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Biodiversität und Nachhaltigkeit - LWF aktuell 76
Wald, ein Dach für nachhaltige Vielfalt
Passend zum Jahr der Biodiversität 2010 beschäftigt sich diese LWF-aktuell-Ausgabe mit der biologischen Vielfalt im Wald und den Einflüssen der Forstwirtschaft.
In verschiedenen Beiträgen gehen wir der Frage nach, welche Bedeutung der Wald für die biologische Vielfalt besitzt und wie eine nachhaltige Forstwirtschaft diese erhalten und fördern kann. In Deutschland kommen etwa 43.000 landbewohnende Tierarten vor. Im Naturwaldreservat Niddahänge im hessischen Vogelsberg wiesen Wissenschaftler auf einer Fläche von 74 Hektar 4.500 Tierarten nach. Das heißt, auf 0,000002 Prozent der Fläche Deutschlands leben 10 Prozent aller heimischen Tierarten! Ein schöneres Beispiel für die Bedeutung unseres Waldes als Garant für die biologische Vielfalt lässt sich nicht finden, zumal dieses Naturwaldreservat noch bis 1988 als Wirtschaftswald genutzt wurde.
Es handelt sich also nicht um Urwaldflächen. Die Buche ist dort die Wirtschaftsbaumart. An diesem Beispiel wird auch die Bedeutung des Buchenwaldes für unsere heimische Artenvielfalt deutlich. Etwa 6.800 Tierarten Mitteleuropas leben im Buchenwald, davon können 1.800 Arten sogar als Buchenwaldspezialisten bezeichnet werden.
Die Referenz für unser nachhaltiges forstliches Handeln ist auch die natürliche Artenvielfalt.
Dabei ist uns bewusst, dass auf Grund einer jahrhundertelangen Nutzung der Mensch unsere Landschaft und auch den Wald stark geprägt hat. Das Jahr der Biodiversität 2010 haben die Waldbesitzer und Forstleute unter das Motto »Forstwirtschaft schafft Leben« gestellt. Damit maßen wir uns keine Schöpferrolle an. Vielmehr soll dieser verkürzte Slogan zum Ausdruck bringen, dass die Forstwirtschaft mit ihrer pfleglichen und naturnahen Wirtschaftsweise die natürliche, waldtypische Vielfalt erhält und fördert.
Dies gelingt besonders gut, wenn unsere Wälder einen hohen Anteil an standortheimischen Baumarten aufweisen, auch Höhlenbäume und Totholz erhalten bleiben, Strukturreichtum gefördert wird und reife Waldbestände über hohe Erntealter und langfristige Verjüngungsgänge ermöglicht werden.
Hier kann eine flächendeckende, naturnahe Forstwirtschaft sehr viel zum Erhalt unserer waldtypischen Artenvielfalt beitragen.
Schwerpunkt - Biodiversität und Nachhaltigkeit
Biodiversität und Forstwirtschaft
Der Forstwirtschaft wird weltweit vorgeworfen, mit ihrer Form der Waldnutzung die Biodiversität nachhaltig zu bedrohen. Gegen diese globale Kritik muss sich immer wieder auch die heimische Forstwirtschaft verteidigen. Vor allem die Naturschutzverbände fordern, mehr Flächen als Totalschutzgebiete auszuweisen. Aber gerade die naturnahe Forstwirtschaft bietet das Erfolg versprechende Konzept zum Schutz der Biodiversität - nicht nur hier bei uns, sondern weltweit.
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Hotspots der Biodiversität
Räumliche Verteilungsmuster und Hotspot-Zentren der Biodiversität sind zu erkennen, wenn bedeutende Vorkommen von Arten verschiedener indikatorisch wichtiger Organismengruppen überlagert werden. Die grafisch dargestellte Zusammenführung solcher Vorkommen in Bayern deckt Gebiete von sehr hoher Bedeutung für die Biodiversität und damit auch Gebiete höchster naturschutzfachlicher Wertigkeit auf. Ausgewählt wurden Naturnähezeiger unter den drei Gruppen holzbesiedelnder Pilze, Urwaldreliktarten xylobionter Käfer und Vogelarten als Weiser für reife Laubmischwälder.
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Hotspot-Gebiete von Pilzen in Bayern
Die Möglichkeit, die Naturnähe in Wäldern einzuschätzen, wird immer wieder im Rahmen zahlreicher forstlicher und naturschutzfachlicher Aufgaben nachgefragt. Manchmal lassen sich bereits mit Totholzinventuren bzw. mit Angaben zu Totholzvorräten Rückschlüsse ziehen, doch für einige Fragestellungen reichen diese Angaben noch nicht aus. Im vergangenen Jahr wurde ein neues System von Naturnähezeigern auf der Grundlage holzbewohnender Pilze veröffentlicht. Hier wird eine erste bayernweite Anwendung dieses Systems auf der Fläche dargestellt.
