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Kleine Tiger in bayerischen Wäldern - die Wildkatze

Fiona Schönfeld

Aktionsplan wird die Wildkatze in Bayern zukünftig umfassend fördern

Wilde Katzen im Wald - man denkt dabei an elegante Jaguare im tropischen Regenwald oder herrenlose Hauskatzen. Nur wenigen ist bewusst, dass tatsächlich auch eine »echte« Wildkatze in den bayerischen Wäldern lebet. Dafür sorgt schon die scheue, unauffällige Lebensweise der Europäischen Wildkatze. Aber auch die hartnäckige Verfolgung in den vergangenen Jahrhunderten trug dazu bei, dass die Wildkatze zu einem »Phantom« wurde. Um die Existenz der Wildkatze in den bayerischen Wäldern, aber auch in den Köpfen der Menschen zu fördern, wird derzeit der »Aktionsplan zur Förderung der Wildkatze in Bayern« erarbeitet.

Wildkatze - Europäische Wildkatze Die Europäische Wildkatze unterscheidet sich äußerlich kaum von einer getigerten Hauskatze. Doch während die Hauskatze von der nubischen Falbkatze abstammt, ist die Wildkatze ein echter Ureinwohner unserer Wälder. (Foto: J. Hlasek)

Betrachtet man nur ihr Äußeres, ist die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) ein relativ unspektakulärer Waldbewohner. Jeder, der mit einer getigerten Hauskatze zusammenlebt, wird von der Wildkatze kaum beeindruckt sein, da Färbung und Körpergröße äußerst ähnlich sind. Doch während unser »Stubentiger« die domestizierte Form der nubischen Falbkatze (Felis silvestris lybica) darstellt und erst mit den Römern nach Mitteleuropa gelangte, lebt die Wildkatze seit mindestens 300.000 Jahren in den Wäldern Mitteleuropas und entwickelte sich niemals zu einer Haustierrasse.

Auch wurde die Wildkatze nie kommerziell als Pelzlieferant genutzt. Dennoch hat der Mensch die Population in Deutschland stark beeinflusst. Die vier bis fünf Kilogramm schweren Wildkatzen ernähren sich zwar hauptsächlich von Mäusen, doch nachdem die großen Beutegreifer Wolf, Bär und Luchs ausgerottet waren, wurde deren negatives Image allmählich auf die Wildkatze übertragen. Davon zeugen auch historische Aufzeichnungen über Schussgelder, die Fürsten und andere Grundherren für die Erlegung der Wildkatze zahlten.

»Aktionsplan Wildkatze«

Auf Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wird derzeit der »Aktionsplan zur Förderung der Wildkatze in Bayern« erarbeitet. Je mehr Mitstreiter sich für die Förderung der Wildkatze finden, desto einfacher gestaltet sich für den kleinen Beutegreifer die Wiederbesiedlung Bayerns. Der Plan dient dazu, drei wesentliche Ziele zu verwirklichen:

  • Ermittlung des Status der Wildkatze in Bayern
  • Schaffung eines Bewusstseins für die Wildkatze
  • Förderung des Wildkatzen-Bestandes und seiner Ausbreitung

Der Aktionsplan wird zum einen aus konkreten Maßnahmen zur Förderung der Wildkatze bestehen, zum anderen wird er Handlungsstrategien festlegen, wie geplante Aktionen am erfolgreichsten umgesetzt werden können. Die Entwicklung des Aktionsplans unterstützen neben der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Landesamt für Umweltschutz (LfU) und der Bund Naturschutz (BN) auch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit und viele weitere Behörden und Organisationen.

Ende 2009 soll der Aktionsplan Wildkatze veröffentlicht werden. Schon jetzt werden einige Initiativen in die Tat umgesetzt. Die landesweite Umfrage von 2001 zur Wildkatze wurde in diesem Jahr wiederholt und wird derzeit gemeinsam von LWF, LfU und BN ausgewertet. Waldpädagogische Aktivitäten zur Wildkatze sind bereits in die Handreichung zur Woche des Waldes 2009 eingeflossen, die auch in den Leitfaden Waldpädagogik aufgenommen werden. Der Fragenkatalog zur Jägerprüfung testet das Wissen der Jungjäger über die Wildkatze ab. Auch bei Planung und Bau von Tierquerungshilfen (z. B. Grünbrücken) ist die Wildkatze ein Thema. Die (Wieder-)Vernetzung von Teillebensräumen und die Verhinderung von Zerschneidung nützt aber nicht nur der Wildkatze, auch zahlreiche andere Wildarten profitieren davon, unabhängig davon, ob sie »echte« Wanderer auf der Suche nach neuen Revieren sind oder einfach nur die Straße überqueren wollen.

Podcast Wildkatze

Autorin

  • Fiona Schönfeld
    ist Mitarbeiterin der Obersten Jagdbehörde des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten