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StMELFLWFBaumarten im Wald - Von Ahorn bis Zirbe → Die Waldkiefer
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Die Waldkiefer

Pinus sylvestris L.

(Deutsch auch Föhre oder Forche; Englisch: Scots Pine)

Baumarten-Steckbrief Waldkiefer

Baum des Jahres 2007

Gestalt:
20-30 (max. 45) m hoher und bis 1,5 m dicker Baum, Krone in der Jugend kegelförmig mit regelmäßig quirlständigen Ästen, im Alter vielgestaltig

Knospen:
1-2 cm lang, länglich eiförmig, mit vielen, oft zurückgekrümmten Knospenschuppen, rötlich braun, mehr oder weniger harzig

Nadeln:
Stets zu zweien an Kurztrieben, (1-) 4-6 (-10) cm lang, hell-, gelb- oder graugrün, um die Längsachse gedreht, starr und spitz

Rinde:
Im oberen Bereich des Stammes und an stärkeren Ästen hellrot (fuchsrot) und dünnschuppig abblätternd (Spiegelrinde); unterer Bereich älterer Stämme mit dicker, grau- oder rotbrauner, stark gefurchter Schuppenborke

Blüten:
Mai (Anfang Juni); einhäusig verteilt; die männlichen dicht gedrängt im unteren Teil diesjähriger Langtriebe anstelle von Kurztrieben, walzenförmig, 5-8 mm lang, gelb; weibliche Blütenstände (Zäpfchen) aufrecht, einzeln oder zu 2 (-4) an der Spitze der diesjährigen Triebe, etwa 5 mm lang, dunkelrot oder violett; Windbestäubung

Zapfen:
Kurz gestielt, eiförmig, bis zur Reife gegen Ende des zweiten Jahres grün, dann graubraun und 2-7 cm lang, Schuppenschild mit hellbraunem Nabel, meist ohne deutlichen Dorn

Samen:
3-5 mm lang, gelb- bis dunkelbraun, mit 10-20 mm langem Flügel, Tausendkorngewicht etwa 4-6,5 g, Ausbreitung vor allem durch den Wind

Bewurzelung:
Plastisches Wurzelsystem und damit Pfahlwurzel auf tiefgründigen, lockeren Standorten, Herzwurzel auf nährstoffreichen Lehm- und Tonböden sowie flachstreichende Wurzel auf felsigem Untergrund

Höchstalter:
Bis etwa 300, in Einzelfällen bis 600 Jahre

Systematik:

Klasse Pinopsida = Nadelhölzer
Unterklasse Pinidae = Zapfenträger
Ordnung Pinales = Kiefernartige
Familie Pinaceae = Kieferngewächse
Gattung Pinus = Kiefern
Art Pinus sylvestris L. = Waldkiefer

Klimahülle:

Klimahülle der Waldkiefer
Die Waldkiefer (Quelle: Wikipedia.de) Die Waldkiefer (Quelle: Wikipedia.de)

Wissenswertes zur Waldkiefer

Die heimische Kiefer besitzt viele volkstümliche Namen: Gemeine Kiefer, Samalkiefer, Sand- oder Rotkiefer, Föhre, Forche, Fuhre, Forle, Feuer- / Fackelbaum, Kienbaum, Waldföhre oder Weißföhre. Etymologisch stammt die Bezeichnung Kiefer vermutlich von der mittelhochdeutschen Wortschöpfung „Kien“ für harzreiches Holz und „Föhre“.
Die bekanntesten Kiefern in Bayern stehen im Hauptsmoorwald bei Bamberg. Sie erreichen im Alter von 250 Jahren eine für die Kiefer erstaunliche Höhe von 36 Metern. Sie sind aufgrund ihrer Holzqualität sehr bekannt und wurden schon vor 200 Jahren bis in die Niederlande geflößt.

