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StMELFLWFBaumarten im Wald - Von Ahorn bis Zirbe → Die Fichte - Baumart der niederschlagsreichen Gebirgslagen
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Die gemeine Fichte

Picea abies(L.) KARST.

(auch Rottanne, Rotfichte; Englisch: Norway spruce, Common spruce)

Baumarten-Steckbrief Fichte

Gestalt:
Monopodialer Wuchs; Höhe bis 60 m, BHD bis 1,5 m; Krone regelmäßig kegelförmig; Unterscheidung von Kamm-, Bürsten- und Plattenfichte

Triebe:
Junge Fichtenzweige mit feinen Furchen und charakteristischen, abstehenden Nadelstielchen

Knospen:
Knospen kegelförmig, kastanienbraun, harzig

Nadeln:
Vierkantig, stechend-spitz, glänzend grün; auf stark vorspringenden Blattkissen; verbleiben in der Regel sieben Jahre am Baum

Rinde:
In der Jugend rötlich-braun und feinschuppig; mit dem Alter graubraune, in unregelmäßigen Schuppen abblätternde Rinde

Blüten:
Zwischen Mai und Juni; einhäusig; männliche Blüten an den vorjährigen Trieben, von karminrot nach gelb übergehend; weibliche Blüten endständige, aufrechte, rötlich-grüne Zäpfchen

Zapfen:
Samenreife im Oktober, Zapfen verbleibt ein Jahr am Baum; Zapfen braun, holzig, hängend, nach dem Ausfliegen der Samen als Ganzes abfallend; 10-15 cm lang und 3-4 cm dick

Samen:
Geflügelt, einförmig, einfarbig kaffeebraun

Bewurzelung:
Flachwurzler, vor allem bei mangelnder Durchlüftung des Bodens (Staunässe)

Höchstalter:
Etwa 600 Jahre

Systematik:

Klasse Pinopsida = Nadelhölzer
Unterklasse Pinidae = Zapfenträger
Ordnung Pinales = Kiefernartige
Familie Pinaceae = Kieferngewächse
Gattung Picea = Fichten
Art Picea abies (L.) KARST. = Gemeine Fichte

Klimahülle:

Klimahülle der Fichte
Fichtenzapfen Fichtenzapfen: Im Gegensatz zu den Tannenzapfen hängend. Fichtenzapfen fallen nach dem Ausfliegen der Samen als Ganzes ab.

Wissenswertes zur Fichte

2008 haben Wissenschaftler in Schweden in der Provinz Dalarna eine Fichte entdeckt, die sie auf 9.550 Jahre datiert haben. Sie ist damit der älteste lebende Baum der Welt. Sie hat selbst widrige klimatische Umstände überlebt, weil sie aus einem Wurzelstock immer neue Stämme austreiben konnte.

Verbreitung der Fichte

Die Fichte stellt hinsichtlich der Wasserversorgung hohe Anforderungen. Die Böden sollten frisch bis mäßig frischsein, so dass ganzjährig eine gute bis ausreichende Wasserversorgung gewährleistet ist. Zu vermeiden sind unbedingt staunasse Standorte, da diese Böden nicht ausreichend belüftet sind. Die Fichte hat geringe Nährstoffansprüche, das Optimum liegt bei einem pH von 4 bis 5.

Das Areal dieser eurasischen Wirtschaftsbaumart reicht von Mitteleuropa bis weit ins kontinentale Asien. Neben Kiefer und Birke bilden Fichten die nördlichsten Wälder in Skandinavien und Sibirien. Vor allem in niederschlagsreichen Gebirgslagen fühlt sie sich wohl.

Waldbauliche Behandlung der Fichte

Derzeit wachsen in Bayern noch viele Fichtenrein- und fichtenreiche Mischbestände, die auf Grund ihrer geringen Struktur, aber auch auf Grund der zunehmenden Klimaerwärmung ein hohes Betriebsrisiko aufweisen. Ein wichtiges Aufgabenfeld des Waldbaus ist die Umwandlung dieser fichtendominierten Wälder in mischbaumartenreiche Bestände mit dauerwaldartigen Strukturen. Fichten- und Fichtenmischbestände werden daher konsequent und frühzeitig gepflegt. Die Verjüngung wird so rechtzeitig eingeleitet, dass Mischbaumarten erfolgreich eingebracht werden können. Der Verjüngungsgang erstreckt sich dabei über mehrere Jahrzehnte. Für instabile Fichtenbestände mit erhöhtem Risiko müssen Pflege und Verjüngung der jeweiligen Situation angepasst werden. Mehr zum Waldbau der Fichte bei Veröffentlichungen.

Waldschutz und Fichte

Die Fichte ist anfällig für Trockenheit und Windwurf. Außerdem ist sie empfindlich gegenüber Spätfrösten und Luftschadstoffen. In Gebieten mit überhöhter Rotwilddichte ist die Fichte teilweise bis zu 100 % geschält (z.B. Spessart). Fichtenbestände sind auch immer durch zahlreiche Insekten und Pilze bedroht.

