Indische Springkraut scheitert an Durchsetzungskraft heimischer Waldbäume - Birkennaturverjüngung, Fichten und Tannen überwächst Neophyt Seitenanfang : weiter zum Inhalt|
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Indisches Springkraut im Wald - Unkraut vergeht doch

Martin Bachmann, René Wördehoff, Klaus Lamatsch, Alfred Wörle und Christian Ammer

Indisches Springkraut scheitert an Durchsetzungskraft heimischer Waldbäume

Wird in ihrer unmittelbaren Umgebung das Indische Springkraut gemäht oder ausgerissen, zeigt die Waldverüngung - wie vorhandene Birkennaturverjüngung, aber auch gepflanzte Fichten und Tannen - keine verbesserten Wachstumsreaktionen. Nach drei Beobachtungsjahren wurden entsprechende Experimente in Wasserburg und am Irschenberg eingestellt, da das Indische Springkraut mittlerweile unter der Baumverjüngung nicht mehr nennenswert auftritt.

Springkraut Das Indische Springkraut - schön, aber ökologisch bedenklich. Internationale Experten zählen das Indische Springkraut zu den 100 invasivsten, nichtheimischen Arten Europas (Foto: M. Mößnang)

Explosionsartig schleudert jede der bis zu 2,5 Meter großen einjährigen Pflanzen des Indischen Springkrautes (Impatiens glandulifera, auch Drüsiges Springkraut genannt) 1.600 bis 4.300 schwimmfähige Samen über eine Entfernung von bis zu sieben Metern. Kinder freuen sich beim Auslösen über das kribbelnde Gefühl an den Fingern und Imker über die Pollen bzw. Nektarproduktion vom Indischen Springkraut, auch wenn Qualität und Menge hinsichtlich des Ertrages bzw. als vollwertiges Futter (insbesondere als Herbsttracht) nicht ausreichen. Die dekorativen rosafarbenen Blüten haben bereits in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Import und Anbau in europäischen Gärten geführt und dem Indischen Springkraut den Namen »Orchidee des armen Mannes« eingebracht.

Ganz anders stellt sich das Indische Springkraut ind der Wahrnehmung seitens des Naturschutzes und der »Waldbauern« dar. Internationale Experten zählen das Indische Springkraut zu den 100 invasivsten, nichtheimischen Arten Europas. Das Entstehen von Naturhybriden in der heimischen Flora ist dabei eine wesentliche Sorge. Nicht wenige »Bach-Patenschaften « haben dieser Art deshalb den Kampf angesagt und sich der mechanischen Konkurrenzregelung an Gewässerufern verschrieben (Abbildung 1). Die Verdrängung der standortsgerechten heimischen Ufervegetation wird kritisch gesehen, da die heimischen Arten die Böschungen besser stabilisieren als das Springkraut mit seinen nur faustgroßen Wurzelballen. Zudem bietet die artenreiche heimische Ufervegetation den Tieren mehr Lebensraum.

Aber nicht nur Uferhabitate, sondern auch aufgelockerte Waldstrukturen gehören zum »Wohlfühlbereich« des Springkrautes. Hier wird eine verdämmende Wirkung auf das Ankommen und die weitere Entwicklung der Waldbäume befürchtet.
Aus forstlicher Sicht stehen zwei Fragen im Vordergrund:

  1. Schränkt das Indische Springkraut das Wachstum der zu verjüngenden Bäume ein?
  2. Lassen sich die Überlebensraten bzw. die Entwicklung der Verjüngungspflanzen mit mechanischen Bekämpfungsmaßnahmen positiv beeinflussen?

Um diese Frage zu beantworten, hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft im Jahr 2005 am Irschenberg (Lkr. Miesbach) und bei Wasserburg (Lkr. Rosenheim) Versuchsflächen angelegt und dort Versuchsparzellen mit jeweils drei Varianten eingerichtet.

Autoren

  • Martin Bachmann
    leitet das Sachgebiet »Waldbau« der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft
  • René Wördehoff
    René Wördehoff
    ist Mitarbeiter in der Abteilung für Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen an der Georg-August-Universität Göttingen.
  • Klaus Lamatsch
    ehemaliger Mitarbeiter der LWF
  • Alfred Wörle
    Mitarbeiter in der Forschungs- und Projektkoordination im Fachbereich Versuchsflächenbetreuung
  • Prof. Dr. Christian Ammer
    leitet die Abteilung für Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen an der Georg-August-Universität Göttingen.