Waldbauliche Behandlung der Waldkiefer

Die Kiefer soll weiterhin als bestandsbildende Baumart dort erhalten und ihre Verjüngung gefördert werden, wo sie standortsgemäß ist und der natürlichen Waldgesellschaft angehört. Dies sind nährstoffarme, trockene sowie wechseltrockene Sand- und Schluffstandorte, die auch im Unterboden keinen wesentlichen Anstieg der Basensättigung aufweisen (z.B. Flugsande, Kreidesande) und Klein- und Sonderstandorte wie Moore, flachgründige Rendzinen und trockene Sandkuppen.
Die Bestände sollen vorrangig über langfristige natürliche Verfahren verjüngt werden. Lückige oder nicht zielgerechte Naturverjüngungen werden mit standortsgemäßen Baumarten ergänzt. Bei einem Bestand aus führender Kiefer soll eine gruppenweise Laubholzbeimischung von mindestens 20 Prozent aus Buche, Birke, Eiche oder Linde erreicht werden.
Ab einem Zeitpunkt, ab dem sich die Naturverjüngung selbst differenziert hat (etwa bei vier bis sechs Meter Höhe), kann mit der Auslese guter Vorwüchse begonnen werden. In mehreren Durchgängen, über einen längeren Zeitraum gestreckt, können 100 bis 130 Exemplare pro Hektar herausgepflegt werden. Pro Elitebaum werden zwei bis fünf Bedränger entfernt. Nach ausreichender Differenzierung werden die Elitebäume geastet und dauerhaft markiert.
Je nach Qualität werden in Kiefernbeständen unterschiedliche Zieldurchmesser angestrebt. Bei schlechtem Pflegezustand BHD 40 cm, bei gutem Pflegezustand BHD 50 cm. Geeignete Überhälter sollen darüber hinaus ausreifen.

Waldschutz und Waldkiefer

Die Kiefer ist eine Baumart kalt-trockener Klimate und hat besondere Anpassungs-Mechanismen gegenüber von Frösten, Trockenheit oder Waldbrand hervorgerufenen Schädigungen entwickelt. Die nadelförmigen Blattspreiten sind durch Stützgewebe, Wachsauflagerung und eingesenkte Spaltöffnungen an Sommertrockenheit und extreme Winterkälte angepasst. Eine dicke Schuppenborke beschützt die Stämme alter Kiefern gegen Feuerschäden.

Insekten an Kiefer

Die Anzahl der an Waldkiefer lebenden Schmetterlingsarten ist eher gering. Sie ist die Wirtspflanze gefürchteter Großschädlinge wie des Gemeinen Kiefernspanners (Bupalus piniarius) und der Kieferneule (Panolis flammea). Bekannt sind auch der Kiefernspinner (Dendrolimus pini) und der Kiefernschwärmer (Hyloicus pinastri).
Probleme an jungen Kiefern kann der Große Braune Rüsselkäfer (Hylobius abietis) verursachen. Der Graue Kiefernnadelrüssler (Brachyderes incanus) tritt dagegen eher vereinzelt auf. Der Heidelbeerspanner (Boarmia bistortata) fiel in der Vergangenheit im Schnitt einmal im Jahrzehnt auf. Die Gemeine Kiefernbuschhornblattwespe (Diprion pini) vermehrte sich in Bayern das letzte Mal massenhaft 1977/78 im Untermaingebiet. Zehn Jahre Später (1987/88) lagen die Schwerpunkte der letzten großen Massenvermehrung der Nonne (Lymantria monacha) in den Kiefernwäldern Mittelfrankens sowie des Weidener Beckens. In Kiefernbeständen können mit Hilfe der Winterprobepuppensuche die im Boden überwinternden Schadinsekten Kieferneule, Kiefernspanner, Kiefernschwärmer und Gemeine Kiefernbuschhornblattwespe überwacht werden.
Geschädigte Kiefern in Mittelfranken werden in vielen Fällen sekundär vom Blauen Kiefernprachtkäfer (Phaenops cyanea) und verschiedenen Kiefernborkenkäferarten befallen.

