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StMELFLWFBaumarten im Wald - Von Ahorn bis Zirbe → Die Weiss-Tanne - das Comeback einer Baumart
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Die Weißtanne

Abies alba MILL.

(Deutsch auch Edeltanne; Englisch: European silver fir)

Baumarten-Steckbrief Weißtanne

Baum des Jahres 2004

Gestalt:
Streng monopodialer Wuchs mit durchgehender Hauptachse, Höhe bis 65 m, BHD bis 3,8 m; im Alter oft abgeflachte Kronen, sog. Storchennest

Triebe:
Junge Sprossachsen kurz, braun behaart; nadellosen Triebe glatt

Knospen:
Stumpf eiförmig, hellbraun, mit wenigen Schuppen, harzlos

Nadeln:
Spiralig gestellt und meist gescheitelt, sitzen mit einem grünen, saugnapfartig verbreiterten "Fuß" am Trieb; bis 30 mm lang und 3 mm breit; flach; oberseits glänzend dunkelgrün, unterseits heller und mit zwei breiten, weißen Spaltöffnungsstreifen

Rinde:
An jungen Bäume hell- bis weißgrau, lange glatt, mit kleinen Harzblasen; ab einem Alter von 40 bis 60 Jahren Bildung einer dunkelgrauen, rissigen Schuppenborke

Blüten:
Im Mai oder Juni; einhäusig verteilt, windbestäubt; weibliche Blütenstände (Zäpfchen) weniger zahlreich als die männlichen, 3-5 cm lang, blassgrün, aus Seitenknospen auf der Oberseite kräftiger Treibe vom Vorjahr im obersten Kronenbereich; männliche Blüten zapfenähnlich, 2-3 cm lang, gelblich, gehäuft auf der Unterseite in dem Achseln vorjähriger Nadeln im mittleren und unteren Kronenbereich; männliche und weibliche Blüten nur selten auf dem selben Zweig

Zapfen:
Samenreife im Herbst des Blühjahres; Zapfen aufrecht, walzenförmig, bis 20 cm lang und 3-5 cm dick, grünbraun; die zungenförmigen Deckschuppen sind zwischen den Samenschuppen sichtbar; nach der Samenreife zerfallen die Zapfen am Baum und entlassen die Samen

Samen:
Reife im September und Oktober; unregelmäßig dreikantig, 7-13 mm groß, glänzend braun, Samenschale sehr harzreich, fest mit dem breiten, brüchigen Flügel verwachsen; Verbreitung vom Herbst bis ins Frühjahr durch den Wind

Bewurzelung:
Pfahlwurzelsystem mit stark entwickelter, deutlich nach unten strebender Hauptwurzel

Höchstalter:
Etwa 500 Jahre

Systematik:

Klasse Pinopsida = Nadelhölzer
Unterklasse Pinidae = Zapfenträger
Ordnung Pinales = Kiefernartige
Familie Pinaceae = Kieferngewächse
Gattung Abies = Tannen
Art Abies alba MILL. = Weißtanne

Klimahülle:

Klimahülle der Tanne
Tannenzapfen Die Zapfen der Weisstanne stehen aufrecht. Im Gegensatz zur Fichte zerfallen die Zapfen nach der Samenreife schon am Baum.

Wissenswertes zur Tanne

Der Mittelhochdeutsche "tan" bedeutet soviel wie Wald oder Forst. Der dunkle Tann ist der Schauplatz vieler Sagen und Märchen. Schon bei den alten Germanen war die immergrüne Tanne ein Symbol von Lebenskraft und ständigem Wachstum. Die Tanne war der "Mittwinterbaum".

Verbreitung der Tanne

Für die Weißtanne optimale Standorte sind frische, kühle, mehr oder weniger basenreiche, humose, steinige Lehmböden in humiden, sommerwarmen Lagen der montanen und subalpinen Stufe. Sie wächst aber auch auf dichten, tonreichen, staunassen, pseudovergleyten Böden.
Die Weißtanne ist eine mittel- und südeuropäische Gebirgspflanze. Das natürliche Vorkommen erstreckt sich von den Pyrenäen und dem französischen Zentralplateau im Westen über die Alpen, den Jura und die Vogesen. Im Norden reicht es bis zum Schwarzwald, nach Thüringen und Tschechien, im Osten bis zu den Karpaten und im Süden bis Korsika, Süditalien und in die Gebirge des Balkans.

