Der Wisent ist das größte freilebende Landsäugetier. Nach seiner Ausrottung in den 20-er Jahren wurde er 1952 wieder im polnischen Białowieża ausgewildert. Seitenanfang : weiter zum Inhalt|
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Wisent auf Herbergssuche

Johannes Riedl und Julia Poettinger

Auswilderungsprojekte erkunden geeignete Gebiete für eine Rückkehr in die freie Wildbahn

Der Wisent ist das größte Landsäugetier Europas. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts rottete der Mensch die letzten freilebenden Wisente aus. Der 1923 in Frankfurt gegründeten Internationalen Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents ist es zu verdanken, dass 54 Wisente in zoologischen Gärten und Privatgehegen überleben konnten. Mit ihnen, die auf nur zwölf Gründertiere zurückgehen, wurde die heutige Population aufgebaut. Die ersten Wisente wurden 1952 wieder im polnischen Białowieża ausgewildert. Heute leben weltweit insgesamt etwa 3.000 Tiere.

Wisent Der Wisent ist das größte freilebende Landsäugetier Europas. Wisent-Bullen werden bis zu 1.000 kg schwer. (Foto: J. Riedl)

Die ersten Vorfahren des Wisents dürften lange vor der letzten Eiszeit im südlichen Asien beheimatet gewesen sein. Von dort dehnten sie ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet nach Norden und Westen aus, bis der Wisent schließlich nahezu den gesamten eurasischen Kontinent besiedelt hatte. Der bekannteste Vorfahr des Wisents ist der in zahlreichen Höhlenmalereien des Frühmenschen dargestellte Steppen-Wisent (Bison priscus). Der Steppen-Wisent wanderte während der letzten Eiszeit in großer Zahl über die weiten Kältesteppen Asiens, Europas und Nordamerikas. Mit dem Ende der Eiszeit verschwanden die gewaltigen Herden des Steppen-Wisents und der vermutlich im Kaukasus entstandene heutige Wisent (Bison bonasus) besiedelte Zentral- und Westeuropa.

Verbreitung des Wisent

Mit Ausnahme der nördlichen und südlichen Randgebiete kam der Wisent ursprünglich in ganz Europa vor. Er war aber bereits zur Römerzeit in West- und Mitteluropa nicht mehr sehr häufig. Bevölkerungswachstum und zunehmende Kultivierung der Landschaft waren Hauptursachen für den Rückgang der Wisent-Population. Krankheiten, Inzucht und Bejagung dezimierten die isolierten lokalen Wisent-Populationen immer mehr. Nach dem ersten Weltkrieg verschwanden die übrig gebliebenen freilebenden Wisente aus ihren letzten Rückzugsgebieten in Polen und im Kaukasus. Mit dem Tod des letzten freilebenden Tieres 1927 im Kaukasus war der Wisent damit bis zur Auswilderung der in Zoos und Gehegen nachgezüchteten Tiere in freier Wildbahn ausgerottet.

Kennzeichen des Wisent

Der Wisent ist das größte frei lebende Landsäugetier Europas. Ausgewachsene Wisent-Bullen erreichen eine Schulterhöhe von bis zu zwei Metern und ein Gewicht von 700 bis 1.000 Kilogramm, Wisent-Kühe werden 400 bis 500 Kilogramm schwer. Typisch für den Wisent sind sein hoher Widerrist, das dichte dunkelbraune Fell, die kräftigen, nach innen gebogenen Hörner sowie die an Kopf, Hals und Brust längere Behaarung. Der Wisent (Bison bonasus) wird innerhalb der Ordnung der Paarhufer (Artiodactylae) zur Familie der Hornträger (Bovidae) und dort zur Unterfamilie der eigentlichen Rinder (Bovinae) gezählt. Mit seinem engsten Verwandten, dem nordamerikanischen Bison (Bison bison), gehört er der Gattung Bison an. Von den ursprünglich vorhandenen drei Unterarten ist nur der Flachlandwisent (B.b. bonasus) in Reinzucht erhalten. Kaukasus- (B.b. caucasicus) und Karpaten-Wisent (B.b. hungarorum) sind ausgestorben.

Autoren

  • Dr. Johannes Riedl
    Wisentprojekt Donaumoos
  • Julia Poettinger
    Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung, Veterinärwissenschaftliches Department der Ludwig-Maximilians-Universität München