige Förderung vertrauen.

Gewittersturm »Kolle«

Die Reihe der Stürme und Schadereignisse der letzten zehn Jahre hat sich mit »Kolle« unaufhaltsam fortgesetzt. Am Abend des 18. August 2017 führte das Tiefdruckgebiet »Kolle« mit zum Teil orkanartigen Sturmböen vor allem in Ostbayern zu verheerenden Verwüstungen in den Wäldern. In einzelnen Gemeinden wurden bis zu 70 Prozent der Waldfläche zerstört. Daneben gab es katastrophale Schäden an Gebäuden und Infrastruktureinrichtungen.

Kolle hat circa 12.000 Hektar Waldfläche geschädigt, davon mehrere tausend Hektar völlig zerstört. Es waren über zwei Millionen Kubikmeter Schadholz mit hohem Bruchanteil zu beklagen. Für die Waldbesitzer in den beiden hauptbetroffenen Landkreisen Passau und Freyung-Grafenau bedeutete das nicht nur einen erheblichen Wertverlust des über Generationen aufgebauten Waldbestandes, auf diesen Flächen können über Jahrzehnte keine nutzbaren Erträge mehr erzielt werden.

Hinzu kommt auch eine erhebliche Zusatzbelastung menschlicher wie finanzieller Art durch die anstehende Aufarbeitung der Schäden. Darüber hinaus ergeben sich Verluste durch den bayernweit anhaltenden Borkenkäferbefall und die damit zusammenhängende Belastung der Holzmärkte.

Unterstützung für betroffene Waldbesitzer

Aufräumarbeiten in einem Nadelwald, nachdem ein Sturm einen großen Teil der Bäume entwurzelt oder abgeknickt hat.Zoombild vorhanden

Abb. 2: Schäden durch Gewittersturm Kolle. (Foto: F. Popp, AELF Karlstadt)

Bereits im Frühjahr 2017, lange vor »Kolle«, wurden zur Unterstützung der von der Borkenkäferkalamität betroffenen Waldbesitzer sukzessive Hilfsmaßnahmen in die Wege geleitet. So wurde die Bayerische Forstverwaltung mit zusätzlichen Haushaltsmitteln und Hilfskräften ausgestattet, um die Waldbesitzer im Rahmen der Beratung zu sensibilisieren und bei der Käferbekämpfung zu unterstützen. Für den notwendigen schnellen Informationsfluss sorgen ein internetgestütztes Borkenkäfermonitoring sowie überregionale und branchenübergreifende Netzwerke und Runde Tische.

Bereits rund zwei Wochen nach »Kolle« konnten im Hauptschadensgebiet Satellitendaten, Ergebnisse aus einer Luftbildbefliegung sowie digitalisierte Sturmschadenspolygone zur Visualisierung der Schäden zur Verfügung gestellt werden. Damit waren in vergleichsweise kurzer Zeit für Betroffene und Helfer präzise Arbeitsgrundlagen für die anstehenden Aufräumarbeiten vorhanden.

»Kolle«-Soforthilfeprogramm

Für betroffene Waldbesitzer in den Landkreisen Passau und Freyung-Grafenau wurde mit Beschluss der Staatsregierung vom 5. September 2017 ein Soforthilfeprogramm zur Räumung der Waldflächen und für Liquiditätshilfe bis zu 60 Millionen Euro außerplanmäßig zur Verfügung gestellt.

Ziel der Räumungshilfe war es, dass die Waldbesitzer die Aufarbeitung der Schadflächen besonnen und zügig mit moderner Forsttechnik in Angriff nehmen, um schwerwiegende Beeinträchtigungen für die allgemeine Sicherheit (Unfallgefahren und Waldbrandgefahr) und immense gesamtwirtschaftliche Folgeschäden durch großflächigen Borkenkäferbefall abzuwenden. Das Soforthilfeprogramm wurde daher im Oktober 2017 für vom Orkan »Kolle« in vergleichbarer Weise betroffene Waldbesitzer in ganz Bayern geöffnet.

Für die Räumung der Schadflächen konnte ein Zuschuss von bis zu 6.000 Euro je Hektar beantragt werden. Die Aufräumarbeiten im Hauptschadensgebiet waren bis zum Ende des Jahres 2017 bereits zu circa 80 % abgeschlossen. Über das Soforthilfeprogramm konnten bayernweit fast 41 Millionen Euro ausbezahlt werden. Es wurden 4.815 Anträge für eine Gesamtfläche von rund 8.900 Hektar gestellt.
AELF Anträge Euro Hektar
Passau 3.362 30.769.960 6.620
Regen 984 8.370.720 1.885
andere 469 1.479.010 370
Summe 4.815 40.619.690 8.875
Tabelle 1: Soforthilfe zur Räumung der Sturmflächen
Das oberste Ziel, die Waldbesitzer schnell zu unterstützen und Schäden an Leib und Leben bei der Holzarbeit zu vermeiden, konnte durch das konsequente Handeln des Freistaats Bayern sowie in der Umsetzung durch die Forstverwaltung und die örtlichen Selbsthilfeeinrichtungen der Waldbesitzer bisher erreicht werden.