Die Baumart Tanne im Waldbau

Das Produktionsziel der Tanne ist hochwertige Blockware – geastete, circa sechs Meter lange Stammteile aus dem unteren Stammabschnitt. Ihr Brusthöhendurchmesser soll bei 60 bis 80 Zentimetern liegen und das Holz eine gleichmäßige Jahrringstruktur aufweisen. Dies lässt sich am besten in einem stufig aufgebauten Mischwald aus Buche, Fichte und Tanne unterschiedlicher Höhe, Stammdurchmesser und Altersklassen erreichen. Die Tanne verträgt Schatten sehr gut und ist in der Lage, bis ins hohe Alter (130 Jahre und darüber) deutlich an Masse zuzulegen.
Sofern keine Tannen-Naturverjüngung ausgenutzt werden kann, ist die Tanne truppweise auf einer Fläche mit 15 bis 20 Metern Durchmesser der Fichte oder Buche beizumischen. Der meist unregelmäßige Pflanzverband (circa 2 x 2 Meter) wird dabei dem Kleinstandort angepasst. Gut zu verwenden sind fünfjährige, 20 bis 40 Zentimeter große Baumschulpflanzen bzw. vier- bis sechsjährige mit Ballen gestochene Wildlinge gleicher Größe. Die Tanne eignet sich hervorragend für den Voranbau und soll im Schutz des Altbestandes mehrere Jahre vor der Hauptbaumart gepflanzt werden, um ihr einen Wuchsvorsprung zu sichern. Sie kann auch unter vorgewachsenen Pionierbaumarten wie Birke, Aspe oder Roterle, jedoch nicht auf reinen Kahlflächen, eingebracht werden. Pflanzgeräte wie Rhodener Pflanzhaue oder Hohlspaten sowie frisches Pflanzgut aus geeigneten Herkünften gewährleisten den Anwuchserfolg. Die Tanne eignet sich auch bestens für die Saat.
Bis zum Erreichen der Dickungsphase soll die Tanne den Wuchsvorsprung vor Fichte und Buche halten. Ab einer Bestandesmittelhöhe von 12 Metern werden wüchsige, hochwertige Zukunftsstämme im Abstand von zehn Metern ausgewählt und konsequent von bedrängenden Bäumen befreit. Ab einer mittleren Höhe von 16 Metern wird mit der Astung auf sechs Meter in zwei Stufen begonnen.

Waldschutz und Tanne

Neben Spätfrösten macht vor allem der Wildverbiss jungen Tannen zu schaffen. Der geringe Gehalt an Kieselsäure, Lignin und Harz und der hohe Nährstoffgehalt der Tannennadeln machen sie zu einem Leckerbissen für das Wild. Ihre Konkurrenzfähigkeit kann auch durch Trockenheit, extrem kalte Winter oder Frosttrocknis limitiert werden.

Insekten an Tanne

Bei der Tanne kommt es vereinzelt zu Ausfällen durch Stehendbefall vom Krummzähnigen Tannenborkenkäfer (Pityokteines curvidens). Befallen werden Tannen verschiedener Altersgruppen. Häufig war ist Kronenbereich gleichzeitig vom Kleinen Tannenborkenkäfer (Cryphalus piceae) besiedelt.
Der Befall von Stamm- oder Triebläusen kann bei der Weißtanne zu erheblichen Schäden, von Wuchsdeformationen bis hin zum Absterben von jungen Einzelbäumen und Baumgruppen, führen. Dabei stellen weniger die einheimischen Arten ein Problem dar, sondern eher die im Jahr 1840 aus der östlichen Schwarzmeer-Region eingeschleppte Tannentrieblaus (Dreyfusia nordmannianae ECKST.). Betroffen sind vor allem Jungpflanzen ohne ausreichende Beschattung, also Kulturen auf der Freifläche bzw. Voranbauten und Naturverjüngungen nach Verlust des schützenden Altholzschirms.
Die Saugaktivität der Läuse an den diesjährigen Trieben und Nadeln, insbesondere auch an den Terminaltrieben, führt zu auffälligen Nadelverkrümmungen bis hin zum Absterben des gesamten Triebes. Bei mehrjährigem starken Befall kann es zu einem partiellen Absterben der Pflanze von oben herab und letztlich auch zum Ausfall der befallenen Pflanze kommen.

Pilze an Tanne

Neben allerlei Universalisten wie der Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea), dem Hallimasch (Armillaria ssp.) und dem Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum) gibt es auch verschiedene Pilze, die sich ganz spezifisch an das Leben mit der Gattung Abies angepasst haben.
Der Erreger Melampsorella caryophyllacerarum verursacht Hexenbesen in der Krone und ringförmige Stammwucherungen. Daher werden die befallenen Bäume im Volksmund "Rädertannen" genannt. Dieser Rostpilz ist während seines Entwicklungsstadiums auf einen Wirtswechsel angewiesen und bedient sich unter anderem der Sternmiere.
Beim Tannennadelrost (Pucciniastrum epilobii) ist das Weidenröschen der Nebenwirt. Weitere spezifischen Nadelerkrankungen sind die Tannennadelbräune (Herpotrichia parasitica), der Tannennadelritzenschorf (Lirula nervisequia) und die Kabatina-Nadelbräune der Tanne (Kabatina abietis).
Charakteristisch ist auch der Tannen-Feuerschwamm (Phellinus harigii), der mehrjährige, sehr harte Konsolen bildet. Weitaus seltener ist der Bergporling (Bondarzewia montana), der ebenfalls wie die Breitblättrige Glucke (Sparassis brevipes) am Stammgrund wächst.

