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StMELFLWFWald und Gesellschaft → Die Auwaldzecke breitet sich aus
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Die Auwaldzecke breitet sich aus

Hans Dautel und Olaf Kahl

Eine Vektorzecke überträgt Krankheiten vor allem auf Tiere

Noch vor 30 bis 40 Jahren galt die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) in Deutschland als Rarität. In den letzten zehn Jahren wurde diese Spezies in Deutschland jedoch häufig nachgewiesen. Im Zuge der Klimaerwärmung breitet sie sich immer weiter nach Norden aus. Während von dem ebenfalls zu den Zecken zählenden Gemeinen Holzbock auch für den Menschen eine große gesundheitliche Gefährdung ausgeht, hat der Mensch von der Auwaldzecke wenig zu befürchten, denn sie sticht ihn äußerst selten. Sehr gefährlich kann ein Stich der Auwaldzecke jedoch für Hunde sein, ist diese Zeckenart doch ein potentieller Überträger der Hundemalaria.

Auwaldzecke Erwachsene Auwaldzecke (Foto: H. Dautel)

In der Vergangenheit war die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) in Deutschland ausgesprochen selten. Heute dürfte sie nach dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) die zweithäufigste Zecke sein, die besonders auf größeren Säugern wie Rot-, Reh- und Damwild, aber auch auf Hunden zu finden ist. Für Letztere kann der Stich sogar lebensgefährlich sein, denn die Auwaldzecke ist ein potentieller Überträger (»Vektorzecke«) von Babesia canis canis, dem Erreger der Hundebabesiose oder auch Hundemalaria.

Typische Krankheitssymptome beim Hund, die meist fünf bis sieben Tage nach einem Stich der Auwaldzecke auftreten, sind gestörtes Allgemeinbefinden, Fieber, Fressunlust und Gewichtsverlust. Auch dunkel gefärbter Harn kann zu beobachten sein, denn die Babesien befallen die roten Blutkörperchen. Der massenhafte Zerfall befallener roter Blutkörperchen führt zu einer Gelbsucht, die die Nieren stark belastet. Werden solche Symptome nach einem Zeckenstich beobachtet, sollte unverzüglich ein Tierarzt aufgesucht werden. Unbehandelt führt die Krankheit häufig innerhalb weniger Tage zum Tod des Hundes auf Grund von Atemnot, Blutarmut und/oder Nierenversagen. Nach neueren Untersuchungen kann die Auwaldzecke mit ihrem Stich noch weitere Erreger übertragen, insbesondere Bakterien der Gattung Rickettsia (z. B. R. helvetica und R. raoultii). Allerdings ist noch nicht ganz geklärt, inwieweit diese Bakterien auch Krankheiten auslösen können. Dagegen dürfte die Auwaldzecke kein Überträger der weit verbreiteten Lyme-Borreliose sein. Stiche kommen beim Menschen zudem relativ selten vor.

Autoren

  • Dr. Hans Dautel
    ist Geschäftsführer der IS Insect Services GmbH. Derzeitige Forschungsschwerpunkte sind die Prüfung von Mitteln zur Zeckenabwehr und die Untersuchung des Wirtssuchverhaltens von Zecken
  • Dr. Olaf Kahl
    ist Managing Editor der wissenschaftlichen Zeitschrift Ticks and Tick-borne Diseases (Elsevier). Seine langjährigen Forschungsschwerpunkte sind die Biologie und Ökologie einheimischer Zecken sowie ihre Überträgerrolle für Borrelien