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Hotspot-Gebiete xylobionter Urwaldreliktarten aus dem Reich der Käfer
Für Bayern wurden seit 1900 86 Urwald-Reliktarten bestätigt, wobei jedoch 20 Arten zwischenzeitlich als verschollen oder ausgestorben gewertet werden. Nur 22 Gebiete in Bayern beherbergen eine nennenswerte Anzahl dieser Reliktarten. Eine ungebrochene Habitattradition ist die Voraussetzung für das Vorkommen von Urwaldreliktarten. Auch die großen Flusslandschaften mit ihren Auwäldern, die schon jahrtausendelang als Einwanderungs- und Ausbreitungswege dienen, haben eine wichtige Funktion für Urwaldreliktarten. Die Erkenntnisse über das Vorkommen von Reliktarten geben wertvolle Hinweise für die Entwicklung von Naturschutzkonzepten in Wirtschaftswäldern und unterstreichen den besonderen Wert von Reservaten für besonders anspruchsvolle totholzbewohnende Arten.
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Wald-Naturschutz in Vogelschutzgebieten
Im Rahmen des europäischen Naturschutz-Projektes Natura 2000 werden in den 84 Vogelschutzgebieten Bayerns behördliche Managementpläne erstellt. Insgesamt bearbeiten Umwelt- und Forstverwaltung gemeinsam eine Schutzgebietsfläche von 549.000 Hektar, davon 307.000 Hektar Wald. Die daraus gewonnen Erkenntnisse und die Planungen notwendiger Erhaltungsmaßnahmen werden die Vielfalt in der Landschaft langfristig erhalten.
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Waldbodenvegetation und Klimawandel?
Klimatische Veränderungen spielen auch für die heimische Vegetation eine immer größere Rolle. Unter diesem Aspekt wurden die Entwicklung der Bodenvegetation, ihre Artenvielfalt und ihre Artenzusammensetzung an sechs bayerischen Waldklimastationen analysiert. Die Auswertung der 16 Jahre zurückreichenden Zeitreihe zeigt, dass Wärmezeiger und Artenzahlen zunehmen. Aber: Mit klimatischen Veränderungen scheinen diese Entwicklungen nur indirekt zu tun zu haben. Einige Indizien lassen vermuten, dass kleinräumige Störungen die Vegetationsveränderungen stärker beeinflussen als der derzeitige Umfang der Klimaerwärmung.
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Fledermaus-Management in FFH-Gebieten
Die Bechsteinfledermaus wird in bayerischen Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH) normalerweise durch die Kontrolle von Vogel- oder Fledermauskästen erfasst. Damit lassen sich meist gute Artnachweise erzielen. Doch leider funktioniert das nicht immer. In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Umwelt gingen Wissenschaftler an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising-Weihenstephan der Frage nach, ob Bechsteinfledermaus-Populationen auch mit Hilfe von Netzfängen erhoben und bewertet werden können.
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Erfolgreiche Wissensvermittlung der LWF zu »Biodiversität im Wald«
Umweltaktionsprogramme können nur dann erfolgreich sein, wenn neben einem hochwertigen theoretischen Bildungsangebot die Möglichkeit der praktischen Umsetzung gegeben ist. Das didaktische Konzept der Fortbildungen muss ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kenntnis- und Können-Vermittlung finden. Für den Bereich »Biodiversität« bietet die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft derzeit fünf Fortbildungsveranstaltungen für Angehörige der Staatsverwaltungen an. In grundlegenden Impulsvorträgen im Saal vermitteln Fachexperten zunächst »Kenntnis« (theoretisches Wissen). Im Geländepraktikum geht es um die Vermittlung von »Können« (praktisches Wissen).
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Jagd im Zeichen der biologischen Vielfalt
Landwirte und Waldbauern haben mit ihrer nachhaltigen Landnutzung eine Kulturlandschaft geschaffen, die mit ihrem Mosaik aus Wäldern, Feldern und Wiesen eine hohe Artenvielfalt besitzt. Aber auch als Jagdgenossen leisten Landwirte und Waldbauern oft zusammen mit den Jägern mit freiwilligen Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Diese Leistungen werden durch zunehmende staatliche Einschränkungen der Bewirtschaftungsfreiheit und einen ungebremsten Flächenverbrauch bedroht. Der Bayerische Bauernverband fordert deshalb eine Stärkung der Eigenverantwortung anstelle von Ordnungsrecht sowie ein Ende des nach wie vor hohen Flächenverbrauchs, um diese Leistungen auch in Zukunft zu sichern.
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Bayerische Biodiversitätsstrategie
Der Bayerische Ministerrat verabschiedete am 1. April 2008 eine Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Bayern (Bayerische Biodiversitätsstrategie). Leitgedanke der Strategie ist eine auf integrativen Konzepten basierende Verknüpfung einer nachhaltigen Landnutzung mit dem Schutz und der Nutzung der biologischen Vielfalt. Im Vorfeld hatte bereits am 7. November 2007 die Bundesregierung eine nationale Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt beschlossen.
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Nachhaltigkeit: Wer hat's erfunden?