Nach Auskunft der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) hat es im Hauptschadensgebiet Passau/Regen keine tödlichen Unfälle gegeben. Unverzügliche Informationsveranstaltungen und kostenfreie Beratung durch die Forstverwaltung sowie die staatliche Räumungshilfe geben den Betroffenen das wichtige Gefühl der gesellschaftlichen Unterstützung.

Die massive personelle Verstärkung der Ämter hat sich sehr bewährt. Die Abordnung von über 20 Försterinnen und Förstern aus ganz Bayern und die damit verbundene Präsenz vor Ort konnten zu einer positiven Grundstimmung bei den Waldbesitzern beitragen. Mittlerweile steigt das Interesse an Beratung weg von den Aufräumarbeiten hin zur Wiederbewaldung und zu Wegebauprojekten.

Wiederaufforstung der Sturmwurfflächen

Vogelperspektive eines Waldgebietes. Farblich markiert sind Maßnahmen, die in diesem Bestand durchgeführt werden müssen.Zoombild vorhanden

Abb. 3: »Waldumbau« ist angesagt. (Quelle: BayWIS)

Die Waldbesitzer stehen jetzt mit der Wiederaufforstung der Schadensflächen vor einer großen Herausforderung. Maßgeblich für die Gesundheit und Widerstandfähigkeit der entstehenden Bestände und somit den langfristigen Erfolg sind maßgeschneiderte Lösungen für jede einzelne Fläche und an die jeweilige Situation der einzelnen Waldbesitzer angepasste Konzepte. Neben der Verwendung geeigneter standortgerechter, klimatoleranter und herkunftsgerechter Pflanzen von hoher Qualität kommt es auch auf die sorgfältige Ausführung der Pflanzung und eine langfristige Begleitung der Waldbesitzer bei der Pflege der Flächen an.

Die Forstverwaltung wird die Waldbesitzer intensiv unterstützen. Insbesondere sind eine kostenfreie, neutrale und umfassende Information und Beratung, die Erstellung von Unterlagen für die waldbauliche Förderung, die Begleitung der Durchführung der Wiederaufforstungsmaßnahmen sowie die langfristige Unterstützung der Pflegemaßnahmen auf den Flächen zu leisten. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, Arbeitspakete zu schnüren, die auch zu bewältigen sind. Dabei müssen insbesondere auch die jagdlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Zudem wird mit den Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen, örtlichen Unternehmern, Kommunalwald mit eigenem Personal und Großprivatwaldbesitzern eng zusammengearbeitet.

Für die Wiederaufforstung der Schadflächen werden bis zu 20 Millionen Euro und für den Waldumbau im Hauptschadensgebiet weitere 20 Millionen Euro in den Jahren 2018 bis 2020 bereitgestellt.

Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Hauptschadensgebiet werden für die anstehenden Aufgaben weiterhin im notwendigen Umfang personell verstärkt.

Waldumbauoffensive – 200.000 Hektar bis 2030

SturmschadensflächeZoombild vorhanden

Abb. 4: Sturmschäden. (Foto: F. Popp, AELF Karlstadt)

Aufgrund der überragenden Bedeutung der Wälder für das Allgemeinwohl und die zunehmenden klimabedingten Schäden muss die Anpassung der Wälder an den Klimawandel deutlich forciert werden.

Mit dem Beschluss der Staatsregierung, die Waldumbauoffensive 2030 bayernweit zu starten, ist die zentrale forstpolitische Weichenstellung zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel erfolgt. Dafür sollen bis 2030 insgesamt 200 neue Beratungsförster- Stellen und 200 Millionen Euro zusätzliche Fördermittel bereitgestellt werden. Mit jährlich 20 neuen Stellen und 20 Millionen Euro pro Jahr, beginnend mit dem Nachtragshaushalt 2018 soll künftig der jährliche Umbaufortschritt im Privat- und Körperschaftswald von durchschnittlich 6.000 auf 10.000 Hektar gesteigert werden.

Es ergibt sich daraus ein neues Gesamtziel von rund 200.000 Hektar Waldumbau bis zum Jahr 2030. Die Waldbesitzer brauchen die Unterstützung der gesamten Gesellschaft. Daher ist es auch wichtig, dass die Bedeutung des Waldumbaus in der Mitte der Gesellschaft verankert wird. Folgende Maßnahmen sollen intensiviert bzw. im Rahmen der Waldumbauoffensive 2030 sukzessive neu gestartet werden:

Waldpakt 2018

Die Unterzeichner des Waldpaktes 2018 präsentieren die Urkunde.Zoombild vorhanden

Abb. 5: Die Unterzeichner des Waldpaktes 2018. (Foto: Warmuth, StMELF)

Der Pakt mit dem Privat- und Körperschaftswald wurde anlässlich der Festveranstaltung zum 100-jährigen Jubiläum des Bayerischen Waldbesitzerverbandes auf der INTERFORST am 18. Juli 2018 durch Ministerpräsident Dr. Markus Söder, Forstministerin Michaela Kaniber, BBV-Präsident Walter Heidl, WBV-Vorsitzenden Josef Ziegler, dem Vorsitzenden der Familienbetriebe Land und Forst Bayern, Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg sowie dem Ersten Vizepräsidenten des Bayerischen Gemeindetags und Vorsitzenden des Forstausschusses des Bayerischen Städtetags, Bürgermeister Josef Mend unterzeichnet.