Holzverwendung der Tanne

Das Holz der Tanne hat gute Festigkeitseigenschaften, ist elastisch und biegsam. Es ist von matter, zumeist gelblichweißer bis weißer Färbung. Unter Einfluss von Licht dunkelt es merklich nach nimmt einen gelblich-braunen Alterston an. Das Splint- und Kernholz der Tanne lassen sich farblich nicht voneinander unterscheiden. Die Tanne harzt nicht. Der von der Weißtanne häufig gebildete Nasskern erschwert die Trocknung und weist im lufttrockenen Zustand eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme gegenüber normal verkerntem Holz auf.
Das Holz der Tanne unterscheidet sich sowohl in seinem Aussehen als auch in seinen Werkstoffeigenschaften nur wenig von dem der Fichte. Es eignet sich besser für die Herstellung für die chemische Industrie, da es nicht nur harzfrei, sondern auch ziemlich beständig gegen Säuren und Alkalien ist.
Daneben findet das Tannenholz Verwendung im Erd- und Wasserbau, als Bau- und Konstruktionsholz, im Innenausbau, für Möbel, für Spaltwaren, als Verpackungsmaterial, im Musikinstrumentenbau sowie für die Zellstoff- und Papiergewinnung.

Die Tanne als Lebensraum

Die Weißtanne spielt aus tierökologischer Sicht eine besondere Rolle unter den Nadelbäumen. Mit ihrer weiten ökologischen Amplitude bietet sie Tierarten mit Präferenz für Nadelbäume Habitate in unterschiedlichsten Waldgesellschaften.
Eng an die Tanne gebunden ist der Nachtschmetterling Thera vetustata aus der Familie der Spanner. Daneben treten noch weitere neun Großschmetterlinge oligophag an der Tanne auf. Unter den Kleinschmetterlingen lebt der Tannen-Glasflügler (Synanthedon cephiformis) monophag an der Tanne. 25 Käferarten sind bevorzugt an Weißtanne.
Für einige Schild- und Rindenläuse, beispielsweise die Grüne Tannenhoniglaus (Cinara pectinatae), ist die Weißtanne der Wirtsbaum. In manchen Jahren kommt es zu einer Massenvermehrung dieser Läuse. Der Honigtau, den sie erzeugen, ist der Grundstoff des beliebten Tannenhonigs.

Weitere Tannenarten

Die große Küstentanne (Abies grandis (DOUGL.) LINDL.)

Die Große Küstentanne hebt sich von vielen anderen Tannenarten durch ihre rasche Jugendentwicklung und Standorttoleranz ab. Sie ist eine der forstlich wichtigsten fremden Baumarten in Mitteleuropa. Sie hat ein weiches, wenig dauerhaftes Holz. Leider ist sie anfällig gegen Hallimasch und hat auch im Forstlichen Versuchsgarten sehr unter diesem Pilz zu leiden.
Die Große Küstentanne ist eine der wuchskräftigsten Tannenarten des amerikanischen Nordwestens. Ihr natürliches Areal teilt sich in einen küstennahen Bereich am Pazifik und einen Inlandsbereich. Sie erreicht maximal 83 m Höhe und einen Brusthöhendurchmesser von 1,6 m sowie ein Höchstalter von 280 Jahren.
Die Nadeln sind schraubig angeordnet, oft mehr oder weniger gescheitelt, das heißt sie stehen zweireihig in einer Ebene. Kurz oberhalb der Basis sind sie etwas zusammengezogen und sitzen mit verbreiteter runder Basis dem Zweig auf.
Die Blattnarben sind kreisrund, im Gegensatz zu den Fichten sind keine Blattkissen vorhanden. Der Zweig ist daher nach dem Abfallen der Nadeln fast stets glatt.
Auf den Nadeln befinden sich meist nur auf der Nadelunterseite helle Spaltöffnungsbänder, einigen Arten besitzen allerdings Spaltöffnungen auf Nadelober- und Unterseite.
Die Zapfen stehen aufrecht, bei der Reife fallen die Deck- und Samenschuppen sowie die Samen herunter, während die Zapfenachse (Spindel) noch mehrere Jahre am Zweig bleibt. Daher finden sich normalerweise keine Tannenzapfen am Boden. Bei der Fichte hängen die älteren Zapfen nach unten und fallen als ganzes ab.
Sie besitzt kleine, mit Harz überzogene Knospen. Junge Triebe sind olivgrün. Die Nadeln sind kammförmig gescheitelt und in zwei Ebenen angeordnet. Die obere Reihe ist kürzer als die untere. Die Zapfen sind bis 11 cm lang. Sämlinge bilden rasch eine tiefe Pfahlwurzel aus.

Weiterführende Informationen zur Thema Tanne