Welcher Wald wirkt wie? Eine Studie zeigt, wie sich stadtnahe Wälder positiv auf das psychische Wohlbefinden auswirken. Seitenanfang : weiter zum Inhalt|
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Gepflegte Wälder für gepflegte Seelen?

Dörte Martens und Nicole Bauer

WSL-Studie zeigt, welche Art von stadtnahen Wäldern besonders positiv auf das Wohlbefinden der Bevölkerung wirkt

Ein Spaziergang im Wald ermöglicht ein Abschalten von alltäglichen Sorgen und Stress. Verglichen mit städtischer Umwelt wurde diese Erkenntnis vielfach belegt. Welcher Wald aber wirkt wie? Ein Vergleich der Wirkung unterschiedlich bewirtschafteter Wälder ermöglicht spezifische Maßnahmen für die Gestaltung von Wäldern, die das psychische Wohlbefinden unterstützen.

Wald-Vergleich: unbewirtschafteter und bewirtschafteter Wald Spaziergänger im unbewirtschafteten Wald (oben) und im konventionell bewirtschafteten Wald (unten); auf Waldspaziergängen kann sich die Aufmerksamkeit erholen. Wälder, die offensichtlich bewirtschaftet werden, erhöhen das Wohlbefinden der Spaziergänger. (Fotos: D. Martens)

Der positive Einfluss von Aufenthalten in der Natur auf die Erholung ist nicht nur in der Forschung vielfach belegt. Insbesondere für Menschen aus städtischem Umfeld ist ein Spaziergang durch den stadtnahen Wald eine willkommene Flucht aus dem Alltag und führt zu Wohlbefinden und Erholung. Wie sollte so ein Wald aber aussehen? Welche Pflege führt zu einer optimalen Wirkung auf gesundheitliche Aspekte des Menschen?

Mit diesen Fragen beschäftigten sich Wissenschaftler der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). In einem Experiment wurden insgesamt 200 Teilnehmende zufällig einem von vier Waldspaziergängen zugeordnet: 50 von ihnen gingen auf einer festgelegten Route durch einen gepflegten Wald, 50 durch einen unbewirtschafteten Wald mit höherem Unterholz- und Totholzbestand. Weitere 100 Personen nahmen den Wald in einem Film wahr ­(siehe Kasten). Vor und nach dem Spaziergang gaben die Spaziergänger auf einer standardisierten Skala an, wie stark sie Ruhe, gute Laune, Ärger oder Deprimiertheit empfanden.

Neben einer generell positiven Wirkung beider Waldzustände zeigt die Studie, dass ein gepflegter Wald, der Zeichen einer Bewirtschaftung aufweist, den Menschen stärker positiv beeinflusst als ein Wald, den ein hoher Totholzanteil kennzeichnet. Dieser stärker positive Einfluss bezieht sich auf »Ruhe«, »gute Laune« und das Sinken von »Deprimiertheit«. So gesehen ist der Erholungseffekt im gepflegten Wald größer als im verwilderten Wald. Diese Ergebnisse zeigten sich auch im Laufband-Versuch im Labor. Die Wirkung des realen Waldspaziergangs war jedoch deutlich stärker.

Weiterführende Links

Autorinen

  • Dr. Dörte Martens
    bearbeitete an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL)
  • Dr. Nicole Bauer
    leitet das vom Schweizerischen Staatssekretariat für Bildung und Forschung finanzierte Forschungsprojekt