Fichtenaltholz mit Buchenvoranbau

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Carina Schwab
Die Förster und die Eiche – LWF aktuell 119

Obwohl er ganz viel Buche in seinem Waldkleid trägt, verbindet man mit dem Spessart immer die Eiche. Die Spessarteiche ist zweifelsohne ein Kind der Eichenwirtschaft.

Somit ist der Spessart als eines der waldreichsten Mittelgebirge Deutschlands auch Kulturlandschaft, seine traditionelle Eichenbewirtschaftung immatierielles Kulturerbe. Carina Schwab besuchte zwei Förster aus dem Spessart, um mehr über diesen besonderen Baum zu erfahren.

Herr Holzheimer, die Eichenbewirtschaftung hat Tradition im Spessart. Wie lange sind Sie schon Revierleiter hier?

Andreas Holzheimer: Ich bin im September 1992 auf das Revier Zwieselmühle gekommen.

Als Sie Ihre erste Eichenfläche angelegt haben – wie war das? Können Sie sich noch daran erinnern?

Andreas Holzheimer: Natürlich, sehr gut sogar – ich wurde nämlich sozuagen ins kalte Wasser geworfen. 1992 war eine ausgesprochene Vollmast. Ich habe damals also sofort damit begonnen, die Saatflächen vorzubereiten; denn besonders Vollmastjahre sind ideal, damit die Saaten auch gelingen. Gleichzeitig wurden von den für die Saat gesammelten Eicheln welche zur Vertragsnachzucht an eine Pflanzschule abgegeben. Dort wurden für uns dann junge Eichen daraus gezogen. Diese Pflanzen konnte ich nach zwei Vegetationsperioden abrufen, so dass ich im Herbst 1994 nochmal zwei Steilhangflächen mit Eichen aus meiner ersten Mast bepflanzen konnte.

Die Förster

Zwei Männer im mittleren Alter

Abb. 1: Andreas Holzheimer (rechts) ist gebürtiger Spessarter und Revierleiter bei den BaySF. Walter Graf (links) war Leiter an verschiedenen Forstämtern und Forstbetrieben in Unterfranken und zuletzt vor seiner Pensionierung am Forstbetrieb Arnstein tätig. Beide beschäftigen sich schon seit Jahrzehnten mit der Eichenwirtschaft im Spessart. (Foto: C. Schwab, LWF)

Würden Sie das heute noch genauso machen? Oder was hat sich seither geändert?

Ein Mann im PortraitZoombild vorhanden

Abb. 2: Andreas Holzheimer (Foto: C. Schwab, LWF)

Andreas Holzheimer: Wie Sie schon sagten, die Eichenwirtschaft hat Tradition im Spessart; und vieles ist hervorragend dokumentiert. Wir können also die Erfahrungen aus Jahrhunderten nutzen. Viel gibt es daran nicht zu ändern. Allerdings bin ich der Meinung, dass dass in Zukunft die Naturverjüngung eine wesentlich größere Rolle spielen wird und muss.

Auch bei der Pflege der Eichenbestände wird sich nicht allzu viel ändern. Versuche haben gezeigt, dass eine zu frühe Freistellung der Eichen zu Lasten sowohl der äußeren als auch der inneren Qualität geht: Äußerlich liegt der Kronenansatz dann tiefer, womit das astfreie Stammstück kürzer wird – und die Jahrringe werden breiter.

Herr Graf, Sie haben als langjähriger Leiter an Forstamt und Forstbetrieb einen großflächigen Überblick über die Eichenflächen im Spessart. Wo funktioniert das »Modell Eiche« besonders gut?

Ein Mann im DreiviertelportraitZoombild vorhanden

Abb. 3: Walter Graf (Foto: C. Schwab, LWF)

Walter Graf: Nicht das Wo ist entscheidend, sondern das Wann. Das Modell Eiche, so wie es bisher bestanden hat, hat überall dort, wo die Eiche auch hingehört, vor allem natürlich in Unterfranken, bestens funktioniert. Das zeigen die eindrucksvollen Ergebnisse der Eichenwirtschaft im unterfränkischen Staatswald. Man muss dazu natürlich die Eiche auch haben wollen und bei ihrer Verjüngung und Pflege die aus dem Rahmen der übrigen Baumarten herausfallenden Besonderheiten und Ansprüche der Eiche berücksichtigen.

