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Auszeichnung für praxisnahe Waldforschung

Pressebericht: Verleihung des Hanskarl-Goettling-Preises in Freising

09.12.2008 - Freising - Am Freitag, den 28. November 2008, fand im Rathaussaal der Stadt Freising die 21. Verleihung des Forschungspreises der Hanskarl-Goettling-Stiftung statt. Die Auszeichnung geht an Wissenschaftler, die sich um die angewandte forstliche Forschung im Aufgabenbereich der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) besonders verdient gemacht haben.

 Bildlegende: Bürgermeister Rudolf Schwaiger, Olaf Schmidt, Dr. Uwe Blum, Dr. Jürgen Bauer

Der diesjährige Preis ging an Dr. Jürgen Bauer, den Geschäftsführer der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern, und an das Laborteam der Landesanstalt. Prof. Dr. Jörn Erler, Vorsitzender des Deutschen Verbandes Forstlicher Forschungsanstalten, warf in seiner Festansprache einen kritischen Blick auf die Waldforschung.

Etwa 80 Festgäste wohnten der feierlichen Verleihung des Hanskarl-Goettling-Preises im historischen Rathaussaal der Stadt Freising bei. Die Bläsergruppe „Quintenblech“ verlieh der Veranstaltung einen zusätzlichen Glanz.

Bürgermeister Rudolf Schwaiger betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung der Stadt Frei-sing als Wissenschaftsstandort. Die Stadt und ihre Bevölkerung sei von den „grünen“ Studienrichtungen der beiden Hochschulen maßgeblich geprägt und wegen aktueller Probleme wie der geplanten dritten Startbahn des Flughafens München auch für Umweltthemen besonders sensibilisiert. Daraus ergebe sich eine besondere Verbundenheit Freisings mit den forstlichen Forschungseinrichtungen, die dadurch noch gefestigt wird, dass die Stadt selbst Waldbesitzerin ist.

Prof. Dr. Jörn Erler von der Universität Tharandt bei Dresden warf in seiner Festansprache einen kritischen Blick auf die forstliche Forschung. Ausgehend von der Frage nach dem ge-sellschaftlichen Auftrag der Forstwirtschaft und der Forstwissenschaft zeigte er Defizite bei der Erfüllung dieses Auftrags und Möglichkeiten, diese Defizite zu überwinden.

Für die Funktionen des Waldes, die man als „gottgegeben“ ansehen könne, bedarf es nach Erler keiner Forstwirtschaft. Erst wenn es zu Defiziten bei dem komme, was die Gesellschaft vom Wald erlebe und erwarte, sei Forstwirtschaft gefragt. Sie sei eine dienstleistende Stelle, die Leistungen erbringe und sicherstelle. Das werde allerdings in der öffentlichen Wahrneh-mung oft nicht ausreichend erkannt. Dagegen werden die sozialen und ökologischen „Risiken und Nebenwirkungen“, die mit der Leistungserstellung durch Waldbewirtschaftung einherge-hen können, viel deutlicher wahrgenommen. Ursache dafür liegt auch in der mangelhaften Kommunikation der Forstwirtschaft. Sie schaffe es nicht, ihre erbrachten Leistungen darzus-tellen. Stattdessen fokussiere sie sich auf die Rechtfertigung von Defiziten, Kosten und öko-logischen Nebenwirkungen.

Der Auftrag an die Waldforschung ergebe sich daraus zwangsläufig. Sie müsse sich als Grundlagenforschung um die der Waldbewirtschaftung zugrundeliegenden ökonomischen, ökologischen und neuerdings immer mehr auch sozialwissenschaftlichen Fragestellungen annehmen. Forstbetriebe und die Gesellschaft hätten allerdings ein anwendungsorientiertes Interesse. Die angewandte Forschung mit ihrer Mittlerfunktion zwischen Wissenschaft und den verschiedenen Gruppierungen der Gesellschaft habe daher ganz entscheidende Bedeutung für die Akzeptanz und letztlich auch die Finanzierung der gesamten Forschung.

In der Kommunikation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sah Erler aber auch die we-sentlichsten Defizite der forstlichen Forschung. So seien weder die angewandte forstliche Forschung noch die Sozialwissenschaften als zielgruppenorientierte Disziplinen ausreichend anerkannt und akzeptiert. Erler schrieb dies einer teilweise immer noch spürbaren Arroganz der Grundlagenforschung zu, die sich als „die eigentliche“ Wissenschaft verstehe und zu we-nig darum kümmere, was Forstbetriebe und Gesellschaft brauchen und verstehen. An die Ad-resse der anwesenden Wissenschaftler direkt richtete sich Erlers Frage, wer zuletzt ein forstli-ches Fachbuch verfasst habe, das einen leicht verständlichen Überblick über den aktuellen Wissensstand eines Fachbereichs vermittle. Er selbst habe schon seit Jahrzehnten mehr kein solches Werk auf dem Markt wahrgenommen.

Damit deutet Erler auch schon Lösungsansätze an, ohne ein Patentrezept liefern zu können. Er appellierte an die Wissenschaft, sich ihren dienenden Auftrag der für Wald und Gesellschaft bewusst zu machen, Offenheit der Akteure untereinander zu pflegen, den unterschiedlichen Auftrag von Grundlagen- und angewandter Forschung zu respektieren und nach der Devise zu verfahren: Entscheidend ist, was im Wald ankommt.

