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StMELFLWFWald und GesellschaftForstpolitik, Wildtiermanagement, Jagd → Aktuelles → Berg-Mischwald - Wild und Weidevieh schädigen jungen Mischwald in Bergregion
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Der Einfluss von Wild und Weidevieh auf die Verjüngung im Berg-Mischwald

Hany El Kateb, Dipl. Forstwirt Marco Michael Stolz, Prof. Dr. Reinhard Mosandl

20-jähriges Wild-Weide-Experiment bestätigt Schalenwildeinfluss im Berg-Mischwald

Überhöhte Wild- und Weideviehbestände insbesondere in Mischwäldern stellen weltweit ein Problem für die Forstwirtschaft dar. Verbiss und Tritt schädigen die Waldverjüngung oder vernichten sie im schlimmsten Fall sogar völlig. Vor allem im Bergwald ist infolge der Übernutzung der Waldverjüngung durch Schalenwild und Weidevieh mit einer Beeinträchtigung der Schutzfunktionen des Bergwaldes zu rechnen. Die Verjüngung in den Berg-Mischwäldern des bayerischen Alpenraumes ist auf großen Flächen beiden Belastungen, sowohl dem Schalenwild als auch dem Weidevieh, ausgesetzt.

Wild- und Weideviehverbiss in Abhängigkeit vom Zaun Buchen werden vom Wild und wohl auch vom Weidevieh stärker verbissen als die Fichten, aber in weit geringerem Ausmaß als Ahorn und Tanne.

Mitte der achtziger Jahre befasste sich der Lehrstuhl für Waldbau der Universität München in umfangreichen Forschungsarbeiten mit dem Einfluss von Wild und Weidevieh auf die Verjüngung von Laubbaumarten und Nadelbaumarten, die Bodenvegetation und die Böden im Berg-Mischwald. Dazu wurden temporäre und permanente Versuchsflächen in den ostbayerischen Kalkalpen angelegt, deren erste Aufnahmeergebnisse Liss 1988 und 1989 veröffentlichte. Auf einer der permanenten Versuchsflächen im Bergwald wurde 20 Jahre später die natürliche und künstliche Verjüngung des Mischwaldes erneut aufgenommen. Die wichtigsten Ergebnisse zur künstlichen Verjüngung werden im Folgenden präsentiert.

Vergleicht man die Ergebnisse des Versuches nach 20 Jahren Laufzeit mit den Befunden zu Versuchsbeginn, zeigt sich eine verbesserte Verbisssituation im Berg-Mischwald. Dies ist auf die geänderte Jagdstrategie zurückzuführen, die der neue Revierleiter seit Mitte der neunziger Jahre konsequent verfolgt und einzelnen Tannen ein Aufwachsen ermöglicht. Zusammenfassend ist festzustellen, dass Wild der Hauptverursacher für die Entmischung der Waldverjüngung im Bergmischwald ist. Die Tanne ist am stärksten vom Wildverbiss betroffen. Sie ist verbissempfindlicher als der Ahorn, der ebenfalls stark unter Verbiss leidet, aber die Verbissschäden oftmals ausheilen kann.

Das Weidevieh verschmäht die Nadelbaumverjüngung und verbeißt ausschließlich Laubbaumarten. Das Ausmaß der Verbissschäden des Weideviehs ist jedoch erheblich geringer als das des Wildes. Allerdings verursacht das Weidevieh erhebliche Trittschäden an allen Baumarten und am Boden. Der Viehtritt führt zu einer erhöhten Lagerungsdichte des Bodens und einer verminderten Wasserinfiltrationsrate.
Eine Begrenzung der Weiderechte und eine Reduzierung der Schalenwildbestände sind unbedingt notwendig für die Erhaltung der Schutzfunktionen des Bergwaldes.

Literatur

  • Der Einfluß waldbaulicher Maßnahmen auf die Sprossgewichte von Naturverjüngungspflanzen im Bergmischwald.
    El Kateb, H. (1991): Forstliche Forschungsberichte München, Nr. 111
  • Die Waldweide im Bergwald des nördl. Alpenraums: Interessenkonflikte, wissenschaftliche Erkenntnisse und Konfliktlösungsansätze.
    Königer, J.; Schleicher, A.; Mosandl, R. (2005): Jahrbuch des Vereins zum Schutz der Bergwelt 70, S. 151–175
  • Versuche zur Waldweide – der Einfluß von Weidevieh und Wild auf Verjüngung, Bodenvegetation und Boden im Bergmischwald der ostbayerischen Alpen.
    Liss, B.M. (1988): Forstliche Forschungsberichte München, Nr. 87
  • Die Wirkung der Weide auf den Bergwald - Ergebnisse mehrjähriger Untersuchungen.
    Liss, B.M. (1989): Forstliche Forschungsberichte München, Nr. 99
  • Waldweide differenziert beurteilen PDF-Dokument - Schleicher, A.; Königer, J.; Mosandl, R. (2007): LWF aktuell 58, S. 32–34

Autoren

  • Hany El Kateb - Forstbiometriker am Lehrstuhl für Waldbau der Technischen Universität München (TUM)
  • Dipl. Forstwirt Marco Michael Stolz führte die erneute Aufnahme im Rahmen seiner Diplomarbeit durch
  • Prof. Dr. Reinhard Mosandl
    Leiter des Lehrstuhls für Waldbau (TUM)