Pilze an Kiefer

Neben zahlreichen Mykorrhizapilzen, die eine Symbiose mit den Kiefern eingehen, gibt es auch eine große Zahl von Nadel-, Trieb- und Rindenpilzen sowie Holzzersetzer, die die Baumart schädigen. An den Nadeln treten auf die Kiefernschütte (Lophodermium seditiosum), die Naemacyclus-Nadelschütte (Cyclaneusma minus), die Schwedische Kiefernschütte (Lophodermella sulcigena), die Dothistroma-Nadelbräune (Mycosphaerella pini), die Lecanosticta-Nadelbräune (Mycosphaerella dearnesii), der Schwarze Schneeschimmel (Herpotrichia juniperi), der Weiße Schneeschimmel (Phacidium infestans) und hin und wieder Rostpilze der Gattung Coleosporium.
Der Erreger des Diplodia-Kieferntriebsterbens (Sphaeropsis sapinea) besiedelt neben den Trieben der Kiefer auch die Schuppen der Kiefernzapfen. Ähnlich bedeutende Triebsterben verursacht auch die Scleroderris-Krankheit der Koniferen (Gremmeniella abietina). Zwei Rostpilze, Cronartium flaccidum und Endocronartium pini, breiten sich meist ast- oder stammunfassend in der Rinde aus und bringen das Kambium zum Absterben. Dadurch entsteht der aus einem Kiefernbestand nicht wegzudenkende Kienzopf.
Unter den Holzfäulepilzen am stehenden Stamm sind insbesondere der Kiefern-Braunporling (Phaeolus schweinitzii) und die Krause Glucke (Sparassis crispa) zu nennen. Diese beiden und der Kiefern-Feuerschwamm (Phellinus pini) lassen sich als Kiefernspezialisten klassifizieren. Zwei Universalisten, die Schäden an der Kiefer hervorrufen sind der Hallimasch (Armillaria sp.) und der Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum). Weitere Charakterarten der Kiefer sind der Purpurfilzige Holzritterling (Tricholomopsis rutilans), der Gegabelte Hörnling (Calocera furcata) und der Stammfußkrempling (Tapinella atrotomentosa). Der Gemeine Violettporling (Trichaptum abietinum) kommt dagegen auch an Buch vor und stellt wie der Rotrandige Baumschwamm (Fomitopsis pinicola) ein Bindeglied zwischen den Pilzen von Buche und Kiefer dar. Ein Spezialist für die Zersetzung der Kiefernzapfen ist der Ohrlöffel-Stacheling (Auriscalpium vulgare).

Holzverwendung der Waldkiefer

Das Holz der Waldkiefer besitzt gute Elastizitäts- und Festigkeitseigenschaften sowie eine gute Bruchschlagfestigkeit. Beim Bearbeiten ergeben sich sowohl mit handwerklichen als auch mit maschinellen Werkzeugen kaum Schwierigkeiten. Allerdings verschmieren die Werkzeuge bei harzreichem Holz stärker.
Die Kiefer gehört zu den Kernholzbaumarten mit einem gelblich weißen, mitunter auch rötliche weißen, relativ breiten Splint und einem rötlich braunen bis rotbraunen Kern. Die Jahrringe sind deutlich voneinander abgesetzt. Ein besonderes Kennzeichen sind die in größerer Anzahl vorhandenen Harzkanäle.
Nach der Fichte stellt die Kiefer das wichtigste einheimische Nadelholz dar. Sie findet Verwendung im Hoch-, Tief- und Wasserbau, beispielsweise für Fußgängerbrücken, Lärmschutzwände, Spielanlagen und –geräte und Terrassen. Daneben wird die Kiefer druckimprägniert für Masten, Pfosten, Pfähle und Palisaden eingesetzt. Im Haus- und Wohnungsbau liefert die Kiefer ein tragfestes Holz für Dachtragwerke, Wand- und Deckenkonstruktionen. Im Außenbereich lässt es sich vielseitig für z.B. Haustüren, Garagentore, Fenster, Balkone und Wintergärten einsetzen.
Das Holz findet weite Verwendung im Möbelbau und im Innenausbau für Decken und Wände oder für nicht übermäßig beanspruchte Fußböden und Treppen. Ferner dient es der Herstellung von Holzpflaster für Werkhallen, Schulen, Kirchen, Freizeitzentren, Restaurants und nach entsprechender Imprägnierung im Gartenbau. Zu den zahlreichen weiteren Verwendungsmöglichkeiten zählen unter anderem Haushalts- und Küchengeräte, Verpackungen, Lehrgerüste, Bau- und Rüststangen, Waggon- und Siloböden sowie Schiffsmasten.
In der Holzwerkstoffindustrie werden aus der Kiefer insbesondere OSB-Platten hergestellt. In der Papier- und Zellstoffindustrie dient sie zur Gewinnung von Braunschliff, Halbzellstoff und Zellstoff, die sich anschließend zu hochwertigen Kraftpapieren und Pappen weiterverarbeiten lassen.

Die Kiefer als Lebensraum

Von den in Kiefernwäldern verbreiteten Arten werden 35 Arten als Zeigerarten für autochtone Kiefernstandorte in Bayern eingestuft. Sie fehlen in sekundären (d.h. nutzungsbedingten) Kiefernwäldern. Nur wenige Arten sind streng monophag an die Baumart Kiefer oder ausschließlich an Kiefernstandorte gebunden. Werden sie jedoch in Kiefernwäldern angetroffen, so ist von einem natürlichen Vorkommen der Kiefer auszugehen.
Im Anhang wird eine Auswahl der Zeigerarten für autochtone Kiefernstandorte in Bayern bereitgestellt.

Weiterführende Informationen zur Thema Waldkiefer