In seiner Laudatio würdigte Stiftungsratsvorsitzender Olaf Schmidt, Leiter der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) die diesjährigen Goettling-Preisträger.

Die 2007 gestartete Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern weise einen mit Glanzpunkten gekennzeichneten Weg auf. Einen ersten Aha-Effekt über die Bedeutung der Forst-Holz-Branche als „verkannter Riese“ habe die Cluster-Broschüre ausgelöst. Mit rund 200 000 Be-schäftigten und einem Jahresumsatz von etwa 31 Milliarden Euro steht der Sektor Forst und Holz in Bayern in der vordersten Reihe der volkswirtschaftlich bedeutenden Branchen. Die Cluster-Initiative wolle durch eine Vernetzung aller Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft die Zukunftschancen des Sektors weiter verbessern. Der hierzu erstellte Business-Plan erwies sich als sehr erfolgreich und sicherte in kürzester Zeit die Finanzierung des Clusters. In diesem Jahr erschien nun die so genannte Cluster-Studie, in der erstmals eine umfassende Analyse des Sektors Forst und Holz erfolgt. Sie ist die wesentliche Basis für weitere Vernetzungs-aktivitäten. In einer Bewertung durch das Fraunhofer-Institut ist der Cluster Forst und Holz in Bayern an fünfter Stelle unter allen bayerischen Cluster-Initiativen gelandet. Maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg habe der Geschäftsführer des Clusters Forst und Holz, Dr. Jürgen Bauer, der hierfür mit dem Goettling-Preis gewürdigt werde.

Mit dem Labor der LWF wurde als zweiter Preisträger wiederum ein Team geehrt. Das Labor arbeite, so Schmidt, als typischer Servicebereich überwiegend im Hintergrund, liefere aber wesentliche Ergebnisse für die Forschung. Als Beispiel hierfür nannte Schmidt die Leistung des Labors bei der Bewältigung der landesweiten Bodenzustandserhebung. Mit seiner Arbeit z.B. für die Waldklimastationen habe das Labor stets die Hand am Puls des Geschehens im Wald. Hohe Fachkompetenz, technisch höchstes Niveau, permanente Qualitätssicherung und hervorragende Arbeitsorganisation zur Bewältigung der häufigen Arbeitsspitzen zeichneten das Labor um seinen Leiter, Dr. Uwe Blum, aus.

Preisträger Dr. Jürgen Bauer, Geschäftsführer der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern, vertiefte die vorangegangenen Ausführungen. In 60 Veranstaltungen in ganz Bayern seien mehr als 5 000 Personen erreicht worden mit dem Ziel, Entscheidungsträger zusammenzub-ringen. Besonders wichtig sei ihm, Unternehmen einzubinden, denn Clusterarbeit solle keine rein akademische Übung sein. Mit über 300 Firmenvertretern und rund 500 Akteuren stehe die Cluster-Initiative in ständigem Kontakt. Clusterarbeit könne vor allem dann erfolgreich sein, wenn sie sich regional fokussiere. 16 regionale Cluster-Initiativen seien mittlerweile entstan-den, die nun auf ihrem Weg zu zunehmender Professionalisierung unterstützt würden. Abschließend dankte Bauer den vielen Personen, die das Entstehen und den Erfolg des Clus-ters Forst und Holz in Bayern erst möglich gemacht hätten, allen voran der Geschäftstelle des Clusters mit Frau Eva Kaube und Herrn Markus Blenk.

Dr. Uwe Blum, Leiter des LWF-Labors, stellte in einem ebenso unterhaltsamen wie informa-tiven Vortrag sein Team und dessen Arbeit vor. Der breite Kundenkreis des Labors ergebe sich aus dem Betrieb der Waldklimastationen, der Bodenzustandserhebung, den Dauerbeo-bachtungsflächen, aus Düngungsversuchen und Forschungsprojekten sowie aus einer Vielzahl von externen Kooperationen mit anderen Landesanstalten und Fachbehörden. Im Zuge der Analyse von Boden- Pflanzen- und Wasserproben mit den verschiedensten Methoden und nach über 40 Elementen seien im Vorjahr 420 000 Einzelparameter bearbeitet worden. Doch gerade ein gut ausgestattetes, erfolgreiches Labor wie das der LWF ist auch einem ständigen Kostendruck ausgesetzt, wie Blum mit einem Vergleich eines Labors von gestern, heute und morgen zeigte. Künftig abnehmenden Probenzahlen z.B. durch ein geändertes Standortkon-zept der Waldklimastationen stehen hohe Fixkosten für die Laborausstattung gegenüber. Dies versucht das Labor durch ein erweitertes Dienstleistungsangebot, etwa für Fragen des Wald-schutzes, auszugleichen.
Die abschließend gezeigten Videoaufnahmen aus dem Labor ließen deutlich den Teamgeist erkennen, der nicht zuletzt zur Verleihung des Hanskarl-Goettling-Preises geführt hatte.

Hanskarl Goettling war von 1973 bis 1985 Leiter der Bayerischen Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt, der Vorläuferin der LWF. Die nach ihm benannte Stiftung zeichnet seit 1988 alljährlich besondere praxisorientierte Leistungen im Aufgabenbereich der LWF, der angewandten forstlichen Forschung, aus.

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