Wenn man die Eiche verjüngen will, muss man die Vollmasten nutzen. Zu diesem Zweck ist es nötig, die entsprechenden Bestände »Gewehr bei Fuß« zu haben. Erst mit den Vorbereitungen zur Eichenverjüngung anzufangen, wenn die Eicheln schon am Baum hängen, ist einfach zu spät.

Bekomme ich da nicht Probleme mit der Begleitvegetation?

Walter Graf: Gerade auf den armen Standorten im Spessart ist es möglich, entsprechende Bestände schon ein paar Jahre vorher vorzubereiten: Die Konkurrenzvegetation wie die Brombeere wird hier nicht so schnell zum Problem als anderswo. Die Eiche wächst im Spessart auf allen Standorten. Im Hochspessart sollte man die mäßig frischen Standorte bevorzugen, also die Süd-, Südwest- und Westhänge, aber auch die Plateaulagen. Hier sind die Konkurrenzverhältnisse mit der Rotbuche für die Eiche günstiger.

Woran liegt das?

Eine geradschaftige EicheZoombild vorhanden

Abb. 4: Die Eiche wird im Zuge des Klimawandels konkurrenzfähiger werden. (Foto: C. Schwab, LWF)

Walter Graf: Besonnte Hänge sind nicht nur wärmer, sondern natürlich auch wasserärmer. Damit kommt die Eiche eindeutig besser zurecht als die Buche. Die Eiche wird meiner Meinung nach auch vom Klimawandel profitieren und das prognostizierte Klima besser vertragen als die Buche – gerade im niederschlagsarmen Unterfranken. Das zeigt auch die Geschichte: Einige der schönsten Eichenbestände im Spessart sind um die Zeit nach dem 30-jährigen Krieg entstanden, zu welcher das Klima ebenfalls wärmer war.

Für die Verjüngung der Eiche im entsprechenden und notwendigen Umfang kommen im Spessart nur Jahre mit einer vollen Mast in Frage, wie sie aber seit den 80er Jahren in großer Regelmäßigkeit vorkommen. Nur dann gibt es genügend Saatgut und im zeitlichen Umfeld danach für den Spessart zugelassenes Pflanzgut. Die Eichen-Naturverjüngung, die in den vielen mittelalten und älteren Eichenbeständen im Spessart leicht möglich wäre, kommt derzeit meines Erachtens noch nicht in Betracht – in 50 oder 100 Jahren vielleicht.

Für die Nachzucht der Eiche in erforderlichem Umfang bleibt derzeit nur die großflächige Saat unter Schirm. Entsprechende Verjüngungsflächen müssen von der Forsteinrichtung langfristig geplant und von der Betriebsseite mittelfristig vorbereitet werden. Für die kurze Zeit, in der frisches Saatgut zur Verfügung steht und man die Eiche säen kann – von Oktober bis Dezember – müssen alle betrieblichen Kräfte dafür gebündelt und eventuell auch Fremdkräfte dafür angeheuert werden. Das fällt im Spessart nicht schwer: Die Eichensaat ist immaterielles Kulturerbe für den Spessart und die Spessarter seit der Churmainzer Zeit.

Und wie groß können oder müssen Eichenverjüngungsflächen Ihrer Meinung nach sein?

Zwei Förster im GesprächZoombild vorhanden

Abb. 5: Andreas Holzheimer und Walter Graf (Foto: C. Schwab, LWF)

Walter Graf: Eichen-Verjüngungsflächen müssen – damit sich daraus auch Eichenbestände entwickeln können – eine gewisse Größe aufweisen. Flächen von zwei bis vier Hektar haben sich unter den einheitlichen Standortsverhältnissen im Spessart als ideal erwiesen. Weitere Flächen kamen bei späteren Saaten hinzu und ergaben dann großflächige Eichen-Lagen.

