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Totes Holz Voller Leben - LWF aktuell 53
Lebensraum Totholz – Waldschutzsituation - Borkenkäferspürhunde – Bayerische Douglasien – Wildlinge

LWF aktuell 53: Totes Holz Voller Leben
Liebe Leserinnen und Leser,
im April 1999 erschien die 18. Ausgabe von LWF aktuell mit dem Titel „Totes Holz – lebend(ig)er Wald !“ Damals befassten sich 13 Beiträge mit der Thematik rund ums Totholz.
Nach 7 Jahren und 35 Ausgaben später erscheint nun LWFaktuell Nr. 53 und greift diese Thematik aus waldökologischer Sicht wieder auf. Nunmehr liegen auch belegbare Ergebnisse aus der Totholzforschung vor. Wiederum 13 Fachbeiträge verdeutlichen die Bedeutung des Totholzes für bestimmte Tiergruppen, Pflanzen und Pilze und unterstreichen, wie wichtig Totholz und Biotopbäume für die Waldlebensgemeinschaft unter Artenschutz-Aspekten sind.
Traditionsgemäß, aber auch unter fachlichen Gesichtspunkten gesehen, gehören in die Frühjahrsausgabe von LWFaktuell stets Beiträge zur Waldschutzsituation in Bayern, u.a. auch eine Rückschau des zurückliegenden und eine Prognose des bevorstehenden Jahres. Besonderes Augenmerk hat unser Waldschutzteam diesmal auf Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner gelegt.
In unserer Rubrik „Wald – Wissenschaft – Praxis“ finden Sie noch weitere interessante Themen. So informiert ein Artikel aus der Arbeit des Forstbetriebes über Ergebnisse eines Praxisversuches mit Tannen- und Buchenwildlingen im Vergleich zu Baumschulpflanzen. Ein Beitrag berichtet über den wärmeliebenden und bei uns bislang sehr selten beobachteten Kleinen Eichenborkenkäfer, der – begünstigt durch die Klimaerwärmung – nunmehr im Stande ist, größere Populationen aufzubauen.
In Waldforschung aktuell informiert das Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan über neue Forschungsergebnisse zu Douglasien- Saatgutbeständen in Bayern sowie über bedeutsame Termine und Ereignisse rund um den Wissenschaftsstandort Weihenstephan.
Dem Nachrichtenteil von LWFaktuell können Sie entnehmen, was im nächsten Vierteljahr wichtig ist zu wissen.
Ihr
Olaf Schmidt
Schwerpunkt
Nahrungsbiotop, Brutraum und Trommelplatz
Totholz ist ein wichtiges Strukturelement in Urwäldern.Von den etwa 100 waldbewohnenden Vogelarten sind mindestens
zwei Drittel auf Totholz angewiesen. Die einzelnen Arten nutzen dieses Element jedoch auf verschiedenste Weise und in
unterschiedlicher Intensität. Alles in allem reduziert sich die Bedeutung von Totholz für sie jedoch auf drei Funktionen:
Nahrungsbiotop, Brutraum/Schlafplatz/Versteck und Singwarte/Trommelplatz.
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Schatztruhen im Buchenwald
Baumhöhlen im Allgemeinen und Mulmhöhlen im Besonderen nehmen eine herausragende Funktion in Waldökosystemen
ein.Ausgereifte Mulmhöhlen benötigen für ihre Entstehung viele Jahrzehnte. Mulmhöhlenbäume sind ein typisches
Strukturmerkmal besonders alter und reifer Wälder. In unseren Buchenwäldern wurden solche Bäume auf Grund ihres
äußerst seltenen Vorkommens zu wahren Schatztruhen. In Mulmhöhlen des Steigerwaldes wurden 184 Käferarten nachgewiesen,
wobei jede dritte Art mindestens mit dem Eintrag "gefährdet" auf der Roten Liste steht.
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Uraltbäume mit jungem, vielfältigem Leben
Zwei alte Huteeichen am Scheerweiher bei Ansbach sind Lebensraum für über 80 Holzkäferarten, darunter 22 gefährdete
Arten der Roten Liste Bayerns, und fünf Urwaldreliktarten. Stehendes und liegendes Totholz im klassischen Sinn ist
auf den Flächen nicht vorhanden.Was macht die Flächen für Holzinsekten so attraktiv? Die Antwort lautet:Alte Bäume
mit Habitattradition.Altwaldstandorte mit ungebrochener Habitattradition sind bei uns inzwischen extrem selten geworden.
Die Fenster in die Vergangenheit drohen für immer geschlossen zu werden.
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Wohnraumangebot meist mehr als knapp
Knapp die Hälfte unserer heimischen Schwebfliegenarten steht auf der Roten Liste.Von den Schwebfliegen, die während
ihrer Entwicklung auf faulendes Holz angewiesen sind, sind sogar zwei von drei Arten in ihrem Bestand gefährdet!
Totholzmanagement, insbesondere der Schutz von Bäumen mit wassergefüllten Bruthöhlen, morschen Kernholzbereichen
oder Schleimflussfeldern unter der Rinde führt jedoch zu einer Erholung der Schwebfliegenfauna.
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Totholz im Kronenbereich - begehrter Lebensraum
Kamelhalsfliegen (Raphidioptera) gehören zur Gruppe der netzflüglerartigen Insekten und kommen in baum- und
strauchbestandenen Habitaten vor. In Bayern wurden bisher neun Arten nachgewiesen.Tote Äste in Kronenbereich spielen
zumindest für einige Kamelhalsfliegenarten eine wichtige Rolle als Larvenhabitat. Dies geht aus Versuchen hervor, bei
denen Kronentotholz von lebenden Bäumen im Labor bebrütet wurde.
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Uralt und unbekannt
Rindenwanzen (Aradidae) leben bevorzugt auf oder unter der Rinde von toten Bäumen. Der abgeflachte Körper und die
Tarntracht spiegeln ihre gute Anpassung an diesen Lebensraum wider. Aradiden zeichnen sich durch eine bemerkenswerte
Ernährungsweise aus. Fast alle bei uns vorkommenden Arten besaugen die Mycelien von Pilzen, die Holz zersetzen.
Die Rindenwanzen sind auf Grund dieser Lebensweise auf das Vorkommen von Totholz angewiesen.
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Eiche - Lieblingsbaum unserer xylobionten Käfer
Rindenwanzen (Aradidae) leben bevorzugt auf oder unter der Rinde von toten Bäumen. Der abgeflachteKeine Baumart bietet so vielen xylobionten Käfern einen geeigneten Lebensraum wie unsere beiden Eichenarten. Insbesondere
alte Waldstandorte mit Höhlenbäumen und stehendem, starkem Totholz mit unterschiedlichen Besonnungsgraden
besitzen eine reiche Xylobiontenfauna. Fichtenreinbestände in Buchenwaldgebieten und der Aushieb anbrüchiger
Bäume widersprechen den Artenschutzzielen. Körper und die
Tarntracht spiegeln ihre gute Anpassung an diesen Lebensraum wider. Aradiden zeichnen sich durch eine bemerkenswerte
Ernährungsweise aus. Fast alle bei uns vorkommenden Arten besaugen die Mycelien von Pilzen, die Holz zersetzen.
Die Rindenwanzen sind auf Grund dieser Lebensweise auf das Vorkommen von Totholz angewiesen.
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Ohne Totholz keine Schnecken
Auch häufigere, weit verbreitete Schneckenarten hängen stark von Totholzstrukturen ab. Besonders ausgeprägt ist diese
enge Bindung in bodensauren Buchenwäldern. Das zum Aufbau der Gehäuse zwingend erforderliche Calcium findet sich
in biologisch verwertbaren Mengen dort nur unter Totholz. Zudem sind die Schnecken unter Totholz besser vor dem sauren
Regen geschützt, der die Gehäuse langsam auflösen würde.
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Massiver Rückgang epiphytischer Flechten im Wirtschaftswald
Jede zehnte in Deutschland vorkommende Flechtenart ist zu ihrem Überleben auf natürliche oder naturnahe Waldökosysteme
mit alten, zerfallenden Bäumen und Totholz angewiesen.Viele dieser epiphytisch in Wäldern lebenden Arten sind
stark gefährdet. Eine Erhöhung der Strukturvielfalt in unseren Wirtschaftswäldern soll ihr Überleben sichern.
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Eingefrorener Wasserfall im herbstlichen Buchenwald
Wie kaum ein anderer Pilz lässt der Ästige Stachelbart Hericium coralloides (Scop.: Fr. Gray), den die Deutsche Gesellschaft
für Mykologie zum Pilz des Jahres 2006 kürte, auch heute noch jenes mystische Geheimnis durchblicken, das den
Pilzen innewohnt. Galten doch die Pilze im Mittelalter und bis ins 18. und 19. Jahrhundert nicht als Lebewesen, sondern
vielmehr als krankhafte Auswüchse der Erde und als Hexenwerk.
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Totes Holz - Substrat, auf dem die Pilze wuchern
Wer einmal die Gelegenheit hat, einen vom Wind geworfenen Buchenstamm über mehrere Jahre zu beobachten, wird
überrascht sein von der Vielfalt, die an einem solchen Stamm zu beobachten ist. Mit mehr als 250 nachgewiesenen Pilzarten
sind tote Buchenstämme der Renner für Totholzpilze. Besonders deutlich wird dies auch an den zahlreichen Pilzfruchtkörpern,
die einen solchen Stamm im Laufe der Zeit besiedeln.
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Spessartförster erfindet Totholz-Pyramiden
Ernst Tochtermann ist der Nestor der Hirschkäfer-Forschung.Viele Jahre erforschte er in Ungarn die Biologie des Insekts.
Um den größten einheimischen Käfer zu fördern, entwickelt er das Konzept der Totholzmeiler, die den Larven Lebensraum
bieten und die inzwischen in ganz Deutschland nachgebaut werden.
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Mit Likör und Marmelade auf Hirschkäferjagd
Hirschkäfervorkommen im Rahmen von natura 2000 zu erfassen bereitet den Kartierern noch große Schwierigkeiten.
Mit einem Mix aus Fruchtmarmelade, frischen Früchten und Kirschlikör versuchten Wissenschaftler aus der LWF,
Hirschkäfer anzulocken und zu fangen. Die Fangresultate waren sehr unterschiedlich. Ein wichtiges Ziel wird es daher
sein, ein Pheromon zum Anlocken von Hirschkäfermännchen zu entwickeln.
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Waldforschung aktuell
Ebbe im Gen-Pool der Douglasie
Genetische Untersuchungen in bayerischen Altbeständen der Douglasie zeigen, dass die für Bayern besonders geeignete
Küsten- oder grüne Douglasie dominiert, aber auch die nicht geeignete Inlands- oder graue Douglasie weit verbreitet ist.
Dieses Ergebnis verdeutlicht die Notwendigkeit, Saatgutbestände genetisch zu überprüfen, um die ungeeignete
Inlandsrasse von der Saatguternte auszuschließen. Gleichzeitig ergaben die Untersuchungen, dass manche
Saatgutbestände eine sehr geringe genetische Diversität aufweisen. Bei Aussaat und Verschulung verändern sich die genetischen
Populationsstrukturen nicht.
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Wald - Wissenschaft - Praxis
Eichenprozessionsspinner und Buchdrucker bereiten Sorgen
Wer in Südbayern lebt, für den bleibt der Sommer 2005 eher in kühl-feuchter Erinnerung. Ganz anders war die Situation
in Franken. Bereits im dritten Jahr hintereinander regnete es hier zu wenig. Für die Insekten waren und sind das günstige
Bedingungen, die Waldbäume erhielten bisher keine Gelegenheit zu Erholung.
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Ab sofort aktuelle Lageberichte aus dem Internet
Im Jahr 2004 wurde von der LWF während der Massenvermehrung von Buchdrucker und Kupferstecher ein
Borkenkäfermonitoring eingerichtet.Aus dem bisherigen "Borkenkäfermonitoring an Brennpunkten" wird ab heuer ein
flächendeckendes, dreistufiges Netz von Monitoringstandorten mit Schlitzfallen. Die aktuellsten Lageeinschätzungen der
Ämter für Landwirtschaft und Forsten sowie zeitnahe Informationen zum Brutgeschehen der Käfer durch Bruthölzer
ergänzen die Fallenergebnisse. Die Waldbesitzer haben die Möglichkeit, sich über das Internet über die örtliche
Gefahrensituation rasch und umfassend zu informieren.
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Immigrant oder nur verkannt?
In Unterfranken entdeckten Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft erstmals in Bayern
den "Kleinen Eichenborkenkäfer". Insgesamt sieben Exemplare gingen den Wissenschaftlern bei Rundelshausen in sogenannte
Lichtfallen. Aus Deutschland sind bisher nur wenige verstreute Funde bekannt. Es ist anzunehmen, dass dieser
wärmeliebende Käfer auf Grund der Klimaerwärmung günstigere Entwicklungsbedingungen als in der Vergangenheit
vorfindet.
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Dimilin besser als sein Ruf
Wissenschaftler aus Weihenstephan untersuchten die ökologischen Folgen des Insektizids Dimilin auf verschiedene
Waldlebensgemeinschaften.Auf Grund seines selektiven, auf die Zielorganismen ausgerichtete Wirkung ist Dimilin eines
der schonendsten derzeit zugelassenen Bekämpfungsmittel.
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Marienkäfer: von Menschen geliebt, von Blattläusen gefürchtet
Kein Insekt ist in unserer Bevölkerung so bekannt und so beliebt wie der Marienkäfer.Von dem Kurato-rium "Insekt des
Jahres" wurde die bekannteste unserer Marienkäferarten, der Siebenpunkt (Coccinella septempunctata) zum Insekt des
Jahres 2006 gekürt. Das Kuratorium hob besonders die Nützlichkeit des kleinen Käfers hervor, den schon die Bauern im
Mittelalter schätzten und den Käfer als ein Geschenk der Heiligen Maria hielten. Daher auch der Name: Marienkäfer.
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Wildlinge erneut auf dem Prüfstand
"Wildlinge sind anfällig gegen Trockenheit, "verhocken" in den ersten Jahren und wachsen nur langsam". Diese von vielen
Praktikern mitgeteilten und in der Literatur beschriebenen Beobachtungen können wir auf unseren Praxis-
Versuchsflächen in Freising nicht bestätigen. Die Buchenwildlinge wuchsen besser an, überstanden das Trockenjahr 2003
mit weniger Ausfällen und sind den Baumschulpflanzen im Wuchs eindeutig überlegen. Auch die Tannenwildlinge stehen
heute etwas besser da als die Baumschulpflanzen, der Kulturerfolg ist insgesamt aber gering.
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Kurz & Bündig
Nachrichten
Deutsche Baumpflegetage -
LWF als Fachpartner --- Rund um die Schwarzpappel
- Tagung von
LWF, SDW und BN in
Essenbach --- Hochwasser-Tagung
der LWF --- Kartierhilfe für Waldgebiete --- Bleihaltige Schrote verboten --- Freies Betretungsrecht bleibt unangetastet -
nur noch kommerzielle Veranstalter müssen
zahlen --- Rumänien setzt auf Nachhaltigkeit in der
Waldwirtschaft --- Neue Forstmesse in Rumänien --- Grenzenlose Gartenschau 2006 -
Marktredwitz --- Kleiber und Stachelbart - Fachtagung in
Ebrach --- Schneebruch - CD --- Kleinode im Wald stehen unter
besonderem Schutz --- Nächste Ausgabe - Waldpädagogik
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