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30 Jahre Naturwaldreservate in Bayern - LWF Wissen 61
Naturwaldreservate sind Keimzellen für Biodiversität und naturnahem Waldbau
Vor 30 Jahren wies Bayern die ersten 135 Naturwaldreservate im Staatswald aus. Unterdessen finden sich Bayern auf 6.600 ha Wald 156 Naturwaldreservate. Seit 1999 stehen auch Flächen im Kommunalwald unter Schutz. Direkte menschliche Eingriffe sind in diesen Gebieten verboten. Ziel der Ausweisung war zunächst, den Wald in seiner natürlichen Entwicklung zu erforschen und daraus Erkenntnisse für die naturnahe Waldbewirtschaftung zu gewinnen. Waldökologische Zielsetzungen traten schon sehr bald hinzu. Mit dem Klimawandel erhalten die Naturwaldreservate eine neue Qualität. Nirgendwo sonst lässt sich so gut beobachten, wie sich der Klimawandel auf die natürlichen Konkurrenzverhältnisse zwischen den Baumarten auswirkt.
Naturwaldreservate sind Mosaiksteine ursprünglicher Landschaften, die auch für unsere Kinder und Kindeskinder zum Staunen und Erleben ungestörter Natur erhalten bleiben. Bayern verfügt bereits seit 30 Jahren über ein ausgewogenes, repräsentatives Netz dieser Schutzgebiete. Die vorhandenen Naturwaldreservate sollen in Fläche und Zahl entsprechend dem Bedarf und den Möglichkeiten ergänzt werden. Es geht dabei allerdings nicht darum, möglichst viele Waldflächen aus der Nutzung zu nehmen, sondern der Zielsetzung der Naturwaldreservate noch besser gerecht zu werden. Damit leisten Forstverwaltung und Waldbesitzer auch einen wesentlichen Beitrag zur bayerischen Biodiversitäts-Strategie sowie zum Schutz und Erhalt wertvoller Lebensräume in unserem Land.
Naturwaldreservate in Bayern - gestern, heute und in Zukunft
30 Jahre Naturwaldreservate in Bayern sind ein guter Anlass für eine Standortbestimmung. Der Beitrag befasst sich mit den Fragen "Wie kam es zu ihrer Ausweisung, welchem Zweck dienen sie, welche Ziele werden damit verfolgt und wie soll es weiter gehen". Die ersten Naturwaldreservate wurden 1978 eingerichtet. Mit ihrer Einrichtung und Erweiterung trägt die Forstverwaltung seit 30 Jahren entscheidend dazu bei, die vielfältige Flora und Fauna unserer Wälder zu erhalten und zu fördern.
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Die Naturwaldreservate - "Forschungs-Gucklöcher" in natürliche Waldprozesse
Die Naturwaldreservate in Bayern (NWR) sollen in naturnahen oder weitgehend naturnahen Wäldern die Erforschung der Waldentwicklung ermöglichen und die biologische Vielfalt erhalten. Dazu fordert das Waldgesetz für Bayern, dass die Naturwaldreservate die natürlichen Waldgesellschaften landesweit repräsentieren.Die Grundgesamtheit soll eine regional (Landschaftsebene) und objektbezogen (einzelne Waldgesellschaften) angemessene Verteilung beinhalten.
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30 Jahre Naturwaldreservate in Bayern
Vor 30 Jahren wies Bayern 135 Naturwaldreservate im Staatswald aus. Unterdessen verfügt Bayern mit 6.600 Hektar und 154 Naturwaldreservaten über ein flächendeckendes Netz dieser Waldschutzgebiete. Seit 1999 stehen auch Flächen im Kommunalwald unter Schutz.
Mit einer zweitägigen Veranstaltung am 29./30.Mai in Lohr am Main würdigte die Bayerische Forstverwaltung das dreißigjährige Bestehen der Naturwaldreservate in Bayern.
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Naturwaldreservate in Niedersachsen - eine Zwischenbilanz
Im Jahre 1969 wurde in Niedersachsen das erste Naturwaldreservat ausgewiesen. Knapp 40 Jahre Forschung in diesen Naturwäldern lieferten interessante und in der Praxis verwertbare Erkenntnisse für den naturnahen Waldbau.Sie geben unter anderem Aufschluss über Wuchsdynamik und Verjüngungsverhalten der heimischen Baumarten,insbesondere der Eiche und Buche, sowie über den Aufbau eines der Arten- und Strukturvielfalt der Wälder angemessenen Totholzvorrates. Jedoch nur Kontinuität und Geduld einerseits sowie effektive Inventurmethoden und eine kompetente Datenhaltung und -analyse andererseits führen zum Erfolg.