Die bekanntesten Schadinsekten an der Fichte sind sicherlich die Borkenkäfer. Sowohl der Buchdrucker (Ips typographus) als auch der Kupferstecher (Pityogenes calcographus) bereiten der Fichte immer wieder Probleme, in dem sie zwischen Rinde und Holz das lebensnotwendige saftführende Bastgewebe fressen. Daneben tritt auch immer wieder der Große Braune Rüsselkäfer (Hylobius abietis) in Erscheinung, der an Neuanpflanzungen immer wieder große Schäden verursacht. Die Fichtengespinstblattwespe (Cephalcia abietis) zählt bei Massenvermehrung in durch Trockenheit oder Immissionen vorgeschädigten älteren Fichtenwäldern zu den bestandsbedrohenden Schädlingen. Die Nonne (Lymantria monacha) gehört zu den Kleinschmetterlingen. Ihre Raupen können bei einer Massenvermehrung ganze Bestände kahlfressen, was i.d.R. stets das Abstreben der Bestände zur Folge hat.

Die Fichtennadeln werden von verschiedenen Pilzarten geschädigt. Die wichtigsten davon sind die Fichtennadelröte (Lophodermium piceae), der Fichtennadelritzenschorf (Lirula macrospora), der Fichtennadelrost (Chrysomyxa ssp.) und die Nadelbräune der Fichte (Rhizosphaera ssp.). Große Probleme bereitet auch der Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum). Er ist der Erreger der Rotfäule an der Fichte. Er geht über die Wurzeln in den Stamm über und baut dort zunächst das Lignin und später auch die Cellulose ab. Die Kernfäule ist bei der Fichte ökonomisch sehr bedeutend.

Holzverwendung der Fichte

Im Verhältnis zum relativ geringen Gewicht besitzt das Holz der Fichte gute Festigkeits- und Elastizitätseigenschaften. Es ist von gleichmäßiger, meist gelblichweiser Farbe. Splint- und Kernholz unterscheiden sich nicht voneinander.

Das Fichtenholz eignet sich hervorragend als Bau- und Konstruktionsholz, ist allerdings wenig witterungsfest und muss daher bei einer Verwendung im Außenbereich geschützt werden. Es ist das mit Abstand am meisten verwendete Bauholz in Deutschland. Auch im Wohnungsbau, im Innenausbau und im Möbelbau wir es vielseitig eingesetzt. Des weiteren stellt sie das wichtigste Massenholz für die Holzwerkstoff- sowie für die Papier- und Zellstoffindustrie dar.

Die Fichte als Lebensraum

Fichtenwälder bieten gut gedeckte und geschützte Strukturen, die viele verschiedene Vogelarten zum Brüten und zur Nahrungssuche benötigen. Dazu zählen beispielsweise der Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra) oder der Waldbaumläufer (Certhia familiaris).

In natürlichen Fichtenwäldern dringt wenig Licht auf den Waldboden. Daher bietet er vor allem Pflanzen, deren Versorgung von der Photosynthese weitgehend unabhängig ist, ein geeignetes Biotop. An diese Verhältnisse besonders angepasst ist der Fichtenspargel (Monotropa hypopitys), der eine Symbiose mit der Fichte eingeht.

Weitere Fichtenarten

Die serbische Fichte (Picea omorika (Panč.) Purk.)

Die Serbische Fichte stammt aus einem nur 60 ha großen, schwer zugänglichen Gebiet im serbischen Taragebirge. Sie wurde erst 1872 entdeckt.
Die Zapfen wachsen an vorjährigen Zweigen zuerst aufrecht oder seitlich abstehend, später hängend. Nach der Reife fallen sie als Ganzes ab.
Sie besitzt kurze, dichtstehende, herabhängende Äste mit aufwärtsgerichteten Spitzen. Die schmale Krone ist eine Anpassung an starken Schneefall, da die Last so leichter abrutschen kann. Gebirgsherkünfte unserer heimischen Fichte und anderer Baumarten zeigen auch dieses Merkmal.
Die Nadeln der Fichte sind mehr oder weniger vierkantig und haben Spaltöffnungsreihen auf allen Flächen oder sie sind flach und haben nur Spaltöffnungsreihen auf der Unterseite. Der Blattgrund ist nicht grün gefärbt, sondern mit dem Zweig verwachsen (Blattkissen) und weist dessen Rindenfärbung auf, durch diese herablaufenden Blattkissen ist der Zweig gefurcht und nach dem Abfallen der Nadeln rau.
Die Endknospe verschwindet zwischen den unterseits bläulichgrünen und mit zwei weißen Streifen und deutlicher Mittelrippe versehenen Nadeln, die 10 bis 12 Jahre am Zweig bleiben. Die unreifen Zapfen sind dunkelviolett.
Die Serbische Fichte war im Tertiär über weite Teile Europas verbreitet. Sie ist standorttolerant, frosthart und relativ unempfindlich gegen das Stadtklima. Sie verträgt weniger Schatten und wurzelt etwas tiefer als unsere heimische Fichte, ist aber kaum durch Insekten gefährdet.

Weiterführende Informationen zur Thema Fichte