Bayern kann mit 136 Waldbesitzervereinigungen und Forstbetriebsgemeinschaften auf eine deutschlandweit einzigartige flächendeckende Organisation von Selbsthilfeeinrichtungen blicken. Mit den Festlegungen im neuen Waldpakt 2018 werden in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Bayern und den Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen diese Strukturen weiter gestärkt. Mit der Einbeziehung des Körperschaftswaldes in den »Waldpakt 2018« werden die Notwendigkeit der partnerschaftlichen Zusammenarbeit aller Waldbesitzarten betont und die Ziele der Vereinbarung auf eine breite gesellschaftliche Basis gestellt.

Der Waldpakt 2018 ist nach der Waldumbauoffensive 2030 der zweite wichtige Schritt zur zukunftsfähigen Ausrichtung der Forstwirtschaft in Bayern. Vor allem die Förderung der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse wird verbessert und die Kooperation zwischen Zusammenschlüssen und Forstverwaltung personell verstetigt. Die Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse werden künftig noch gezielter unterstützt. So sollen die staatlichen Fördermittel für die Zusammenschlüsse ab dem nächsten Doppelhaushalt von gegenwärtig fünf Millionen Euro auf dann zehn Millionen Euro aufgestockt werden, wenn der Bayerische Landtag dem zustimmt. Auch die Fortbildung der bayerischen Waldbesitzer soll noch größeres Gewicht erhalten.

Weitere Informationen unter: www.stmelf.bayern.de Externer Link

Operative Maßnahmen

  • Beratungsoffensive mit konkreten Waldumbauplänen für die Waldbesitzer
  • Ausbau der Fortbildung der Waldbesitzer
  • Sicherung der Mischbaumarten in jungen Waldbeständen durch ein bayernweites Pflege- und Durchforstungskonzept
  • Bayernweiter Ausbau der erfolgreichen Sonderprogramme Bergwaldoffensive (BWO), Waldinitiative Ostbayern (WIO) und Initiative Zukunftswald (IZW)
  • Einrichtung »Runder Tische Waldumbau« als lokale Plattformen, um alle am Waldumbau Beteiligte und Interessensgruppen einzubeziehen
  • Umsetzung einer Social-Media-Strategie für den Waldumbau
  • Weiterentwicklung der Online-Informationsangebote

Flankierende Maßnahmen

  • Entwicklung präventiver Krisenbewältigungsstrategien
  • Ausbau der Forschung zu neu auftretenden Schäden (z. B. Asiatischer Laubholzbock, aktuelle Kiefernschäden) und Weiterentwicklung des Monitorings (insb. zum Borkenkäfer)
  • Verbesserung der technischen Beratungsmittel (EDV, GPS-Geräte)
  • Ausbau der Bildungs- und Informationsangebote für Erwachsene zu Wald und Waldumbau

Maßnahmen im Bereich Forschung und Entwicklung

  • Weiterentwicklung der bestehenden Klimarisikokarten zu den Baumarten
  • Verstärkte Forschung zur Baumarteneignung
  • Entwicklung regionaler Gefährdungsanalysen

Finanzielle Förderung von Waldumbaumaßnahmen

Der Waldumbau und der Aufbau klimastabiler, zukunftsfähiger Waldbestände erfordern oft hohe Investitionen. Der Freistaat Bayern unterstützt seine rund 700.000 Waldbesitzer daher bei der Bewältigung ihrer Aufgaben auch finanziell. Mit der Umstellung auf die stückzahlbezogene Förderung bei Pflanzmaßnahmen, verbunden mit einem differenzierten Zuschlagsystem, lässt sich für jeden Einzelfall ein maßgeschneidertes Förderangebot erstellen. Auch beim Erhalt und der Pflege von Naturverjüngungen und bei Durchforstungsmaßnahmen zur Stabilisierung junger Bestände können die Waldbesitzer auf bewährte Fördermöglichkeiten zurückgreifen.

Ausblick

Die Herausforderungen durch Klimawandel und demografische Entwicklung können nur in enger Zusammenarbeit zwischen Waldbesitzern, Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen und der Bayerischen Forstverwaltung bewältigt werden. Ziel ist, zukunftsfähige und dabei leistungsstarke Wälder für die Gesellschaft und jeden einzelnen Waldbesitzer zu schaffen und zu erhalten. Auf dem Weg dorthin müssen die rund 700.000 bayerischen Waldbesitzer bestmöglich unterstützt werden. Die kostenfreien Beratung, die Kooperation mit den Selbsthilfeeinrichtungen und eine zuverlässige finanzielle Förderung schaffen hierfür die Voraussetzungen.

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Weiterführende Informationen

Autoren

  • Urban Treutlein
  • Christine Achhammer