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Naturwaldreservate im Nachhaltigkeitskonzept der Bayerischen Staatsforsten
Die Bayerischen Staatsforsten bewirtschaften 720.000 Hektar Wald sowie 85.000 Hektar weitere Flächen und tragen somit eine besondere Verantwortung für die Artenvielfalt und den Schutz von Lebensräumen. Über 230.000 Hektar davon unterliegen verschiedenen Schutzgebietskategorien nach Naturschutzrecht. Die nach Waldgesetz ausgewiesenen Naturwaldreservate bilden in dieser Kulisse ein eigenständiges Netz aus Prozessschutzflächen und repräsentieren die meisten in Bayern vorkommenden Waldgesellschaften. Die Bayerische Staatsforsten bekennt sich zu all diesen Schutzgebieten und beteiligt sich an entsprechenden Managementplanungen. Insbesondere werden die Naturwaldreservate in enger Abstimmung mit der Forstverwaltung betreut.
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Die bayerischen Naturwaldreservate aus Sicht des Naturschutzes
Aus den im Bundesnaturschutzgesetz und im Bayerischen Naturschutzgesetz verankerten Zielen und Grundsätzen lassen sich Anforderungen des Naturschutzes im Wald ableiten.Auf circa 85 Prozent der Waldfläche geht es darum, bei der Bewirtschaftung naturschutzfachlichen Mindestanforderungen gerecht zu werden.Auf weiteren zehn Prozent sind spezielle Anforderungen zu berücksichtigen, die sich aus Erhaltungszielen von FFH- und Vogelschutzgebieten, aus Naturschutzgebietsverordnungen, Erfordernissen des Biotopverbunds oder des Artenschutzes ergeben. Die restlichen fünf Prozent schließlich sind als Vollreservate, beispielsweise Nationalparke und Naturwaldreservate, auszuweisen. Naturwaldreservate sind ein wesentliches Instrument der Forschung und des Naturschutzes im Wald. Aber sie weisen auch einige Schwächen auf wie eine zu geringe Größe oder isolierte Lage in der Agrarlandschaft.
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Biodiversitätsforschung in bayerischen Naturwaldreservaten
Naturwaldreservate repräsentieren fast alle in Bayern vorkommenden natürlichen Waldgesellschaften und ihre Standorte.Sie sind wichtige Referenzflächen für den naturnahen Waldbau und die waldökologische Forschung. Bereits über 1.700 Vegetationsaufnahmen aus den bayerischen Naturwaldreservaten wurden in die bundesweite Datenbank VegetWeb eingespeist.
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Reliktarten in bayerischen Naturwaldreservaten
115 xylobionte Käferarten wurden für Deutschland als "Urwaldreliktarten" definiert. In Bayern sind aktuell 66 Arten dieser Liste bestätigt. Ein Drittel dieser Arten wurde auch bei der Erforschung der Artenvielfalt in bayerischen Naturwaldreservaten nachgewiesen, darunter drei Arten mit ihren zur Zeit einzig bekannten Vorkommen in Deutschland oder Bayern.Die Erkenntnisse über das Vorkommen von Reliktarten in den Reservaten geben wertvolle Hinweise für die Entwicklung von Naturschutzkonzepten in Wirtschaftswäldern und unterstreichen den besonderen Wert der Reservate für besonders anspruchsvolle totholzbewohnende Arten.
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Schmetterlinge in den bayerischen Naturwaldreservaten - Ergebnisse einer 25-jährigen Forschung
Von 1982 bis einschließlich 2005 wurden in 119 der inzwischen über 150 bayerischen Naturwaldreservate Schmetterlinge nach einheitlichen Kartierungsmethoden erfasst. Insgesamt wurden etwa 120.000 Datensätze in einer Datenbank gespeichert. Hochgerechnet entspricht das etwa einer Million qualitativ und quantitativ registrierter Schmetterlinge. Die Ergebnisse der Studien wurden ab 2006 der Öffentlichkeit vorgestellt (Hacker und Müller 2006).
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Die Molluskenfauna bayerischer Naturwaldreservate
Ein Drittel aller Naturwaldreservate Bayerns ist weichtierkundlich erforscht, 177 Arten wurden bisher festgestellt (53 Prozent der aus Bayern bekannten Arten). Mit 111 Arten dominieren die Gehäuse tragenden Landschnecken deutlich vor den Nacktschnecken und den Wassermollusken (Muscheln, Wasserschnecken). Sehr hoch ist die Anzahl gefährdeter Arten. Nachgewiesen wurden 78 Rote-Liste- Arten, mit den Arten der Vorwarnliste sogar 110 Arten. Höhepunkte stellen Funde von vier Arten dar, die in Bayern als vom Aussterben bedroht eingestuft sind. Das Erreichen der 200-Arten-Marke bei der Bearbeitung der restlichen Naturwaldreservate erscheint realistisch, da die in den Alpen liegenden Reservatsflächen bisher nur in geringem Umfang erforscht sind.