Auf kleineren Teilflächen ist die Konkurrenz anderer Baumarten an den Rändern und durch Eintrag aus dem umgebenden Bestand höher, wodurch im schlimmsten Fall am Ende nur wenige Eichen übrig bleiben. Bestockungsziel bei einem Eichenbestand ist aber 80 % Eiche und 20 % Buche im Hauptbestand, im Nebenbestand 100 % Buche. Reine Eichenbestände waren gar nicht gewünscht.

Welche Tipps würden Sie einem Kollegen zur Eichenbewirtschaftung geben?

Zwei Förster im GesprächZoombild vorhanden

Abb. 6: Die beiden Förster (Foto: C. Schwab, LWF)

Andreas Holzheimer: Ich kann Herrn Graf hier nur bestätigen. Bei der Begründung durch Naturverjüngung oder Saat ist die Individuenanzahl wichtig. Eichenbestände sollte man daher nur in Jahren mit Vollmast begründen oder eben nicht am Saatgut sparen. Ich habe gute Erfahrungen mit 12–15 Zentnern Eicheln pro Hektar gemacht. Ist die Menge groß genug, ist zu diesem Zeitpunkt auch ein Zaun noch nicht zwingend notwendig. Und dann ist ganz entscheidend:

Die Fläche räumen! Die Eiche braucht nicht nur Licht, hier im Spessart benötigt sie gerade auf den besonnten Standorten auch jeden Tropfen Wasser, der zur Verfügung steht. Ein Schirm, und ist er noch so lückig, ist bei der Eiche daher eher kontraproduktiv. Später gilt es, durchstechende Buchen zu entnehmen und den Nebenbestand für ein kühleres Bestandsinnenklima zu erhalten. Eine konsequente Pflege ist für einen Eichenbestand unerlässlich – und das von Anfang an.

Was fasziniert Sie am meisten an dieser Art der Waldbewirtschaftung?

Andreas Holzheimer: Die Eiche ist einfach »ganz anders «. Sowohl von der waldbaulichen Behandlung als auch von der enormen Umtriebszeit ist die Eiche mit keiner anderen Baumart zu vergleichen. Man braucht einfach Geduld für die Eiche und am besten auch ein Jahrzehnt, in dem man den Beständen ihre Ruhe lässt und nur anfallendes Schadholz und, falls nötig, die eine oder andere Buche entnimmt.a

Herr Graf, welchen Flächenanteil könnte und sollte die Eiche Ihrer Meinung nach im Spessart in Zukunft einnehmen und warum?

Abgerissene Buche neben gleichaltrigen, noch stehenden EichenZoombild vorhanden

Abb. 7: Die Buche hat ihr Lebensende erreicht, sie bricht zusammen. (Foto: C. Schwab, LWF)

Walter Graf: Schon zu meiner Zeit als Forsteinrichter wurden für den Spessart 50 % Buche, 25 % Eiche und die restlichen 25 % Nadelhölzer angenommen. Meiner Meinung nach kann sich diese Einteilung aber etwas zugunsten der Eiche verschieben: Neben 50 % Buche ist ein Drittel Eiche vertretbar und die restlichen 17 % können Nadelhölzer sein. Um aber wenigstens den vorhandenen Eichenanteil zu erhalten, sind schon Anstrengungen nötig:

Geht man von ein bis zwei ausnutzbaren Masten im Jahrzehnt – also einer Forsteinrichtungs-Planungsperiode – aus, müssten allein im Hochspessart pro Jahrzehnt mehr als 200 ha auf Eiche verjüngt werden. Für den bayerischen Nordspessart, wo man ja ohnehin den seitherigen Eichenanteil von 12 % erhöhen will, kämen noch Eichenverjüngungsflächen in der gleichen Größenordnung hinzu. Das ist nur über die Eichensaat zu schaffen. Gelungene Saatflächen schaffen darüber hinaus noch für Jahre ein Reservoir von Eichenwildlingen für Eichenpflanzungen und Nachbesserungen.

