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Holger Hastreiter
Schadholzmenge auch 2018 auf hohem Niveau – LWF aktuell 123

Holzeinschlag im Privatwald nochmals gestiegen. 41 % des bayerischen Gesamteinschlages waren »außerplanmäßig«

Das Jahr 2018 brachte für viele Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer keine Entspannung hinsichtlich der bereits im Vorjahr prekären Waldschutzsituation. Stürme, Dürre und Schadorganismen setzten dem Wald weiter zu. Insbesondere die borkenkäferbedingten Schäden erreichten auch in Bayern eine neue Dimension.

Balkendiagramm mit gelben, roten und grünen BalkenZoombild vorhanden

Abb. 1: Holzeinschlag der Jahre 2016, 2017 und 2018 (Grafik: LWF)

Die Einschlagserhebung der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) ergab für 2018 eine Holzmenge von 12 Mio. Festmeter im Privatwald und 1,32 Mio. Festmeter im Körperschaftswald. Die Einschlagsmengen sind somit um 4 % im Privatwald gestiegen, im Körperschaftswald hingegen um 2 % gesunken. Aus dem Staatswald (mit Nationalparken) wurden 4,86 Mio. Festmeter gemeldet.

Der Holzanfall lag damit etwa gleichauf mit dem des Jahres 2017. Im Bundeswald wurden 0,13 Mio. Festmeter genutzt, was einem Rückgang von 4 % entspricht. Der Gesamteinschlag mit 18,32 Mio. Festmeter war um 3 % höher als im Vorjahr. Die Abbildung 1 veranschaulicht die eingeschlagenen Holzmengen der vergangenen drei Jahre zum einen nach der Waldbesitzart und zum anderen, jeweils bezogen auf den bayerischen Gesamteinschlag, nach den Baumartengruppen und den ausgehaltenen Sortimenten.

Die in den Jahren angefallenen kalamitätsbedingten Holznutzungen sind, getrennt nach Schadursache, ebenfalls dargestellt. In Summe betrachtet sind 2018 41 % des Gesamteinschlags durch außerplanmäßige Holzanfälle entstanden.

An der Umfrage der LWF zum Holzeinschlag haben 617 Privatwald- und 685 Körperschaftswaldbetriebe teilgenommen. Gemäß der gesetzlich verankerten Einschlagsstatistik werden in der Erhebung vier Baumartengruppen unterschieden:
  • Fichtengruppe mit Fichte, Tanne, Douglasie
  • Kieferngruppe mit Kiefer und Lärche
  • Eichengruppe mit Stiel-, Trauben- und Roteiche
  • Buchengruppe mit Buche und alle anderen Laubholzarten
Innerhalb dieser Gruppierungen wird die Holzmenge in Erntefestmetern ohne Rinde (Efm. o. R.) nach Stamm-, Industrieund Energieholz (Scheitholz und Hackschnitzel) erhoben. Ebenfalls abgefragt wird der Anteil an nicht verwertbarem Derbholz (Durchmesser größer als 7 cm), das im Wald verbleibt, dem sogenannten NH.
Tabelle 1 gibt für allen Besitzarten und den Gesamtwald Bayerns einen Überblick über die Einschlagsmengen in den Baumartengruppen. Die Prozentwerte geben die Veränderungen zum Jahr 2017 wieder. Der im Wald verbleibende Derbholzanteil (NH) ist in diesen Werten enthalten.