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Mikrohabitate und Phasenkartierung als Kern der Biodiversitätserfassung im Wald
Zu Beginn standen die waldbaulichen,ökologischen und naturschutzfachlichen Erkenntnisse aus Naturwaldreservaten (NWR) recht unverknüpft nebeneinander. Der global gesehen zunehmende Verlust sehr naturnaher Wälder und die damit verbundenen Veränderungen der Biodiversität wandelten die Forschung in den Naturwaldreservaten zunehmend zu einer ökosystemaren Forschung, in der unter anderem der naturnahe Waldbau auf ökologischer Basis wissenschaftlich begründet werden kann. Im Jahr 2008 stellen besondere Wuchsformen an Einzelbäumen (Mikrohabitate) und Waldentwicklungsphasen als Kerne der Biodiversitätsforschung einen neuen Schwerpunkt in der bayerischen Naturwaldreservatsforschung dar.
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Endemische Laubwald-Laufkäfer in bayerischen Buchen- und Schluchtwäldern
Der Naturschutz in Mitteleuropa sollte sich laut Biodiversitätskonvention vorrangig jenen Arten widmen, für die wir eine besondere Verantwortung haben, und die auf Grund ihrer speziellen Habitatansprüche gefährdet sind. Dies wird am Beispiel der artenreichen Familie der Laufkäfer und der Habitatgruppe der Buchen- und Schluchtwälder erläutert. Für die meisten Arten trifft eine der beiden Bedingungen "Verantwortung" und "Gefährdung" nicht zu. Für viele Buchenwaldbewohner besteht durchaus eine besondere Verantwortung, da ihre Verbreitung auf Europa- oder sogar auf Mitteleuropa beschränkt ist. Die meisten dieser Arten sind aber nicht gefährdet, oder nur an ihrem Arealrand. Einige Buchenwald-Arten wie der Schluchtwald-Laufkäfer oder der Blaue Großlaufkaufkäfer haben jedoch auf Grund von Habitatveränderungen wie dem Verlust natürlicher, totholzreicher Laubwälder erhebliche Bestandseinbußen erlitten. Dem Schutz ihrer Habitate muss höchste Priorität eingeräumt werden.
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Neugeschüttwörth - vielgestaltiger, wertvoller Auwaldrest an der Donau
Die Dynamik der Flüsse schafft die Voraussetzungen für die Entstehung und das Wachstum von Auwäldern. Flussregulierungen, der Bau von Staustufen sowie großflächige Rodungen im 19. bzw. 20. Jahrhundert boten dieser Dynamik Einhalt. Diese Entwicklung führte zur Vernichtung großer Auwaldflächen und damit zum Verlust wertvoller Lebensräume. Inzwischen wurde der Wert dieser Lebensräume erkannt und die Notwendigkeit, seine noch vorhandenen Reste unter Schutz zu stellen und zu erforschen. Das in der Donauau im Landkreis Dillingen liegende Neugeschüttwörth wurde als Naturwaldreservat und Naturschutzgebiet ausgewiesen.
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Das Naturwaldreservat Jachtal
2003 wurde im Stadtwald Bad Windsheim der Kurzschröter Aesalus scarabaeoides, eine im Totholz lebende Hirschkäfer- und Urwaldreliktart, entdeckt. Im Wesentlichen dieser Fund veranlasste die Stadt, intensiv über die Einrichtung eines Naturwaldreservates zu diskutieren. 2005 wurde das 49 Hektar große Naturwaldreservat Jachtal ausgewiesen. Dieser ehemalige, seit etwa 30 Jahren nicht mehr genutzte Mittelwald mit seinen zahlreichen Laubbaumarten und unterschiedlichen Altersstrukturen gewährleistet die Biotoptradition. Oberstes Ziel des Naturwaldreservates ist der Artenschutz. Aber es ist auch in die Öffentlichkeitsarbeit eingebunden, um die Bürger insbesondere für Urwaldreliktarten und den Erhalt von Totholz als dringend benötigten Lebensraum zu sensibilisieren. Darüberhinaus ist ein Konzept zur Erhaltung und Erforschung der das Naturwaldreservat umgebenden historischen Kulturlandschaft geplant.
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