Wenn die Eichenverjüngung funktionieren soll – und das ist auch bei einer Eichen-Naturverjüngung so – muss es krachen: Einerseits muss genug Saatgut vorhanden sein, andererseits brauchen die jungen Eichen viel Licht, also starke Auflichtungen. Längerfristige Überschirmungen vertragen die jungen Eichen nicht, daher müssen die Flächen rechtzeitig geräumt werden.

Die Eiche lässt sich auch auf Freiflächen bringen und zu Erstaufforstungen nutzen. Sie bietet die Chance, auf für Fichte oder Kiefer unpassenden Standorten in einem Schritt vom Nadelholzbestand zu einem standortgerechten Laubholzbestand zu kommen. Und wie schon gesagt, die Eiche wird mit dem Klimawandel weniger Probleme bekommen als die Buche – gerade auf den entsprechenden Standorten.

Die Eiche wird durch die Klimaerwärmung mehr gefördert. Aber auch Eichenschädlinge werden den Temperaturanstieg nutzen.

Andreas Holzheimer: Natürlich werden auch die wärmeliebenden Schädlinge an der Eiche vom Klimawandel profitieren, beispielsweise der Eichenprozessionsspinner oder Eichenprachtkäfer. Hier ist eine saubere Waldwirtschaft ganz entscheidend! Jeder Revierleiter muss heute schon und künftig noch mehr seine Eichenbestände stets im Blick haben.

Ganz in der Nähe sind die Naturschutzgebiete Metzger und Krone. Was halten Sie von der Entwicklung in diesen beiden Schutzzonen?

Junge Eiche, die vor Verbiss und Fegeschäden durch einen Drahtzaun geschützt wird.Zoombild vorhanden

Abb. 8: Junge Eiche, die zum Schutz eingezäunt wurde. (Foto: C. Schwab, LWF)

Walter Graf: Aufgrund der Entwicklung dort wird oftmals vermutet, dass die Eiche der Buche unterlegen ist. Das stimmt allerdings so nicht pauschal. Metzger und Krone waren ehemalige Hutewälder. Die dortigen Eichen wurden aufgrund dieser Bewirtschaftung nicht sehr hoch und haben in tiefen Stammbereichen Äste entwickelt. Solchen Eichen können die Buchen in die Kronen wachsen und Probleme bereiten, sie gar zum Absterben bringen. In einem Eichen-Hochwald ist das ganz anders. Hier wachsen die Eichen aufgrund der Konkurrenz durch ihre Artgenossen weiter in die Höhe, sie können 30, 40 Meter erreichen. Und das, auf den geräumten und geräumigen Flächen, schneller als die Buche. Auch der Kronenansatz liegt viel höher. Diesen Vorsprung aufzuholen, schafft eine unterständige Buche kaum.

Haben Sie einen Lieblings-Eichenbestand? Oder gar eine Lieblings-Eiche? Und wenn ja, warum?

Andreas Holzheimer: Wir stehen hier in meinem Lieblings-Eichenbestand. Der hat gerade ein Alter erreicht, in dem die Buche an ihre Grenze kommt. Hier sieht man ganz deutlich, dass die Buchen jetzt an ihrem biologischen Ende sind, sie brechen nach und nach in sich zusammen. Die Eichen daneben sind dagegen gerade noch im »Teenie-Alter«. Das so deutlich zu sehen, fasziniert mich.

Walter Graf: Das ist übrigens auch einer meiner Lieblingsbestände im Spessart, ein wunderschöner Eichenbestand. Ich habe aber viele Eichen-Lieblingsbestände im Hochspessart und auf der Fränkischen Platte – dabei viele jüngere und mittelalte Eichenbestände; alle durch Saat oder durch Naturverjüngung bei der Umwandlung von Eichen-Mittelwald entstanden und traditionell gepflegt. Und eine Lieblings- Eiche habe ich auch, die steht allerdings nicht hier, sondern in der Nähe des Naturschutzgebietes Metzger – ein äußerst imposanter Baum.
Herzlichen Dank, dass Sie sich für uns und diesen besonderen Baum Zeit genommen haben.

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