Beim Weihenstephaner Waldtag 2008 wurde die provokante Frage gestellt, warum Forstwissenschaft und Forstwirtschaft so wenig in der gesellschaftlichen Debatte rund um »Nachhaltigkeit« gehört werden. Ein Blick in die 300-jährige Geschichte des Begriffs »Nachhaltigkeit« versucht darauf eine Antwort zu geben. Der forstliche Gedanke, »continuirlich beständige und nachhaltende Nutzung« der Wälder, den Hans Carl von Carlowitz prägte, entwickelte sich durch die Zeit zum universellen gesellschaftlichen Prinzip weiter.
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Nachhaltigkeit und Nachlässigkeit - eine Begriffsgeschichte
»Wir brauchen eine neue, ökologische Industrielle Revolution - überall auf der Welt. ... Haben wir Deutsche ... nicht die besten Voraussetzungen, an einem weltweiten Wirtschaftswunder der Nachhaltigkeit mitzuwirken?« Diese fast pathetische Aussage stammt nicht von einem Öko-Aktivisten, sondern von Bundespräsident Horst Köhler. Der Begriff Nachhaltigkeit - ursprünglich Kerngedanke und identitätsstiftendes Herzstück der deutschen Forstwirtschaft - hat Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden. Der Begriff ist heute in allen gesellschaftlichen Bereichen präsent und wird weltweit als »sustainability« verwendet.
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Wald - Wissenschaft - Praxis
Klimawandelforschung
Vor allem Doktoranden, aber auch »alte Hasen« trafen sich am 28. Januar beim Workshop »Forstliche Klimawandel-Forschung« zum Informationsaustausch aller Wissenschaftler/innen, die sich am Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan mit dem Klimawandel beschäftigen.
Die Veranstaltung unter Leitung von Prof. Dr. Jörg Ewald, Sprecher der AG Klimawandel des Zentrums, bereiteten Dr. Gerhard Enders und Veronika Baumgarten vor. Der Workshop war geteilt in einen Informationsblock mit einer Kurzvorstellung der Unterstützungs-, Förder- und Vernetzungsmöglichkeiten für Nachwuchswissenschaftler sowie eine Posterausstellung mit Präsentation und Diskussion laufender Projekte zum Thema Klimawandel
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Vielfalt der Erbanlagen
Die »Biologische Vielfalt« oder biodiversität ruht auf drei Säulen. Eine Säule ist die Vielfalt der Arten, die zweite beschreibt die Vielfalt der Lebensräume. Die erste dieser drei jedoch ist die Säule der genetischen Vielfalt. Sie steht für die Vielfalt in den Erbanlagen. Die genetische Vielfalt - auch genetische Diversität genannt - ist der Motor für die Veränderungen innerhalb der Arten und Antrieb für die Entstehung neuer Arten.
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FFH-Schutzobjekte aus der Luft bewerten
Im Jahr 2007 initiierten die Sachgebiete »Naturschutz« und »GIS, Fernerkundung« der LWF gemeinsam ein Projekt, um ein Bewertungsverfahren für die Waldstrukturen der großflächig vorkommenden höhenzonalen Waldlebensraumtypen in der alpinen biogeographischen Region zu entwickeln. Dabei waren die Lebensraumtypen Waldmeister-Buchenwald, Hainsimsen-Buchenwald und Subalpine Fichtenwälder mit überwiegend fernerkundungsbasierten Methoden zu bearbeiten. Dieses Projekt wurde nun erfolgreich abgeschlossen.
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Waldschutzsituation in Bayern 2009/2010
2009 richtete sich das Augenmerk des Waldschutzes auf die Eichenbestände Mittel- und Unterfrankens, in denen der Eichenwickler auf großen Flächen teils starke Fraßschäden verursachte. Regional litten die Eichen auch unter dem Fraß des Eichenprozessionsspinners, gefolgt von einem teilweise massiven Eichenmehltau-Befall. Trotz der für die Fichtenborkenkäfer ungünstigen Witterung 2009 ist vor allem für Nordbayern auch 2010 von einer erhöhten Borkenkäfer-Gefährdung auszugehen.
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Der Brombeer-Rechen - Fauler Zauber oder Zauberstab?
Seit dem Frühjahr 2008 bietet eine niederbayerische Schreinerei ein neuartiges Gerät zur Kulturpflege an. Auf seiner Internetseite zählt der Hersteller die Vorteile dieses Werkzeuges auf und ein kleiner Film demonstriert die Anwendungsmöglichkeiten. Um feststellen zu können, ob ein geeignetes Hilfsmittel zur Kulturpflege oder ein überflüssiges Gerät erfunden wurde, unterzogen Mitarbeiter der LWF das Gerät einem kleinen Praxistest.
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Der Kormoran - Ein Fischjäger in der Kulturlandschaft
Nach dem allseits beliebten Eisvogel fiel die Wahl des »Vogel des Jahres« diesmal auf eine sehr kontrovers diskutierte Art, den Kormoran. Von der einen Seite als »Symbol des Vogelschutzes« gefeiert, wird er von der anderen als »Schadvogel« verfolgt. Die vertretenen Standpunkte könnten widersprüchlicher kaum sein und erinnern an die Schädling-Nützling-Diskussion vor hundert Jahren. Dabei ist es durchaus lohnenswert, sich mit dem Konfliktfeld rund um den fischfressenden Vogel intensiver auseinanderzusetzen.
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Kurz & Bündig
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