Informationen, in welcher Menge und in welchem Verhältnis die Sortimente Nadel- und Laubstammholz, Industrieholz sowie Energieholz in den Besitzarten und auf der gesamten Waldfläche ausgehalten wurden und ob diese verglichen mit der Vorjahresmenge zuoder abgenommen haben, können Tabelle 2 entnommen werden. Die Mengenverteilung der Sortimente innerhalb und zwischen den Baumartengruppen und deren Veränderung sind in Tabelle 3 dargestellt. Die Zahlen beziehen sich dabei auf den bayerischen Gesamtwald.
Tabellen 1 - 3
Tabelle 1: Baumartenverteilung und deren Veränderung gegenüber 2017 in den Besitzarten
* in Tsd. Efm o. R.
BesitzartFichte
[Efm. o. R.]*
Kiefer
[Efm. o. R.]*
Eiche
[Efm. o. R.]*
Buche
[Efm. o. R.]*
Privatwald8.987 (+5 %)1.410 (–10 %)207 (+4)1.404 (+13 %)
Körperschaftswald775 (–10 %)201 (–8 %)70 (+73 %)274 (+18 %)
Staatswald3.158 (–2 %)679 (–2 %)117 (+8 %)908 (+14 %)
Bundeswald74 (+/–0)37 (–6)1 (–35 %)22 (–12 %)
Gesamtwald12.994 (+ %)2.326 (–7 %)395 (+13 %)2.608 (+13 %)
Tabelle 2: Sortimentsverteilung und deren Veränderungen gegenüber 2017 in den Besitzarten
* in Tsd. Efm o. R.
BesitzartNadelstammholz
[Efm. o. R.]*
Laubstammholz
[Efm. o. R.]*
Industrieholz
[Efm. o. R.]*
Energieholz
[Efm. o. R.]*
Privatwald5.825 (+7 %)284 (+18 %)625 (–20 %)5.110 (+4 %)
Körperschaftswald732 (–10 %)110 (+31 %)146 (+12 %)283 (–2 %)
Staatswald2.843 (+/–0 %)205 (+30 %)616 (+19 %)647 (+9 %)
Bundeswald65 (–5 %)2 (–41 %)21 (–21 %)39 (+14 %)
Gesamtwald9.465 (+3 %)601 (+24 %)1.408 (–3 %)6.079 (+4 %)
Tabelle 3: Sortimentsverteilung und deren Veränderung gegenüber 2017 in den Baumartengruppen
* in Tsd. Efm o. R.
BaumartStammholz
[Efm. o. R.]*
Industrieholz
[Efm. o. R.]*
Energieholz
[Efm. o. R.]*
Fichte8.228 (+4 %)814 (–6 %)3.574 (+4 %)
Kiefer1.237 (–1 %)153 (–36 %)828 (–9 %)
Eiche140 (+13 %)35 (+28 %)184 (+13 %)
Buche461 (+28 %)406 (+23 %)1.493 (+11 %)
Gesamtwald10.066 (+4 %)1.408 (–3 %)6.079 (+4 %)

Die Einschlagsaktivitäten im Jahresverlauf 2018

Fichte nach Sturmwurf mit herausgerissenem WurzeltellerZoombild vorhanden

Abb. 2: Die Herbst- und Winterstürme hinterließen über ganz Bayern hinweg zahlreiche Einzelwürfe. (Foto: M. Mößnang)

Zu Beginn des Jahres mussten in den betroffenen niederbayerischen Landkreisen noch die restlichen, durch den Orkan »Kolle« in 2017 verursachten Schadholzmengen aufgearbeitet und abtransportiert werden. Nach »Kolle« fegte noch eine Reihe von Herbst- und Winterstürmen über Bayern hinweg. Diese sorgten zwar weniger für flächige Schäden, hatten jedoch viele Einzel- und Nesterwürfe zur Folge. Das Finden und Beseitigen der geschädigten Bäume gestalteten sich dadurch aufwendig und langwierig. Nicht überall konnte die Aufarbeitung bis zum ersten Ausschwärmen der Borkenkäfer abgeschlossen werden. In vielen Waldbeständen »schwelten« zudem übersehene bzw. unzureichend aufgearbeitete Käfernester aus dem Vorjahr.

Die Fichtenborkenkäfer (Buchdrucker und Kupferstecher) profitierten erheblich von den für sie günstigen Lebensbedingungen in Form von ausreichend vorhandenem bruttauglichem Material und den im Jahresverlauf sehr geringen Niederschlägen, verbunden mit rekordverdächtig hohen Temperaturen. Dadurch wurden zum einen standörtlich exponierte Fichtenbestände weiter geschwächt, wodurch zusätzlicher Brutraum zur Verfügung stand, zum anderen wirkte sich die Wetterkonstellation förderlich auf die schnelle Entwicklung der Käferbruten aus und ermöglichte einen langen Käferflug bis in den September hinein. Im vierten Jahr in Folge konnte deshalb auch 2018 eine dritte Käfergeneration anlegt werden.

Aufgrund der kalamitätsbedingt hohen Anfälle an Nadelrundholz waren die Lager der Säger sehr zeitig überfüllt. Die Holzabfuhr aus den Wäldern verzögerte sich dadurch häufig. Vielerorts mussten Sammel- und Nasslagerplätze angelegt werden, um das aus Waldschutzgründen notwendige zügige Entfernen von Schadholz aus dem Wald zu ermöglichen. Die Bayerischen Staatsforsten lagerten ebenfalls vermehrt Holz ein und verringerten bzw. stoppten den Einschlag von Nadelfrischholz zum Jahresende hin. Im Zuge des durch Kalamitäten bedingten europaweiten Überangebotes an Nadelholz verschlechterten sich die Holzpreise für die Fichte und Kiefer zum Teil erheblich. Die Einschlagsaktivitäten der Waldbesitzer verlagerten sich deshalb im Rahmen der Möglichkeiten hin zu den Laubholzsortimenten, welche vom Preisverfall nicht betroffen waren.

Die Schadholzzahlen und deren Veränderungen gegenüber 2018 können, getrennt nach den Schadursachen, der Tabelle 4 entnommen werden.
Tabelle 4: Schadholzmengen und deren Veränderung gegenüber 2017 nach Schadursache
* in Tsd. Efm o. R.
BesitzartSturm
[Efm. o. R.]*
Schnee
[Efm. o. R.]*
Insekten
[Efm. o. R.]*
Pilze/Trockenheit
[Efm. o. R.]*
Summe
[Efm. o. R.]*
Privatwald1.010 (–53 %)66 (+107 %)3.390 (+21 %)646 (+64 %)5.112 (–5 %)
Körperschaftswald113 (+44 %)2 (–70 %)323 (+16 %)57 (+90 %)495 (+26 %)
Staatswald690 (+75 %)11 (+79 %)1.074 (+8 %)52 (+61 %)1.827 (+28 %)
Bundeswald10 (+26 %)0 (0 %)32 (–7 %)13 (+71 %)56 (+10 %)
Gesamtwald1.823 (–30 %)79 (+77 %)4.820 (+17 %)768 (+66 %)7.490 (+4 %)

Die Holzeinschlagserhebung im Privatwald – Hintergrund

NasslagerZoombild vorhanden

Abb. 3: Naßlagerplätze außerhalb des Waldes nehmen große Holzmengen auf. (Foto: M. Lutze, LWF)

Grundlage für die Frage nach dem Holzeinschlag ist das Agrarstatistikgesetz. Danach sind die Erzeugerbetriebe aller Besitzarten verpflichtet, jährlich Auskunft über die eingeschlagenen Holzmengen sowie über den Schadholzanteil und die Schadensursache zu geben. Seit 1999 führt die LWF im Auftrag des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten diese Erhebung durch. Dazu wurde ein mit dem Waldbesitzerverband und dem Bauernverband abgestimmtes Erhebungsverfahren mittels Fragebögen entwickelt.

Grundlegender Unterschied zur Erhebung in den anderen Bundesländern ist es, dass in Bayern die Teilnahme ausschließlich freiwillig erfolgt. Das bedeutet: Kein Waldbesitzer ist verpflichtet, den Fragebogen auszufüllen. Selbstverständlich werden die erhobenen Daten anonym behandelt, keinen Dritten zugänglich gemacht oder für andere Zwecke verwendet. Im Januar jeden Jahres schicken Mitarbeiter der LWF die Fragebögen zum Holzeinschlag des Vorjahres an mehr als tausend Waldbesitzer.

Der Teilnehmerkreis reicht dabei vom mehrjährig bei der Holznutzung aussetzenden Kleinprivatwald mit einer Eigentumsflächen von wenigen hundert Quadratmetern bis zum Großprivatwaldunternehmen mit über tausend Hektar. Nachdem die Daten aller Fragebögen an der LWF zusammengefasst und berechnet wurden, wird das Ergebnis für Bayern an das Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung weitergeleitet. Über das Landesamt gehen die Daten an das Statistische Bundesamt, wo die Ergebnisse aller Bundesländer zusammengeführt werden und letztendlich im Agrarbericht des Bundes erscheinen.
Neue Teilnehmer gesucht!
Um den gesetzlichen Auftrag der Holzeinschlagserhebung erfüllen zu können, ist die LWF auf die freiwillige Unterstützung der Waldeigentümer angewiesen. Neue Teilnehmer sind deshalb immer willkommen. Alle teilnehmenden Waldbesitzer leisten einen wichtigen Beitrag für die Holzaufkommensstatistik und für weitere grundlegende forst- und umweltpolitische Entscheidungen.

Telefon: 08161 71-5122

Zusammenfassung

Wie bereits im Jahr 2017 betrug der außerplanmäßige Holzeinschlag für 2018 circa 40 % des Gesamtholzanfalls. Mit 18,32 Mio. Festmeter lag der Gesamteinschlag gegenüber 2017 nochmals um 470.000 Festmeter höher. Wegen des europaweiten Überangebotes an Nadelholz gingen die Fichten- und Kiefernpreise zum Teil erheblich zurück. Daher verlagerten die Waldbesitzer den Einschlag im Rahmen ihrer Möglichkeiten hin zum Laubholz.

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